Ein Handballtrainer aus Fellbach sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann, der als Ziehvater vieler Spieler galt, soll fast 15 Jahre lang mehrere Schutzbefohlene sexuell missbraucht haben.
Fellbach - Der Missbrauch soll sich über Jahre hinweg gezogen haben, insgesamt soll es mehrere hundert Male geschehen sein: Ein 53 Jahre alter Handballtrainer aus Fellbach steht unter Verdacht, Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Staatsanwaltschaft und Polizei teilten am Donnerstag mit, der Mann sitze bereits seit dem 29. November in Untersuchungshaft.
Der 53-Jährige war in der Stadt gewissermaßen als Institution und als Ziehvater vieler Handballer bekannt, die teilweise sogar in der 2. Bundesliga spielten. Er war beim SV Fellbach, aber im Lauf der Jahre auch bei anderen Vereinen – nach Informationen unserer Zeitung bei der HSG Cannstatt/Münster/Max-Eyth-See und vor längerer Zeit auch beim TV Oppenweiler – aktiv.
Beim SV Fellbach zeigt man sich schockiert
In Fellbach wurden Eltern und Betreuer per Rundschreiben über den Fall informiert. Die Vereinsführung zeigt sich darin schockiert: „Wir und möchten allen Betroffenen unser großes Mitgefühl ausdrücken, aber auch dafür danken, dass sie den Mut aufgebracht haben, die Taten aufzudecken“, heißt es. Der Trainer sei nicht mehr für den Verein tätig. Für Januar hat die Handballabteilung eine für alle Trainer und Trainerinnen verpflichtende Schulung zur Prävention sexualisierter Gewalt anberaumt.
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Im Juli dieses Jahres hatte sich ein erstes mutmaßliches Opfer, das inzwischen volljährig geworden ist, der Polizei anvertraut. Daraufhin nahmen die Kriminalpolizei Waiblingen und die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass sich der Mann seit 2006 bis zum laufenden Jahr mehrere hundert Mal an Kindern und Jugendlichen vergangen haben soll.
Offenbar wurden Aufnahmen des Missbrauchs gemacht
Bei einer Hausdurchsuchung bei dem 53-Jährigen wurde laut der Polizei umfangreiche Beweise sichergestellt, darunter kinderpornografisches Material. Laut der Polizei konnten dadurch weitere mutmaßliche Opfer ermittelt und vernommen werden. Das deutet darauf hin, dass der Mann von dem Missbrauch Foto- oder Videoaufnahmen gemacht haben könnte. „Wir gehen derzeit von einer einstelligen Zahl von Opfern aus“, sagt ein Polizeisprecher der Polizei. Wie viele Opfer es letztlich waren, ist Gegenstand der Ermittlungen – es ist aber möglich, dass es noch weitere Geschädigte gibt.
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Der Waiblinger Anwalt Jens Rabe vertritt sechs der mutmaßlichen Opfer. Der Fall habe eine „außergewöhnliche Dimension“, sagt der Jurist. Er lobt die Ermittlungsarbeit der Polizisten: „Diese waren nicht nur akribisch, sondern auch sehr empathisch den Betroffenen gegenüber.“ Bemerkenswert sei auch, dass die Aufklärung des mutmaßlichen Missbrauchs aus dem Fellbacher Verein heraus angestoßen worden sei.
Fellbach will Missbrauch stärker entgegenwirken
Die Oberbürgermeisterin der Stadt Fellbach, Gabriele Zull, zeigte sich „zutiefst schockiert“ über den Fall. „Sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche sind unmenschlich, unbegreiflich, verstörend und durch nichts zu entschuldigen“, sagte sie. Erst im April dieses Jahres war die Prävention sexuellen Missbrauchs Thema im Sozialausschuss der Stadt. Dort war beschlossen worden, die Vereine künftig stärker bei der Präventionsarbeit zu unterstützen – und sie vielleicht auch zu entsprechenden Konzepten zu verpflichten.
In der Stadt machte die Nachricht von der Festnahme des Mannes schnell die Runde. In den sozialen Medien verfassten etliche Fellbacher wütende, teilweise hasserfüllte Kommentare.
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