Wolfgang Scheidtweiler hat beim Themenabend zur Gartenschau seine Pläne präsentiert. Er verpflichtet sich, das Schloss zu renovieren und darf das Hotel für 27 Jahre nutzen.
Schlösser in Hotels umwandeln – darin ist Wolfgang Scheidtweiler erprobt. In der Szene hat sich der 79-Jährige längst einen Namen gemacht. Das Schloss Kaltenstein in Vaihingen an der Enz steht schon seit Jahren auf der Liste seiner Projekte, doch es trat – auch wegen der Wirren der Coronapandemie – auf der Stelle. Jetzt verspricht der Unternehmer: „Wir wollen das Hotel im Frühjahr 2027 eröffnen.“
Das Schloss Kaltenstein thront auf einem Hügel über der 29 000-Einwohner-Stadt und gilt als dessen Wahrzeichen. Es sollte mehr als nur ein Verwaltungsgebäude sein. Deshalb schloss das Land Baden-Württemberg als Eigentümer vor fünf Jahren mit Scheidtweilers Firma Private Schloss-Hotel Collection GmbH & Co. KG einen langfristigen Baukonzessionsvertrag: Der Braumeister und Millionär verpflichtet sich, das Schloss zu renovieren und darf das Hotel mit rund 70 Zimmern für die auf 27 Jahre angelegte Dauer des Vertrags nutzen. Das Finanzministerium schießt maximal 6 Millionen Euro Landesförderung zu.
Zuletzt war jedoch Sand ins Getriebe des Millionenprojekts geraten – die Baugenehmigung liegt schon 19 Monate zurück. „Unser Zeitstrahl hat sich verzögert“, räumte Wolfgang Scheidtweiler bei einem Themenabend zur Gartenschau 2029 in der Vaihinger Stadthalle vor etwa 330 Gästen ein. Ein Artenschutzgutachten habe zuletzt gebremst, aber ein runder Tisch und die Initiative des Vaihinger Oberbürgermeisters Uwe Skrzypek brachten offenbar Bewegung: „Wir werden in diesem Jahr noch anfangen“, verkündete Scheidtweiler freudestrahlend.
Überhaupt war der Tausendsassa, der bereits mit dem Umbau des Pforzheimer Gasometers viele Besucher begeistert hatte, gut aufgelegt: „Wir sind kein nobles Schlosshotel – es wird bürgerliche Preise geben“, versprach der Unternehmer. Seine Frau und er wollten kein Fünf-Sterne-Hotel, sondern nur ein Vier-Sterne-Plus-Haus betreiben. Das wäre nicht nur etwas für Rolls-Royce- oder Maybach-Fahrer.
Die Betten werden 2,10 Meter lang sein
Das Zielpublikum soll zur geplanten Gartenschau passen, mit der Vaihingen im Jahr 2029 seine Gäste entzücken will, wie das Motto „Vaihingen Enzückt“ verheißt. Wolfgang Scheidtweiler fügte sich bei seiner Präsentation ganz bodenständig in das als „Bürgergartenschau“ vermarktete Gesamtkonzept ein. „Die Betten werden 2,10 Meter lang sein – die Matratzen werden von meiner Frau und mir probegelegen.“
Geheizt werde das Schloss mit Wärmepumpen, erklärte der Unternehmer – Klimageräte auf den Zimmern sorgten auch im Sommer für angenehme Temperaturen. Kiefernholz aus dem Schwarzwald für die dreifach verglasten Fenster würden als heimatnahes Material verwendet. Das Wichtigste ist Scheidtweiler aber das Personal: „Die Gäste sollen freundlich zu unseren Mitarbeitern sein, denn wir sind nur gut, weil wir tolle Leute haben.“
Das fertiggestellte Hotel wäre gut für die Gartenschau
Das Hotel würde zwei Jahre vor der Gartenschau fertig – das ist laut Scheidtweiler beabsichtigt: „Wir wollen zur Schau eingespielt sein.“ Der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek machte am Themenabend keinen Hehl daraus, dass er diesen Fortschritt auch für das Vorwärtskommen der Schau als gutes Zeichen ansieht: Seine Stadt könnte genauso gut „Vaihingen unterm Kaltenstein“ heißen. „Das Schloss ist für uns Heimat, Kindheit und Zukunft.“ Skrzypek stellte Scheidtweiler für seinen Hotel-Weinkeller neun Kisten Wein – aus jedem Stadtteil eine – in Aussicht, sollte er es bis Frühjahr 2027 schaffen.
Es braucht starke Bürgerbeteiligung
Der Themenabend in der Stadthalle zeigte aber auch, dass eine Bürgergartenschau unbedingt eine starke Beteiligung aus der Bürgerschaft braucht. Dazu soll die Gründung eines Vereins beitragen, der Ideen aus der Bevölkerung aufnimmt und koordiniert. Das Team von Uwe Skrzypek und dem Stadtplanungschef Norbert Geissel, Geschäftsführer des Eigenbetriebes Gartenschau, bot Einblicke in den Planungsstand und warb für ein Engagement.
Bürger sollen sich bei der Gartenschau einbringen
Welche Ideen für die Aktivierung des Gartenschaugeländes in den Enzgärten, dem Häcker-Areal und dem Weller-Areal gesammelt werden, will die Stadt in ihren Internet-Kanälen in den kommenden Monaten dokumentieren. „Die Gesellschaft driftet immer mehr auseinander – es wird wichtiger, Gemeinsamkeiten zu entdecken“, sagte der Oberbürgermeister, der anbot, sich an den vier Stellwänden im Saal einzubringen und bei der neuen Beauftragten für Bürgerbeteiligung, Cornelia Geidel, zu melden.
Wer ist Wolfgang Scheidtweiler?
Multitalent
Wolfgang Scheidtweiler stammt aus der Eifel, ihm gehören mehrere Brauereien, ein Dutzend Hotels und unzählige Restaurants. Er versteht aber nicht nur etwas von Bier, sondern auch davon, historische Gebäude wie das Kloster Steinfeld in der Eifel oder das Pforzheimer Gasometer zu sanieren und gastronomisch nutzbar zu machen.
Projekte
Aktuelle Projekte Scheidtweilers sind die Weinwelt in Schloss Brackenheim, Schloss Liebenstein, das Hotel Linde in Gutach im Ortenaukreis und das Panorama Konstanz, das am 21. März 2026 eröffnet wird. Das 32 Meter hohe zylinderförmige Gebäude bildet das Konstanzer Konzil ab und bietet eine Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern.