Jeff Daniels spielt James Comey als Ehrenmann.Foto:Sky/Ben Mark Holzberg Foto:  

Die vierteilige Miniserie „The Comey Rule“ bei Sky zeigt, wie der frühere FBI-Chef James Comey in die Mühlen der Politik geriet. Jeff Daniels spielt Comey als Mann mit Prinzipien, der sich erst bei den Demokraten verhasst macht und dann von Trump gefeuert wird.

Stuttgart - Eine Vier-Augen-Audienz beim US-Präsidenten, wer in Washington möchte die nicht? Zugang zum Oval Office bedeutet in der Welt der Lobbyisten, Karrierepolitiker und Beamten Einfluss und Vorteile. Ein Mann aber, so erzählt es die nun bei Sky zu sehende Miniserie „The Comey Rule“, wollte solch einen Zugang entschieden nicht: James Comey, Chef der US-Bundespolizei FBI.

In Gestalt des Schauspielers Jeff Daniels tritt Comey uns als Beamter entgegen, der die Gewaltenteilung für unantastbar hält, der also nicht mit dem Präsidenten im Zweiergespräch sitzen will, weil dadurch nach außen hin seine Neutralität kompromittiert wäre. Gerade Comey aber geriet mitten hinein in die Politschlachten. Als er kurz vor der Wahl 2016 die Ermittlungen zu Hillary Clintons Mail-Affäre wieder aufnehmen ließ, wurde er der Held der Trump-Anhänger und der Buhmann der Demokraten. Als er dann wegen russischer Einmischungen in die US-Wahl ermitteln ließ, wurde er kurz mal ein Held der Demokraten und von Trump gefeuert.

Schwierige Abwägungen

„The Comey Rule“ von Regisseur Billy Ray setzt 210 Minuten lang die wichtigsten Passagen aus Comeys Rechtfertigungsbuch „Größer als das Amt“ um. Comey erscheint als Mann, der das FBI völlig neutral halten will, aber ausmanövriert wird. Die Dialoge polemisieren nicht, sie legen die schwierigen Abwägungsprozesse von Ermittlern offen, die sich eigentlich jeden Gedanken daran verbieten müssen, welche publizistischen und politischen Folgen ihre Ermittlungen haben könnten.

Wo Aarin Sorkins Serie „The West Wing“ ab 1999 mit witzigen Zuspitzungen und großartiger Rhetorik eine der großen fiktionalen Behandlungen des US-Politikbetriebs wurde, triumphiert „The Comey Rule“ durch bittere Nüchternheit. Comey selbst neigt zwar schon mal zum hehren Grundsatzwort, aber die Inszenierung fängt das immer ein: Dies ist ein Film über die Architektur einer Fallstrickanlage.

Donald Trumps Kern

Trumps Gebaren weicht so weit von demokratischen, rationalen, ja, erwachsenen Standards ab, dass jede Darstellung in die Gefahr wüster Überhitzung gerät. Der Schauspieler Brendan Gleeson bekommt das wunderbar in den Griff. Er liefert nicht zu viel Trump, aber auch nicht zu wenig. Er verschlankt Trump auf jenen Kern, den die Welt noch immer kaum fassen kann, auf die Mischung aus verschlagenem Machtmenschen und verzogenem Kind.

In knappen, galligen Szenen wird vorgeführt, wie Trumps Team die Regeln und Maßstäbe ändert. Alle Staatsorgane sieht man nun als persönliche Werkzeuge des inneren Zirkels im Weißen Haus, ganz dessen Vorteilsbegehren unterworfen. Gesetze und Verfahrensregeln sind Knetmasse, die man sich zurechtbiegt. Und eine Serie wie diese, hat ein US-Kritiker geschrieben, die sich zerknirsche an Fragen der Korrektheit, komme einem da folglich nur noch wie das Relikt einer anderen Epoche vor.

Verfügbarkeit: beim Streamingdienst Skyticket.de, alle vier Folgen bereits abrufbar.

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