Die Villa Blankenhorn von der Seite des Mineralbads Berg aus mit den Überresten der Sommergastronomie samt den links und rechts angebauten Flügeln Foto:  

Über die Petition der Berger Bürger zum Erhalt der Villa wird im Landtag nach der Sommerpause entschieden. Der Verein durfte die Villa jetzt mit eigenen Bauexperten besichtigen.

S-Ost - Im einen Zimmer sind die Wände rosa gestrichen, in einem anderen blau. Eine Eckliege steht noch einsam und alleine da. Die Drei-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss der Villa Blankenhorn wirkt so, als könnte sie nach einer Renovierung ziemlich schnell wieder bezogen werden – wären da nicht die Bohrlöcher überall im Boden und an den Wänden. Das sind die sichtbaren Zeichen der Schadstoffuntersuchung in dem Gebäude. Die wurde aber nicht etwa im Hinblick auf eine bevorstehende Sanierung gemacht, sondern um beim Abriss alles richtig zu entsorgen. Schon Ende Oktober 2018 hat der Bäderausschuss des Gemeinderats mehrheitlich beschlossen, dass die nicht denkmalgeschützte Villa abgerissen werden soll. Passiert ist seitdem – nichts. Grund dafür ist eine Petition des Vereins Berger Bürger zum Erhalt der Villa, die im Januar 2019 beim Petitionsausschuss des Landtags eingereicht wurde. Die Entscheidung darüber steht noch aus

Die Geschichte der Villa

Wo heute die Villa steht, stand einst das zum Mineralbad Berg gehörende Kurtheater. Das war noch zu Zeiten des Bad-Gründers und langjährigen Eigentümers Friedrich Neuner gebaut worden und sorgte in den Sommermonaten mit Aufführungen aller Art für die Unterhaltung der Kur- und Badegäste. Neuner starb 1883, danach führte zunächst sein Sohn Robert Hermann Neuner das Bad weiter, dann dessen Schwager, der mit Neuners Tochter Pauline verheiratet war. 1905 wurde das Bad in der Familie weitergegeben, und zwar an den Schwiegersohn der beiden – an Karl Blankenhorn. 1921 übernahm die Stadt 30 Prozent der neu gegründeten „Stuttgarter Mineralbad Berg AG“, die übrigen 70 Prozent blieben bis zum endgültigen Verkauf des Bades an die Stadt im Jahr 2006 bei der Familie Blankenhorn. Diese baute vermutlich in den Jahren direkt nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Resten des zerstörten Kur-theaters die Villa Blankenhorn auf. So ganz genau scheint sich der Bau der Villa aber nicht datieren zu lassen, weil es keine Unterlagen darüber gibt.

Außengastronomie für das Bad Berg

Die Bad-Eigentümer bewohnten die obere Etage der Villa. Im Untergeschoss und der großen zugehörigen Terrasse davor war bis zur sanierungsbedingten Schließung des Bades die große Außengastronomie untergebracht, die vor allem, aber nicht nur, in den Sommermonaten beliebt und gut besucht war. Für die Stammgäste des Bades war und ist die Villa mit der Gastronomie samt Spielfläche für Kinder, vielen Tischtennisplatten und einer Ballspielwiese unverzichtbarer Bestandteil des Mineralbads – was die Bäderbetriebe der Stadt und die Mehrheit des Gemeinderats allerdings anders sehen.

Der Zustand der Villa

Als der Gemeinderat die Generalsanierung des Mineralbads Berg beschloss, war die Villa nicht Teil des Baubeschlusses. Es war lediglich vorgesehen, die Räume im Untergeschoss „zu ertüchtigen“ und die Küchenausstattung zu erneuern. Dann schauten sich die Fachplaner im Herbst 2016 die Villa Blankenhorn genauer an. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung „aufgrund nicht zu behebender funktionaler Mängel aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen ist.“ Die Stadt ließ eine Alternative erarbeiten, jene, über die im Herbst vergangenen Jahres diskutiert und abgestimmt wurde. Sie sieht den Abriss der Villa vor, den Neubau eines kleineren Gastronomiegebäudes und den Verkauf der nicht mehr benötigten Grundstücksflächen an der Steubenstraße 24 für Wohnungsbau. Die Kosten für diese Variante werden auf 1,76 Millionen Euro veranschlagt, durch den Grundstücksverkauf könnten 500 000 Euro eingenommen werden. Eine Sanierung der Villa mit den Gastronomieräumen würde nach den Schätzungen der Planer etwa 1,33 Millionen Euro teurer.

Protest der Berger Bürger

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost lehnte die Abrisspläne im Oktober 2018 fast einstimmig ab und folgte der Argumention des Vereins Berger Bürger. Der engagierte Bürgerverein des Stadtteils Berg hatte sich schon früh für eine bessere Außendarstellung der Stuttgarter Mineralbäder und später auch für eine eine Sanierung des Mineralbads Berg in der Form eingesetzt, „dass das Bad in seiner Gesamtheit und seinem Charakter“ erhalten wird. Das war auch in einem Unterausschuss des Gemeinderats zur Neugestaltung des Schwanenplatzes und zur Sanierung des Mineralbads bereits im Jahr 2013 so beschlossen worden, und darauf berufen sich die Berger Bürger jetzt. Damals war ebenfalls vereinbart worden, dass die Blankenhorn-Villa völlig unverändert bleiben soll. „Wenn diese einmal saniert werden muss, wird es eine Sanierung im Bestand sein. Sie wird keiner anderweitigen Entwicklung zugeführt“, zitiert der Bürgerverein in seiner Petition an den Landtag aus den Protokollen von damals.

Wie es mit der Villa weiter geht

Vor wenigen Tagen gaben die Bäderbetriebe dem Verein Berger Bürger die Möglichkeit, die Villa Blankenhorn mit eigenen Bausachverständigen etwas genauer anzuschauen; dabei waren auch Vertreter des Bezirksbeirats. Diese Experten wollen nun für den Verein eigene Vorschläge zum Erhalt und zur Sanierung der Villa machen. So könnten beispielsweise die unten angebauten Gastronomie- und Toilettenflügel abgerissen und durch einen neuen Gastronomie-Pavillon ersetzt werden. Die Räume im Untergeschoss könnten als Lager oder eventuell doch auch wieder für einfache gastronomische Zwecke genutzt werden, sofern eine Sanierung entsprechend den strengen Vorschriften für Gastronomiebetriebe möglich ist. Die Wohnung im ersten Obergeschoss könnte ebenfalls renoviert und wieder vermietet werden, beispielsweise an Personal des Mineralbads. Bis wann der Verein konkrete Vorschläge machen will, ist noch offen. Ein bisschen Zeit bleibt den Berger Bürgern auch noch: Die Pressestelle des Landtags teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass mit einer Entscheidung über die Petition voraussichtlich nach der Sommerpause zu rechnen ist.

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