Kennt sich im Innersten der Therme bestens aus: Wolfgang Hermle. Foto: /Stefanie Schlecht

Vor dem neuen Leiter der Böblinger Therme, Wolfgang Hermle, liegt das Großprojekt „Therme 2030“. Es geht um technische Neuerungen, Energieeffizienz und eine Erweiterung des Angebots.

Wohlig warm ist es in der Böblinger Therme, während draußen graues Winterwetter herrscht. Der neue Chef Wolfgang Hermle führt durch sein Reich und gibt Einblick in die Pläne für das Bad. Schnell entsteht der Eindruck: Hermle, der im Mai 2024 die Nachfolge von Rolf Dettinger angetreten hat, ist voll und ganz an seinem neuen Arbeitsplatz angekommen. Und: Er ist ein Technikfuchs, der sich ganz offensichtlich nicht davor scheut, Neues auszuprobieren.

 

Gute Voraussetzungen also, das Projekt Therme 2030 anzugehen, das das Bad für die Zukunft fit machen soll – „im Sinne der Nachhaltigkeit und der Wirtschaftlichkeit“, sagt Hermle. So wird die Therme derzeit beispielsweise noch komplett mit Gas betrieben – was sich ändern soll. Es geht um technische Neuerungen, Energieeffizienz, aber auch um eine Erweiterung des Angebots. Mit dem Ziel: „Wir wollen die Erfolgsgeschichte der Therme fortschreiben.“


Wie mögliche Zusatzangebote aussehen könnten, werde derzeit diskutiert – unter anderem in Workshoprunden mit den Mitarbeitenden. „Wenn wir erweitern, dann mit gesundheitsnahen Dienstleistungen“, sagt der 61-Jährige. Man habe aber nicht vor, die Besucherzahlen drastisch zu steigern – 2024 waren es 440 000. „Sondern wir wollen qualitative Zusatzangebote machen.“

Wie die neuen Angebote aussehen könnten

Physiotherapie, Kältetherapie, Eisbaden, Atemtherapie und Höhentraining sind Stichwörter, die der Geschäftsführer nennt. Beim Höhentraining gebe es beispielsweise Anhaltspunkte, dass es Long Covid-Patienten helfen könnte. „Allerdings müssen wir das noch evaluieren.“ Überhaupt stehe man bei der Erweiterung der Therme noch ganz am Anfang. Auch, was die räumliche Erweiterung betrifft. Theoretisch gäbe es demnach noch Platz im Wäldchen hinter dem Rundbau oder Richtung Freibad.

Hier unten im Technikraum pocht das Herz der Therme. /Stefanie Schlecht

Während über die Angebote und Dienstleistungen noch diskutiert wird, scheint eine andere Sache schon festzustehen. „Wir wollen eine weitere Aufgusssauna bauen, nach Möglichkeit sogar noch vor 2030.“ Zwar erfreuten sich die Sauna und der Saunagarten großer Beliebtheit. Doch ein Aspekt stehe in der Kritik: dass es zu wenig Aufgüsse gebe.

Von anderen Neuerungen werde die Gäste nur indirekt etwas mitbekommen. Unsichtbar für ihre Augen schlägt im Keller das Herz des Bades. Der Technikraum nimmt in etwa die Grundfläche des Bades ein und hält alles am Laufen. Hier wirkt Hermle ganz in seinem Element. „Krankenhäuser und Bäder – komplexere technische Anlagen gibt es kaum“, sagt er nicht ohne Stolz.

Damit auch künftig alles reibungslos läuft, stehen Änderungen an, beispielsweise bei der Filteranlage. Dieses Jahr sind Testläufe mit dem alten und einem neuen System geplant, die zeigen sollen, welches geeigneter ist. Vom neuen verspricht sich Hermle mehr Effizienz und weniger Wartungen. Überzeugt das neue System, könne man ab 2029 umsteigen. Austauschen müsste man die Anlage aber in jedem Fall. Sie stammt noch aus dem Jahr 1989, als das Bad in Betrieb ging, und wurde zwar „sehr gut gepflegt“, so Hermle. Das Ende ihrer Lebensdauer hat sie trotzdem erreicht.

Böblingen könnte Vorreiter werden

Bei einem anderen Thema könnte die Böblinger Therme offenbar sogar eine Vorreiterrolle einnehmen. „Wir wollen versuchen, aus dem Abwasser Wärme zu gewinnen“, sagt Hermle. Die Technik funktioniert in etwa so: Durch ein dünnes Rohr in einem größeren Rohr fließt gebrauchtes, warmes Wasser und gibt seine Wärme an Frischwasser ab, das um das kleine Rohr herum fließt. Um diesen Wärmetauscher zu nutzen, wolle man versuchen, Fördergelder zu bekommen. Dann könnte Böblingen laut Hermle die erste Therme in Baden-Württemberg werden, die einen solchen Wärmetauscher einsetzt. „Wir wollen die Abwärme stärker nutzen und den Anteil erneuerbarer Energien deutlich ausbauen,“ fasst er zusammen. So könnte er sich beispielsweise PV-Anlagen auf dem Dach vorstellen oder aufgeständerte Solarzellen über dem Parkplatz. Wie viel Gas sich mit diesen Maßnahmen einsparen ließe könne er aktuell nicht abschätzen, dafür sei es noch zu früh. Er sagt aber auch: „Ganz auf Gas verzichten können wir nicht.“ Nicht nur die Räume müssten geheizt werden, sondern auch das Wasser. Das sprudele zwar warm aus den Mineralquellen, bis es die mehreren Hundert Meter bis zum Bad zurückgelegt habe, kühle es aber ab. „Und wir können unseren Gästen ja nicht sagen, heute ist das Wasser zwei Grad kälter, weil keine Sonne scheint.“ Trotzdem: Unter den Schlagwörtern Therme 2030 ist viel Neues geplant. Das meiste muss, wenn es konkret wird, eine Schleife durch den Böblinger Gemeinderat drehen. Die Gesamtkosten für das Projekt schätzte die Stadtverwaltung im Herbst grob auf 18 bis 25 Millionen Euro. Monatelange Schließungen müssen Gäste eher nicht befürchten. Viel könne während des laufenden Betriebs gemacht werden. Auch das Aussehen des Bades ändere sich nicht grundlegend. „Die DNA der Therme soll erhalten bleiben“, betont Hermle.

PV-Anlagen auf Dach und Parkplatz

Zur Therme und zu Wolfgang Hermle

Das Bad
Im Jahr 1983 stieß man bei Bohrungen in Böblingen in 775 Metern Tiefe auf Mineralwasser, seit 1989 ist die Therme auf dem Hexenbuckel in Betrieb. Etwa 700 Gäste finden zeitgleich im Bad Platz. Letztes Jahr kamen 440.000 Besucher.

Schließzeit
Im Mai schließt die Therme für drei Wochen wegen Sanierungsarbeiten. Unter anderem bekommt das Bewegungsbecken neue Fliesen und der Meerklimaraum neue Technik.

Vita
Hermle hat an der Uni Tübingen Sport und Geografie auf Lehramt studiert. Über einen Richtungswechsel kam er in die Bäderwelt. Er war zehn Jahre lang Geschäftsführer des Fildorado. Bevor er nach Böblingen kam, leitete er 13 Jahre lang die Bäder in Osnabrück.