Papst Franziskus (Mitte) feiert mit den Ordensträgern eine Messe zum Abschluss des Gipfeltreffens. Foto: dpa

Drei Tage lang haben sich die Vorsitzenden der Bischofskonferenz im Vatikan zum Thema Kindesmissbrauch in der Kirche ausgetauscht. Der Papst stellt am Ende einen Sieben-Punkte-Plan vor – konkrete Maßnahmen bleibt er aber schuldig.

Rom - Enttäuschung herrscht in Rom. In seiner mit Spannung erwarteten Rede zum Abschluss des dreitägigen Treffens „Der Schutz von Minderjährigen in der Kirche“ fand Papst Franziskus Worte und Parallelen, die Irritationen auslösten. Er setzte Missbrauch unter anderem mit Menschenopfern gleich. Es bringe ihm „eine grausame religiöse Praxis in Erinnerung, die in der Vergangenheit in einigen Kulturen verbreitet war, nämlich Menschen – oft Kinder – bei heidnischen Ritualen zu opfern“, so der Papst am Anfang seiner Ansprache, die er am Sonntag vor den 190 Teilnehmern der Missbrauchskonferenz hielt. Konkrete Maßnahmen, mit denen die Kirche auf die zahlreichen Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen reagieren will, kündigten später andere an.

Seit Donnerstag tagten im Vatikan die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, Ordensobere und Kurienvertreter, um über Kindesmissbrauch und Maßnahmen zu diskutieren, wie die Kirche das Übel ausmerzen kann. Eine Zusammenkunft in dieser Form ist bislang einmalig im Vatikan. Da es sich aber weder um eine Synode noch um ein Konzil handelte, waren bindende Beschlüsse, die von vielen gefordert wurden, von vorneherein ausgeschlossen. Auch deshalb blickten am Sonntag alle auf den Papst, der die gesamten drei Tage bei den Diskussionen und Vorträgen selbst anwesend war.

Missbrauchsopfer kritisieren die Rede des Papstes

In einer ausführlichen Einleitung betonte der Pontifex zunächst, dass die meisten Missbrauchsfälle an Kindern in der Familie passieren, und zitierte weltliche Studien von Kontinenten. „Anstatt konsequent aus der Opferperspektive die Verantwortung der Kirche zu benennen, war es routiniertes und uninspiriertes Abspulen von Selbstverständlichkeiten“, sagte Thomas Schüller, Direktor am Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster über die Rede, die er „ein Fiasko“ nannte. Erst im zweiten Teil der Ansprache kam Franziskus auf die Kirche zu sprechen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaft ist, schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche.“ Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens werde in der Kirche noch schwerwiegender und skandalöser, weil es im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität und ethischen Glaubwürdigkeit stehe.

„Die Rede des Papstes ist der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen“, kommentierte Matthias Katsch vom deutschen Opferschutzverband Eckiger Tisch die Ansprache über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Papstschreiben angekündigt

In seiner Rede versprach Franziskus erneut ein Ende der Vertuschung und ein hartes Durchgreifen gegen Täter. Mit konkreten Maßnahmen, wie das in Zukunft erreicht werden soll, hielt er sich allerdings zurück. Selbst in der Formulierung von sieben Punkten, auf die sich die Kirche nun konzentrieren müsste, fehlten klare Anleitungen, wie das in der Praxis aussehen soll. So hieß es unter anderem, dass die Leitlinien der Bischofskonferenzen „verstärkt und verifiziert“ werden müssten. Die bereits existierenden Parameter müssten „als Normen und nicht bloß als Orientierungen gelten“. Im Besonderen müsse „ein neuer wirksamer Ansatz zur Prävention in allen Einrichtungen und Bereichen kirchlicher Tätigkeit entwickelt werden“.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx verteidigte die Rede von Papst Franziskus hingegen gegen Kritik. „Ich kann nicht erkennen, dass das nur qualmiges, nebulöses Gerede war“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in Rom. Ganz im Gegenteil. Die Rede sei „sehr konkret, sehr deutlich“ gewesen. Der Papst habe in den sieben Punkten seine Leitlinien dargestellt, die die Bischofskonferenzen nun in ihren Ländern umsetzen müssten. „Es darf nicht bei diesen vielen Vorschlägen bleiben, es muss konkret abgearbeitet werden. Und darum werde ich mich bemühen“, sagte Marx, der auch zum Beratergremium des Pontifex gehört.

Im Anschluss konkrete Initiativen angekündigt

Einen Hoffnungsschimmer, dass es nicht nur bei Sonntagsreden bleibt, lieferte Padre Federico Lombardi, der im Vorbereitungskomitee der Konferenz saß und das Treffen moderiert hat. Er war es, der nach der Papstrede baldige konkrete Initiativen ankündigte. So seien sowohl ein neues Papstschreiben zum Thema Kindesmissbrauch als auch neue Richtlinien und Gesetze in Arbeit. Außerdem habe der Papst den Willen geäußert, sogenannte Task-Forces zu installieren – Teams aus „kompetenten Personen“, die den Bischofskonferenzen und Diözesen, die Schwierigkeiten beim Umgang mit dem Thema Missbrauch hätten, beistehen. Charles Scicluna, der Erzbischof von Malta, der den Gipfel ebenfalls mit vorbereitet hatte, ergänzte: Der Papst werde diese Anweisungen „in unmittelbarer Zukunft“ verkünden.

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