Die Stuttgarter Kfz-Zulassungsstelle ist hoffnungslos veraltet. Gutachter empfehlen einen Neubau und die Neustrukturierung der Abläufe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In der anhaltenden Misere bei der Kfz-Zulassungsstelle zeigt sich exemplarisch, wie sich eine wirklich reiche Stadt kaputtsparen kann, meint unser Kommentator Konstantin Schwarz.

Stuttgart - Rund 90 Minuten Wartezeit seien nötig, um zwei simple Blechschilder zur Autoanmeldung zu erhalten, das hat eine Managementberatung im Auftrag der Stadt bei der Kfz-Zulassungsstelle gemessen. Der Wert zeigt: Managementberatungen können irren. Die 90 Minuten verschleiern, dass man Wartemarken ergattern und dafür in der Krailenshalde vor sechs Uhr anstehen musste, um dann bei Öffnung der Behörde um 7.15 Uhr in den Genuss der langen Wartezeit zu kommen.

 

Das Gutachten, das nach 21 Monaten auf den Tisch kam, hat den Totalschaden bei der Kfz-Zulassungs- und Führerscheinstelle nicht aufgedeckt, sondern bestätigt. Die Zustände seien „nicht tragbar“, sagt Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU), sein für das Personal zuständiger Kollege Fabian Mayer (CDU) stimmt zu und bewilligt wegen der extremen Krankenquote „zur Stabilisierung des Dienstbetriebs“ sogar fünf mehr als die nötigen zusätzlichen 16,4 Stellen. Zur Ehrenrettung der beiden sei gesagt: Sie sind noch vergleichsweise jung im Amt und nicht hauptverantwortlich für die Zustände, denen Beschäftigte und Kunden sich ausgesetzt sehen. Beide arbeiten auf, was durch Sparorgien ein Jahrzehnt lang versäumt wurde, nämlich für ausreichend Personal und adäquate Technik zu sorgen. Die Förderanlage für die Akten in der Zulassungsstelle stammt aus den 60er-Jahren.

In dieser finsteren Zeit sollte Stuttgart nicht verharren

Es wird höchste Zeit für Investitionen, an der Krailenshalde auch in einen Neubau und vielleicht sogar in ein zweites derartiges Dienstleistungsangebot im Süden der Stadt. Zur Computer-Hardware sagt das Gutachten, sie solle auf den „städtischen Standard“ gehoben werden. Bitte nicht! Die Verwaltung hat wegen Corona aufgerüstet, damit den Standard aber nach Einschätzung der Nutzer von der Steinzeit ins Mittelalter katapultiert. In dieser finsteren Zeit sollte Stuttgart nicht verharren.