Das spätere Schwimmbecken ist noch mit Bauzäunen abgesichert. Foto: Gottfried Stoppel

Das Millionenprojekt der Stadt und der Stadtwerke Weinstadt nimmt Formen an. Zum Tag des Städtebaus führten der Oberbürgermeister und der Betriebsleiter über die Baustelle. Es ist noch einiges zu tun – und die Zeit drängt.

Vier Wochen noch, dann soll der Rohbau des neuen Weinstädter Funktionshallenbads stehen, kündigt Thomas Meier an. Als Betriebsleiter der örtlichen Stadtwerke ist er der Bauherr des 17-Millionen-Projekts, das der städtische Eigenbetrieb für die Stadt umsetzt. Anlässlich des Tags der Städtebauförderung gab er gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Michael Scharmann Einblicke.

 

Seitdem das Cabrio-Bad in Endersbach wegen seiner maroder Bausubstanz 2009 geschlossen und der vom Gemeinderat beschlossene Ersatzneubau durch einen Bürgerentscheid gekippt wurde, ist die Bäderversorgung in der Stadt ein Dauerbrenner. Zumal es um das verbliebene Stiftsbad in Beutelbach nicht viel besser steht, wie sich 2018 zeigte. Wegen Deckenschäden musste das Bad über mehrere Wochen dicht gemacht werden. Spätestens seitdem ist klar: Über kurz oder lang werden sich auch die Türen des Stiftsbads für immer schließen.

Der Bund gibt drei Millionen Euro

Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt war lange nicht daran zu denken, einen zweiten Anlauf für einen Badneubau zu nehmen. Bis Meier und Scharmann die Idee präsentierten, dass die Stadtwerke den Neubau realisieren könnten, um später beim Betrieb der zwangsläufig defizitär wirtschaftenden Einrichtung durch einen steuerlichen Querverbund mit gewinnbringenden Sparten der Stadtwerke Steuern zu sparen. Zudem machte der von der Städtebauförderung des Bundes in Aussicht gestellte Drei-Millionen-Euro-Zuschuss den Neubau attraktiver. So müssen vom notwendigen Eigenanteil in Höhe von 30 Prozent statt der gesamten 4,8 Millionen nur noch 1,8 von Weinstadt getragen werden.

Vor dem Hintergrund der jahrelangen Hängepartie um die marode Weinstädter Bäderlandschaft gleichen Meiers Worte einem Befreiungsschlag: „Im Juli werden wir Richtfest feiern und im nächsten Jahr anbaden.“ Noch ragt Baustahl aus halb fertigen Rohbauwänden. Maier und Scharmann erklären, was sich seit dem Spatenstich am 25. Juli 2023 alles getan hat. Noch in den Sommerferien habe der Erdaushub für das Fundament stattgefunden. Seitdem seien 2900 Kubikmeter Beton und 380 Tonnen Stahl für das 56 auf 39 Meter große Hallenbad verbaut worden, der neben einem 25 Meter langen wettkampftauglichem Schwimmerbecken mit sechs Bahnen und Sprunganlagen auch über einen Kleinkindbereich und ein multifunktionales Lehrschwimmbecken mit Hubboden verfügen wird.

Vom Foyer mit Kiosk sollen Besucher später durch ein Panoramafenster einen Blick in die Badehalle werfen können. Jetzt blickt man noch in ein Betonbecken. An dessen tiefstem Bereich mit 3,85 Metern, wo die Sprunggrube sein wird, schimmert grünlich abgestandenes Regenwasser. Auf der anderen Beckenseite stützen gewaltige Querträger die Verschalung für die zehn Meter hohe östliche Außenwand der Halle, die in den nächsten Tagen mit Beton befüllt wird.

Zwischen Containern, Gerüstteilen, Paletten, Arbeitsmaschinen, Kabelrollen, Schubkarren, Hubwagen und Balken führen Scharmann und Meier die Teilnehmer weiter entlang des Weges, den auch die Badegäste einmal nehmen werden durch die noch nicht existenten Umkleiden und Duschen hinein in die Badehallen. Die 1,8 Meter tiefe Grube des Lehrschwimmbeckens ist mit Brettern abgedeckt. In der großen Halle angekommen, wagen sich die Teilnehmer nur zaghaft an den Rand des Schwimmerbeckens, um über das Baugeländer einen vorsichtigen Blick in die Tiefe zu werfen. Wo die große Fensterfront sein wird, die zur Liegewiese hin geöffnet werden kann, ist zu erkennen. Statt Wiese breitet sich aber noch eine deutlich tieferliegende Schotterfläche aus. „Das wird noch 1,65 Meter hoch aufgefüllt“, erklärt Meier dazu.

Eine U-Bahnstation im Hallenbad?

Dann nimmt er die Besucher mit hinter die Kulissen des Hallenbads. Vom Technikraum geht es über mehrere Etagen hinab in das Halbdunkel des Kellers. Von ein paar Bauscheinwerfern erhellt tut sich ein mehrere Meter hoher Kellerraum auf, den Maier scherzhaft als „U-Bahnstation Endersbach – Benzach“ bezeichnet. Der gewaltig wirkende Kellerraum werde gefüllt mit Rohrleitungen, Filteranlagen und Wasserspeichern, erläutert er. Im Anschluss geht es hinauf in das spätere Dachgeschoss, dem noch das Dach fehlt. Es bietet sich eine einmalige Sicht auf die Weinberge rundherum.