Gerard Bouve ist Experte für Fossilien – hier mit der Nachbildung eines Saurierschädels. Foto: /Michael Käfer

Gerard Bouve ist seit 40 Jahren Mitglied der Stuttgarter Mineralien- und Fossilienfreunde mit Sitz in Fellbach. Einst hat er den Eislinger Saurierfriedhof entdeckt.

Wer Gerard Bouve nach einem besonderen Moment in seinem Leben fragt, der muss nicht lange auf eine Antwort warten: „Die Fischsaurier in Eislingen waren für mich das Highlight.“ Es war ein regnerischer Sommersonntag im Jahr 2002, als der inzwischen 76-Jährige entlang der Baustelle der B10 unterwegs gewesen war. Seine Suche nach Fossilien neigte sich dem Ende zu. „Wir hatten unsere Sachen schon gepackt und waren auf dem Weg zum Auto“, sagt der im sächsischen Erzgebirge aufgewachsene Franzose mit Wohnsitz in Waiblingen.

Ein faustgroßer Wirbelkörper eines Fischsaueriers

Da von der Böschung der Baustelle einige Brocken heruntergerollt waren, schaute Gerard Bouve noch einmal genauer hin – und fand den faustgroßen Wirbelkörper eines Fischsauriers. Pflichtbewusst meldete der gelernte Vermessungstechniker seine Entdeckung, denn ihm war klar, dass es sich um ein Hinweisfundstück handelte: Wo ein Wirbel lag, musste es noch weitere geben. Experten der Universität Tübingen machten sich kurz darauf ans Werk, und die wissenschaftliche Sensation erregte großes Aufsehen. In mehreren Grabungen wurden bis 2006 Skelettreste von Fischsauriern, Meereskrokodilen, Flugsauriern, Knorpel- und Knochenfischen sowie Spuren weiterer Meeresbewohner gefunden. Neben der schieren Anzahl war der herausragende Erhaltungszustand bemerkenswert, denn sogar feinste Strukturen im Knochenaufbau der Fossilien sind nach mehr als 180 Millionen Jahren noch deutlich erkennbar.

Bei den Stuttgarter Mineralien- und Fossilienfreunden ist Gerard Bouve seit rund 40 Jahren Mitglied und in der Fossiliengruppe aktiv. Sein besonderes Augenmerk gilt Plattenkalken, also geschichteten Gesteinen wie dem Weißen Jura. Darin hat er auch sein Lieblingsstück gefunden, einen Knochenfisch in der Größe einer Forelle.

Spezialisierte Arbeitsgruppen des Vereins befassen sich zudem mit Mineralien oder deren Fotografie. Eine Schleifergruppe gibt es ebenso wie eine Goldschmiede und eine Frauengruppe. Sie sind mit hochwertigen Geräten und Maschinen ausgestattet, die in der Vergangenheit auch aus den Überschüssen der bis zum vorvergangenen Jahr in der Schwabenlandhalle ausgerichteten Herbstbörse finanziert wurden. Das umfangreiche Jahresprogramm der trotz ihres Namens in Fellbach beheimateten Stuttgarter Mineralien- und Fossilienfreunde umfasst neben Vorträgen und Ausflügen, die mehrmals im Monat stattfindenden, Treffen.

Ein umfangreiches Expertenwissen

Gerard Bouve nimmt regelmäßig daran teil und hat sich so im Laufe der Jahre ein umfangreiches Expertenwissen angeeignet. Dass die einzelnen Gruppen zusammenarbeiten, ist derzeit für ihn besonders wichtig. Seit einem zweiwöchigen einst in Danzig besuchten Kurs über Bernsteine hat er mehrere Kilogramm davon. Kürzlich hat der Rentner sie sortiert und per Schichtfotografie sollen nun die schönsten Einschlüsse ins rechte Licht gerückt werden: „Ich will wissen, was in dem Bernstein drin ist.“

Mineralien- und Fossilienfreunde

Der Verein
Die in der Stuttgarter Straße 108 beheimateten Stuttgarter Mineralien- und Fossilienfreunde haben rund 70 Einzelmitglieder sowie weitere Familienmitglieder. Sie wurden 1991 aus einem seit 1961 bestehenden Vorgängerverein heraus gegründet. 1971 fand die erste große Börse für Mineralien und Fossilien in der alten Stadthalle von Fellbach statt.

Zur Person
Seit Februar dieses Jahres ist der 67-jährige Johann Martin Steger Vereinsvorsitzender. Der ehemalige Wirtschaftsprüfer- und Steuerberater wohnt in Ditzingen.