Am Sonntag ist vorerst letzter Badetag im Mineral-Bad Berg. Dann wird das Kult-Bad 27 Monate lang umfassend saniert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Am Sonntag ist das Mineral-Bad Berg zum vorerst letzten Mal geöffnet, dann wird das Stuttgarter Kult-Bad 27 Monate lang saniert. Die Bergianer genannten Stammgäste suchen derweil ein Ausweich-Bad. In Frage kommen das benachbarte Leuze oder das MineralBad Cannstatt, das aber erst um 9 Uhr öffnet.

S-Ost - Es scheint fast so, als ob der Sommer dem Mineral-Bad Berg am Wochenende auch so eine Art letzte Ehre erweisen will. Am Sonntag, 25. September, ist das Stuttgarter Kult-Bad zum vorerst letzten Mal geöffnet, anschließend wird das „Neuner“ 27 Monate lang generalsaniert. Der Deutsche Wetterdienst sagt für Sonntag im Südwesten bis zu 26 Grad voraus, das Bad bleibt bis 20 Uhr geöffnet – und an dem Tag wird auch kein Eintritt verlangt. Wer also teils skurril anmutenden Details des Bads im 50er-Jahre-Stil wie etwa die Freibadumkleiden aus Holz oder die Mineralwasserbrausen noch einmal selbst erleben will, sollte sich den Termin im Kalender eintragen.

Die Cannstatter Quellen lassen es ruhiger angehen

Von Montag an hat die Stammkundschaft dann ganz andere Sorgen: Wo sollen die Bergianer die kommenden gut zwei Jahre zum Mineral-Baden hin? Das benachbarte Leuze wäre die naheliegendste Ersatzbadestelle. Allerdings haben Bergianer und Leuzianer so ihre Probleme miteinander, wie auch in der Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost am Mittwochabend deutlich wurde. Jörg Trüdinger beispielsweise, der Sprecher der SPD-Bezirksbeiratsfraktion, ist überzeugter Leuzianer, hat sich jetzt trotzdem seit Langem wieder einmal im Berg umgeschaut – und festgestellt, dass es einfach nicht sein Ding ist, schon allein wegen der Wassertemperatur.

Die Bergianer scheint es also mehr in Richtung Mineralbad Bad Cannstatt zu ziehen – aber schon gibt es erste Klagen. Im Mineral-Bad Berg kann man noch bis Sonntag schon von 7 Uhr morgens an etwas für seine Gesundheit tun. Im Mineralbad Cannstatt ist das erst von 9 Uhr an möglich. Der neue Geschäftsführer der Bäderbetriebe Stuttgart, Alexander Albrand, der seit 1. September im Amt ist und gleich in den Bezirksbeirat Ost kam, hätte sich also mit früheren Öffnungszeiten in Cannstatt bei den Bergianern gleich für alle Zeiten beliebt machen können. Kann er aber nicht, aus rein wassertechnischen Gründen.

Die Becken der Mineralbäder müssen jeden Abend nach der Schließung geleert, gereinigt und wieder gefüllt werden. Das braucht seine Zeit und hängt auch davon ab, wie stark die Mineralquellen sprudeln. Im Mineral-Bad Berg geht das schneller, weil aus den Quellen rund 50 Liter bestes Mineralwasser pro Sekunde sprudeln. Die Cannstatter Quelle lässt es deutlich langsamer angehen. „Die Füllung in Cannstatt dauert bis kurz vor halb neun“, erklärte der Technische Leiter der Bäderbetriebe, Detlef Szlamma, den Bezirksbeiräten. „Bevor das Becken nicht voll ist, dürfen wir keine Badegäste reinlassen.“

Bergianer können als Vips Punkte sammeln

Die Bergianer müssen sich also irgendwie arrangieren, egal ob im Leuze nebenan oder in Cannstatt. Erleichtert werden soll ihnen das durch die Mineral-Bad Berg Vip-Karte. Die gibt es noch bis 25. September ausschließlich im Bad Berg. Damit kann man dann im Leuze und in Cannstatt bei jedem Besuch Vip-Punkte sammeln. Die während der gesamten Sanierungszeit bis Dezember 2018 gesammelten Punkte können dann in den ersten sechs Wochen nach der Wiedereröffnung des Mineral-Bads gegen Geschenke eingelöst werden.

Um die stilprägenden Details im Berg müssen sich die Stammkunden übrigens keine Sorgen machen: Die Umkleidekabinen aus Holz werden abgebaut, eingelagert, saniert und später wieder aufgebaut. Auch die Mineralwasserbrausen werden sozusagen aufbereitet und wieder installiert – diese Art Brausen gibt es laut Szlamma heute gar nicht mehr. Und der Parkbereich mit den vielen alten Bäumen wird auch nicht verändert.

In der langen Bauzeit müssen die Fans und treuen Stammgäste nicht ganz auf Besuche im Mineral-Bad Berg verzichten. Etwa von Mai an wollen die Bäderbetriebe regelmäßige Baustellenführungen anbieten und zeigen, dass das „Neuner“ seinen „50er Jahre Retro-Charakter“ durch die 29,4 Millionen Euro teure Sanierung auf keinen Fall verlieren wird.

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