Wenn es heiß ist, setzten die meisten auf Mineralwasser. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Sprudel ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Die Stiftung Warentest hat 32 verschiedene Sorten nun einem Test unterzogen. Tatsächlich hat der Test überraschende Ergebnisse zu Tage gebracht.

Mit den Temperaturen steigt auch der Durst: „Analog zu den steigenden Temperaturen steigt die Nachfrage nach Mineralwasser“, erklärt Markus Humpert, Geschäftsführer von Franken Brunnen. Je nach Wetter werde von Mai bis September das meiste Mineralwasser verkauft. Mit produzierten 12,4 Milliarden Litern ist natürliches Mineralwasser mit Abstand das Lieblingsgetränk der Deutschen, zeigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Stiftung Warentest hat „Test“ 32 Mineralwässer mit hohem Kohlensäuregehalt getestet – mit zumeist guten Ergebnissen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Durstlöscher.

 

Wie wurden die Mineralwässer getestet?

Viele der getesteten Mineralwässer schnitten gut ab, acht bekamen von der Stiftung Warentest die Note „sehr gut“ – darunter sechs günstige Handelsmarken wie Rewe, Penny und Lidl. Allerdings stellen Spurenstoffe aus der Umwelt vermehrt die Reinheit des Mineralwassers infrage: In neun der 32 getesteten Produkte fand die Stiftung Warentest Süßstoffe oder Abbauprodukte von Pestiziden und Waschmitteln. „Mögliche Ursachen der Verunreinigung können ein sanierungsbedürftiger Brunnen oder eine überstrapazierte Quelle sein“, sagt Stiftung-Warentest-Expertin Sara Waldau. Die Mengen der Spurenstoffe im Test seien gesundheitlich unbedenklich gewesen – die Bezeichnung „natürliches Mineralwasser“ sei aber fraglich.

Welches Mineralwasser schnitt besonders schlecht ab?

Das am schlechtesten bewertete Produkt war eines der teuersten im Test: Das mit Bioqualität beworbene Wasser des Anbieters Carolinen. „Es wirbt mit Bioqualität, liefert diese aber nicht“, so Waldau. „Es enthielt Spurenstoffe aus der Umwelt.“ Dafür gab es in der Deklaration die Note „mangelhaft“.

Was zeichnet ein Biomineralwasser aus?

Laut Angaben der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser stammen mit dem Bio-Siegel zertifizierte Mineralwässer aus besonders reinen Quellen, die streng überwacht werden. „Dabei gelten noch mehr und noch strengere Vorschriften als für konventionelles Mineralwasser – immer auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung.“ Dies bedeute für den Verbraucher mehr Sicherheit vor Nitraten, Pestiziden und anderen menschgemachten Gefährdungspotenzialen. Darüber hinaus setzen sich die entsprechend zertifizierten Betriebe aktiv für den Wasser- und Umweltschutz ein, indem sie die Umstellung zum wasser- und klimaschonenden Ökolandbau in ihrer Region fördern, ihre Quellen absolut nachhaltig bewirtschaften und ihre Getränke umweltfreundlich verpacken.

Was ist von als „klimaneutral“ beworbenen Mineralwässern zu halten?

Einige Marken bewerben ihre Produkte als „klimaneutral“. „Das bedeutet aber nicht, dass ein Mineralwasser emissionsfrei ist“, betont Stiftung-Warentest-Expertin Waldau. Im besten Fall würden die Anbieter den Ausstoß von Treibhausgasen so weit wie möglich senken, aber nicht alle Emissionen würden sich vermeiden lassen. Letztere werden dann über die Unterstützung zertifizierter Klimaschutzprojekte kompensiert.

Ist Mineralwasser mineralstoffreicher als Leitungswasser?

Auch wenn die Bezeichnung es vielleicht erwarten lässt: Mineralwasser muss nicht mineralstoffreich sein. Mineralwässer mit hohem Mineralstoffgehalt enthalten mehr als 1500 Milligramm gelöste Mineralstoffe pro Liter. Einen Überblick über die Mineralstoffzusammensetzung gibt der Analysenauszug auf dem Etikett. Und der gezielte Blick auf einzelne Mineralstoffe kann sich durchaus lohnen: Für alle, die Milchprodukte etwa aufgrund von Unverträglichkeiten meiden, ist es wichtig, auf besonders kalziumreiches Mineralwasser zu achten. Denn Kalzium stärkt die Knochen und ist wichtig für die Erregbarkeit von Nerven und Zellen. Auch Magnesium ist wichtig, denn es ist beteiligt am Aufbau von Knochen und stärkt die Erregbarkeit der Nerven. Natrium wiederum reguliert den Wasserhaushalt im Körper und ist wichtig für die Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen. Allerdings dürfen Babys und Kleinkinder nur wenig Natrium zu sich nehmen – Mineralwässer, die zur Zubereitung von Babynahrung genutzt werden, sollten deshalb besonders natriumarm sein. Meistens sind die Etiketten mit dem Aufdruck „Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet“ versehen.

Ist gesprudeltes Leitungswasser die bessere Wahl?

Geschmack und Mineralstoffgehalt unterscheiden sich je nach Wohnort. Was Keime und kritische Substanzen betrifft, garantieren die Wasserwerke einwandfreies Leitungswasser bis zum Hausanschluss: „Das Trinkwasser größerer Trinkwasserversorger besitzt eine gute bis sehr gute Qualität“, fasst der aktuellste Bericht von Gesundheitsministerium und Umweltbundesamt vom Frühjahr 2021 zusammen. Sämtliche mikrobiologischen und chemischen Parameter würden zu mehr als 99 Prozent eingehalten. Bei vereinzelten Überschreitungen muss das Wasserwerk warnen und Gegenmaßnahmen wie etwa eine vorübergehende Chlorung des Trinkwassers einleiten. In Sachen Nachhaltigkeit schneidet Trinkwasser aber in jedem Fall besser ab als Mineralwasser: Schließlich wird es einfach aus dem Hahn gezapft und nicht in Flaschen abgefüllt, die dann wiederum mit Lastwagen zu Supermärkten gekarrt werden.