Gähnende Leere, unberührtes Wasser: Das beliebte Freibad in Oberstenfeld ist geschlossen – und so bald wird sich daran nichts ändern. Foto: / Qingwei Chen

Baden verboten – Biergarten-Freuden auch: Die Zweckverbandsmitglieder aus Oberstenfeld und Beilstein haben entschieden, die Liegeflächen des Freibades doch nicht als Bürgerpark zur Verfügung zu stellen.

Oberstenfeld/Beilstein - Schon der Entscheidung, das Freibad Oberstenfeld in diesem Jahr nicht zu öffnen, war ein ziemliches Tohuwabohu voraus gegangen – wegen der emotionalen Debatte und auch wegen der nicht für jedermann nachvollziehbaren Abstimmungen in den Gemeinderäten in Oberstenfeld und Beilstein, die das Bad als Zweckverband betreiben. In Oberstenfeld fiel die Entscheidung mit einer Stimme Mehrheit gegen die Öffnung des Bades, die Beilsteiner hingegen votierten mit deutlicher Mehrheit für eine Öffnung. Und so hat die Coronakrise nun auch zu einer handfesten Krise des Zweckverbands geführt.

Denn in der entscheidenden Sitzung des Zweckverbands widersetzten sich dann einige Mitglieder dem Votum ihrer Gemeinderäte – weshalb die Abstimmung über die Öffnung des beliebtesten Freibads Deutschlands ungültig war. Diesen inoffiziellen Titel trägt das 1975 eröffnete Mineralfreibad im Oberen Bottwartal, seitdem es bei einer Auswertung des Verbraucherportals testberichte.de vor zwei Jahren die besten Noten bekommen hatte.

Die Bäder-Posse

Die Posse hatte nach dem Votum, das Bad nicht zu öffnen, noch kein Ende – im Gegenteil. Immerhin haben die meisten Freibäder in der Region nach der coronabedingten Schließung längst geöffnet. Also wollte man auch in Oberstenfeld den Bürgern etwas Gutes tun: Wenn nicht als Schwimmbad, sollte die Anlage über den Sommer zumindest als Bürgerpark geöffnet werden. Viel Grün ist ja vorhanden. Seit Dienstag steht fest: auch daraus wird nichts. Warum? Es ist kompliziert.

Eigentlich war die Entscheidung, die Liegeflächen des Mineralfreibads über den Sommer als Park zu nutzen, schon in trockenen Tüchern: Der Gemeinderat von Oberstenfeld hatte sich kürzlich klar dafür ausgesprochen, und da die Gemeinde im Zweckverband mit 56 Prozent die Mehrheit gegenüber dem Partner Beilstein hält, deutete alles auf ein Ja hin.

Und dann kam alles wieder anders

Dachte man, und dann kam wieder alles anders. Bei der alles entscheidenden Zweckverbandssitzung am Dienstag sprachen sich einige Stadträte aus Oberstenfeld plötzlich gegen den Vorschlag aus, das Bad anderweitig zu nutzen – weil sie die Partner aus Beilstein „nicht mit Gewalt“, wie es ein SPD-Mitglied ausdrückte, überstimmen wollten. Die Beilsteiner Gemeinderäte hatten sich nämlich darauf geeinigt, nicht für eine Parknutzung zu stimmen – und kamen mit einem entsprechenden Mandat in die Zweckverbandssitzung.

„Wir haben uns als Verwaltung bei der Vorlage schon schwer getan“, sagte Beilsteins Bürgermeister Patrick Holl. Ist es wichtig, wenigstens einen kleinen Teil der Anlage nutzbar zu machen? Oder handelt es sich dabei nur um einen bemühten Versuch, noch etwas zu retten? „Darüber kann man schon geteilter Ansicht sein“, sagte der Bürgermeister.

„Sonst machen wir uns komplett lächerlich“

Dabei gingen die Meinungen seiner Gemeinderäte gar nicht so weit auseinander. Argumente gegen eine Nutzung als Park fanden sich etliche. In den Augen mehrerer Räte mutete der Antrag wie ein Ausdruck des „schlechten Gewissens“ an. Neben den Finanzen waren aus Sicht des Gemeinderats auch zu viele generelle Fragen zur Konzeption offen geblieben. „Das passt hinten und vorne nicht“, sagte Bernd Kircher (SPD).

Vermisst wurde zum Beispiel ein Sicherheitsdienst, der die Einhaltung der Corona-Verordnung im Blick hat. Und es wurde kritisiert, dass kein Ticketsystem, wie es derzeit in vielen Freibädern im Einsatz ist, vorgesehen war, um die Maximalzahl an Besuchern kontrollieren zu können. Es dürfe nicht riskiert werden, einen Hotspot für Corona zu schaffen. Andere sahen auch grundsätzlich keine Notwendigkeit für einen Park. „Wir müssen konsequent sein und die Entscheidung zur Schließung aushalten“, sagte Thomas Bauer (FWV), „sonst machen wir uns komplett lächerlich.“

Irritationen über das Dauer-Hin-und-Her

Das Hin und Her in den vergangenen Wochen hat auch Diskussionen über die Beschaffenheit des Zweckverbands befeuert. Dass beide Kommunen jeweils einheitlich abstimmen müssen, damit ein Votum Gültigkeit erlangt, hat sich als Hürde herausgestellt. Während früher meist Einigkeit unter den beiden Kommunen geherrscht hat, war davon in den vergangenen Wochen kaum noch etwas zu sehen.

„Wir wollen und werden wieder zu einem guten Miteinander kommen“, ist sich Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann sicher. Die beiden Verwaltungen wollen über den Sommer überlegen, wie es mit dem Zweckverband weitergehen soll. Mit dem Bad geht es jedenfalls erst 2021 weiter – wenn Corona bis dahin verschwunden ist.

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