Bezirksvorsteher Martin Körner begrüßt die vielen Interessierten. Foto: Michael Steinert

Architekturbüros haben unterschiedliche Entwürfe für den Schwanenplatz in Berg vorgelegt.

S-Ost - Manchmal wollen mehr Bürger mitreden, als ein Bezirksvorsteher erwartet. Bei der Bürgerbeteiligung zum Schwanenplatz-Areal im Stadtteil Berg ist das am Montag zum zweiten Mal so gewesen. Beim Auftaktwork­shop zu dem seit Jahren diskutierten Thema vor vier Wochen war der Berger Gemeindesaal überfüllt. Am Montag, als drei Architekturbüros ihre Vorschläge präsentierten, reichte der Studiosaal im SWR-Funkhaus, der bis zu 230 Sitzplätze bietet, kaum aus. Deswegen und weil die Planer ganz unterschiedliche Gestaltungsvorschläge machten, spricht Bezirksvorsteher Martin Körner von einem großen Erfolg.

Insel im Grünen

Der Landschaftsplaner Gerd Aufmkolk vom Nürnberger Büro wgf hatte sich, bevor er sich an die eigentliche Gestaltung des Schwanenplatzes machte, erst einmal mit den Stuttgarter Parks auseinandergesetzt. Diese Vernetzung von Grünanlagen sei in Deutschland einzigartig und werde in Fachkreisen auch entsprechend gewürdigt. Charakteristisch dabei seien die markanten Solitärgebäude in den Parks wie etwa das Schloss Rosenstein oder die Villa Berg. Davon ausgehend will er das Mineralbad Berg, ergänzt durch einen Neubau für ein Hotel oder ein Gesundheitszentrum zur „Insel im Park“ machen, umgeben von Grün. Wohngebäude sieht Aufmkolk nur an der Karl-Schurz-Straße vor. Parkplätze sollen zwischen dem Bad und der Stadtbahnhaltestelle geschaffen werden. Mineralbad-Besucher sollen über eine neue Straße entlang der Stadtbahngleise zum Bad kommen, die Durchfahrt zur Poststraße will er sperren. Das Zentrum von Berg soll auch mit Hilfe einer „strengen Parkraumbewirtschaftung“ verkehrsberuhigt werden. Aus der Berger Kirche auf ihrem grünen Hügel kann man nach Meinung von Aufmkolk und auch den beiden anderen Planern „viel machen“. Zurzeit sei die Situation dort eher „unaufgeräumt“.

Ein Platz als Entrée

Martin Schirmer vom Würzburger Büro Schirmer – Architekten und Stadtplaner sieht den ganzen Stadtteil Berg als „Insel im Park“ – der aber bei den Mineralbädern eine Stadtkante fehle. Diese Kante will er durch zwei carréartige Gebäude-Ensembles und einen Platz, der von einem zurückversetzten Hotel- oder Präventionskomplex und einer der Carré-Bebauungen umgrenzt ist, schaffen. Der Platz öffnet sich in Richtung Stadtbahnhaltestelle und würde ein Entrée sowohl für das Bad als auch für das Hotel bilden. Eine Voraussetzung dafür nennt Schirmer auch: „Das Bad hat zumindest bei der Fassade erheblichen Erneuerungsbedarf.“ Verkehrstechnisch will er das neue Stadtquartier über die Steubenstraße erschließen, über die eine neue Tiefgarage unter dem Areal erreichbar wäre. Die Besucher des Mineralbads Leuze sollen nach Schirmers Vorschlägen über die Poststraße fahren, der Bereich dazwischen soll verkehrsberuhigt sein. Dadurch könnte der Verkehr über das bestehende Straßennetz abgewickelt werden.

Noch ein Becken für das Bad

Verena Trojan vom Büro Trojan Trojan und Partner aus Darmstadt hat sich ebenfalls gefragt, warum der Stadtteil „in dieser außergewöhnlichen topografischen Situation und privilegierten Lage“ am Rand „so ausgefranst“ ist. Diesen Rand will sie durch zum Teil großflächige Baukörper eindeutig definieren. Trojan will das Mineralbad Berg selbst durch ein weiteres Schwimmbecken und einen großen Baukörper zum Beispiel für Therapieeinrichtungen deutlich erweitern. Auf der gleichen Linie sollen ein großes Hotelgebäude und Komplex beispielsweise für ein Gesundheitszentrum entstehen. An der Karl-Schurz-Straße hat sie Wohngebäude vorgesehen. Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe könnten – wie in den anderen Entwürfen – in den Erdgeschossen der Neubauten unter anderem an der Steubenstraße entstehen. Die Planerin schlägt eine eigene Verkehrsanbindung des Mineralbads Berg über eine Straße an den Stadtbahngleisen und des Leuze über eine von den Wohnhäusern weg verschobene Post- und Nißlestraße vor.

Ein klarer Favorit

Die mehr als 200 Besucher der Veranstaltung, die nicht nur aus dem Stadtteil Berg selbst, sondern aus dem ganzen Stadtbezirk Stuttgart-Ost kamen, konnten ihren persönlichen Lieblingsentwurf mit roten Klebepunkten kennzeichnen. Aus dieser „Abstimmung“ ging der Entwurf von Gerd Aufmkolk als Sieger hervor, gefolgt von den Überlegungen von Martin Schirmer.

In der Diskussion stieß die Verkehrserschließung des Mineralbads über eine neue Straße an der Stadtbahn auf wenig Gegenliebe. Gleichzeitig forderten die Berger eine Verkehrsberuhigung und eine Verbesserung der Parkplatzsituation.

Am 14. März wird der Bezirksbeirat eine Entscheidung darüber treffen, ob das Areal wie von der Stadt gewünscht rasch verkauft oder ob auf der Basis der Entwürfe weiter überlegt wird. Der Bäderausschuss berät am 16. März, der Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats am 20. März.

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