Experten haben die sexuellen Übergriffe in der Dorfgemeinschaft Tennental aufgearbeitet. Ihre Empfehlungen seien bereits umfassend umgesetzt, sagt der Vorstand.
Die sexuellen Übergriffe an acht Bewohnerinnen zwischen 2005 und 2019 beschäftigen die Dorfgemeinschaft Tennental nahe Deckenpfronn bis heute. Die Vorfälle kamen ans Licht, als ein dort angestellter Heilerziehungspfleger sich 2020 selbst anzeigte, um reinen Tisch zu machen. Was folgte, war zunächst die juristische Aufarbeitung durch mehrere Gerichtsverfahren. Der heute 34-Jährige wurde zu vier Jahren Haft und anschließendem Aufenthalt in der Psychiatrie verurteilt worden. In einem weiteren Schritt arbeitete ein Expertenbeirat die Vorgänge auf und erstellte einen Zwischen- sowie einen Abschlussbericht. Dieser liegt jetzt vor.
Das Ziel der Expertengruppe unter der Leitung von Peter Groß, Professor für Inclusive Education an der Evangelischen Hochschule Darmstadt, sei es gewesen, zu klären, wie es zu den Übergriffen in den Jahren um 2008 kommen konnte, teilt die Gemeinschaft jetzt mit. Außerdem habe Groß untersucht, wie wirksam die Schritte seien, die die Dorfgemeinschaft Tennental in den Jahren danach unternommen habe, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern.
Strukturelle Mängel in der Organisation
Auf 162 Seiten analysiert der Beirat die damalige und heutige Organisationsstruktur der Dorfgemeinschaft. Er weist deutlich auf strukturelle Mängel hin, durch die Täter und Mitwisser relativ ungestört agieren konnten. Der Vater des Pflegers und dessen Lebensgefährtin waren jahrelang in verantwortlicher Position in der Gemeinschaft tätig und sollen die Taten vertuscht haben. Sie waren vor dem Böblinger Amtsgericht wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch angeklagt.
Der Bericht listet eine Reihe von Maßnahmen auf, um derartige Vorkommnisse künftig wirksam zu verhindern. So solle die Gewaltprävention weiter ausgebaut und sichtbarer gemacht werden. Das Budget und die Besetzung solle die Gemeinschaft aufstocken. Außerdem fordert Groß, ein klares sexualpädagogisches Konzept zu entwickeln unter Einbindung der Menschen mit Assistenzbedarf. Die Frage strukturell angelegter Macht durch Abhängigkeit und mögliche Gewalt solle überprüft werden.
Empfehlungen seien umfassend umgesetzt
Dazu sollte zudem das Leitbild der Dorfgemeinschaft auf den Prüfstand und die soziale Abhängigkeiten von Menschen mit Assistenzbedarf verringert werden. Tennental-Vorstand Matthias Hacker betont: „Die Empfehlungen sind uns bereits aus dem 2022 veröffentlichten Zwischenbericht bekannt und konnten inzwischen umfassend umgesetzt werden.“ Der Beirat begrüße die sehr ernsthafte Haltung der Verantwortlichen, heißt es abschließend in dem Bericht. Dieser soll am 25. April in der Dorfgemeinschaft offiziell übergeben und vorgestellt werden.