Knapp 720.000 Gäste zählte das Mineralbad Leuze im vergangenen Jahr. Quelle: Unbekannt

Weinverkostung nach der Sauna, Familientag mit Kinderbetreuung, Abendtarif für Berufstätige. Auf die drei Mineralbäder in Stuttgart kommt was zu – wenn es nach Studenten-Ideen geht.

Stuttgart - Es ist mal wieder eines dieser Win-win-Projekte, wo alle Beteiligten vom jeweils anderen profitieren können. In diesem Fall geht es um die Zusammenarbeit der Bäderbetriebe Stuttgart mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

Der dortige Studiengang Gesundheits- und Tourismusmanagement konnte sich im laufenden Wintersemester eingehend mit drei Badeanstalten in der Landeshauptstadt beschäftigten. Nach langer Vorarbeit präsentierten die jungen Studierenden nun im Kursaal Bad Cannstatt ihre Ergebnisse. Der Titel ihres Studienprojekts: „Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf das Angebotsportfolio in den Mineralbädern der Bäderbetriebe Stuttgart“.

Von Oktober an nahmen die angehenden Akademiker das Mineralbad Leuze, das Mineralbad Cannstatt und das Mineralbad Berg unter die Lupe. Kernstück ihrer Untersuchung war eine Befragung von Badegästen. Nach zwei Wochen lagen 300 ausgefüllte Fragebögen vor, fast exakt gedrittelt zu jedem Bad an die 100. „Dies ist zwar keine repräsentative Stichprobe“, wie Hochschul-Projektleiter Dennis Hürten einräumte, „trotzdem kann man daraus Ergebnisse ableiten.“ Die Auswertung der Antworten lieferte zunächst ein Bild über die Zufriedenheit der Kunden. Alle drei Mineralbäder erhielten hier sehr positive Werte, am besten schnitt das Bad Berg, vor dem Leuze ab. Wenn es überhaupt Kritik gab, dann an der teilweise mangelnden Barrierefreiheit.

Studenten legen Maßnahmenvorschläge vor

Die Befragung floss dann aber auch in eine Analyse über spezielle Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der einzelnen Bäder ein. Daraus entwickelten die Studenten dann einen Maßnahmenkatalog, wie man neue Kundenkreise gewinnen könne. So wurde zum Beispiel vorgeschlagen, im Leuze eine differenzierte Preispolitik einzuführen, also beispielsweise einen Abendtarif. Auch eine Wein- oder Saftprobe im Anschluss an den Saunagang steht auf der Ideenliste für das im vorigen Jahr von knapp 720.000 Gästen besuchte Bad.

Beim Mineralbad Cannstatt, dessen 230.000 Besucher des Vorjahres im Durchschnitt knapp 65 Jahre alt waren, erhoffen sich die Studenten durch die Einführung eines Familientags mit Kinderbetreuung einen gezielten Anreiz für ein jüngeres Publikum. Auch die Einführung einer „Sportbahn“ für Schwimmer zielt in diese Richtung. Beim Mineralbad Berg, dessen im vorigen Jahr knapp 130 000 Gäste zum Großteil (89 Prozent) Menschen über 60 Jahren waren, empfehlen die Studenten ebenfalls eine Preisstaffelung sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Krankenkassen, um hier gezielt über Gesundheits- und Präventionsangebote die Besucherzahlen steigern zu können.

Beim Publikum stieß das Ideenpaket des Hochschulkurses auch auf Vorbehalte. „Statt der bisherigen bewusst differenzierten Positionierung unserer drei Mineralbäder soll nun in vielem der gleiche Weg eingeschlagen werden“, sieht Stadtrat Hans Pfeifer (SPD) in mancher Chance eher ein Risiko. Einig waren sich aber alle, dass man mit mancher Tradition wird brechen müssen, soll mehr als nur das Stammpublikum gehalten werden. „Wir müssen eine Vermischung von jungem und altem Publikum anstreben. Und dabei hilft uns diese Arbeit, um weiterzukommen, auch wenn sicher nicht jede Idee der Studenten praktikabel sein wird“, sagte Bäderamtsleiterin Anke Senne.

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