Madeleine Schulze und Steffen Vietz auf dem Ebbe-Flut-Reitplatz: Sie haben große Pläne mit ihrem Hofgut in Friolzheim. Foto: Simon Granville

Madeleine Schulze und Steffen Vietz setzen im Hofgut Ammerfeld ihren Traum um: Ein Ort, der Tierwohl und professionellen Reitsport verbinden soll. Die beiden haben viel vor.

Es riecht wie bei einem Spaziergang im Wald, auch der weiche Boden fühlt sich beim Gehen so an. Das Ambiente in der großen Halle, gebaut mit viel Holz, ist so geschaffen, dass sich Pferde wohlfühlen sollen. Es gibt neben dem Waldboden Mineralsteine zum Lecken, frisches Wasser aus einer Tränke und Kratzbürsten, falls es mal juckt. Das mit dem Wohlfühlen klappt augenscheinlich: In der Nacht liegen hier die Tiere entspannt auf der Seite, wie die zur Sicherheit installierten Kameras festhalten.

 

Unweit des Friolzheimer Sägewerks Wöhr und des Freizeitheims des Christusbunds ist am Ortsausgang in Richtung Tiefenbronn das Hofgut Ammerfeld entstanden. Das Sindelfinger Paar Madeleine Schulze und Steffen Vietz möchte sich damit in der neuen Zweitheimat einen Traum erfüllen.

Madeleine Schulze, 39, reitet, seit sie acht ist. Vielseitigkeit, Sprung und Dressur. Tage wie dieser, an denen sie im Sattel von Donni sitzt, dem achtjährigen Hannoveraner-Wallach mit eigentlich adeligem Namen, sind selten. Die beiden Töchter, eine drei Jahre, die andere sieben Monate jung, fordern. Zusammen mit ihrem Mann Steffen Vietz, 41, schaut sie, dass in Friolzheim alles in ihrem Sinn vorangeht.

Steffen Vietz: „Wenn mich was interessiert, hänge ich mich rein“

Sie hat in der Vergangenheit viele Ställe kennengelernt, war aber nie rundum zufrieden, was die Haltung der Pferde betrifft. Zu voll, zu viel Stress, das behagte ihr nicht. „Wir machen es selbst“, hat das Paar dann beschlossen, lange nach einem geeigneten Platz gesucht – und wurde 2024 bei einem Aussiedlerhof aus den 60er Jahren fündig.

Der Name Ammerfeld leitet sich von einem Gewannnamen auf dem Areal ab. Und Hofgut erklärt Madeleine Schulze so: „Es ist kein Gestüt, sondern ein Ort für Privatpferde, mit hochwertigen Gebäuden und einer parkähnlichen Anlage, auf der man sich auch als Mensch gerne aufhält.“

Steffen Vietz ist auch oft da, aber vielseitig engagiert. Er hat mehrere Unternehmen, erst voriges Jahr ein Start-up gegründet – eine Online-Plattform für Personalmanagement. Für die CDU ist er im Gemeinderat von Sindelfingen. Er arbeite viel und gern. „Wenn mich was interessiert, hänge ich mich rein.“ Für das Hofgut absolvierte der Wirtschaftsinformatiker eine Ausbildung zum Landwirt, er spricht vom „landwirtschaftlichen Pensionspferdebetrieb“.

Das Hofgut ist markant am Ortsrand von Friolzheim entstanden. Foto: Simon Granville

Mehrere Hektar werden im Umfeld als Weidefläche genutzt. Durch Flächentausch mit Landwirten entstand ein zusammenhängendes Areal. Gut 2,5 Hektar wurden neu modelliert und bebaut, Lastwagen karrten über Monate Material an und ab, mit Naturstein wurde ein Hang kaschiert. Der Hof ist markant und soll sich gut ins Landschaftsbild einfügen.

Pferdehof in Friolzheim: „Ziel ist, die Tiere in Bewegung zu halten“

Beim Rundgang ist man nie allein. Pferde streifen vorbei, schnüffeln am Besucher und loten aus, ob es in der Tasche vielleicht eine Leckerei gibt. Dabei muss keiner der aktuell 20 Vierbeiner, darunter fünf der Inhaber, darben: Futter ist stets verfügbar, denn von festen Futterzeiten hält Madeleine Schulze wenig. „Da gäbe es Rangeleien und die Gefahr von Verletzungen“, erklärt die Tierliebhaberin.

Um Stress zu vermeiden sind kleine, friedliche Gruppen das Ziel, neue Pferde werden eingewöhnt, bis auch sie frei umherstromern dürfen. „Ziel ist, die Tiere in Bewegung zu halten“, sagt Steffen Vietz.

Verschiedene Untergründe, immer matschfrei, geben „unterschiedliche Reize“, wie der 41-Jährige sagt. So können die Pferde neben hartem Boden etwa auf Hackschnitzeln laufen, auf Sand mit eingearbeitetem Vlies oder auch auf Kunstrasen. Die Tiere sollen sich nicht die Hufe ablaufen. Sie sollen ein naturnahes Leben haben, die Besitzer ein professionelles Umfeld für Training vorfinden.

Die Pferde entscheiden selbst, ob sie drinnen oder draußen sein möchten

Viel Technik wurde verbaut. Eine Beregnungsanlage in der runden Longierhalle sorgt dafür, dass der Boden nie trocken ist. Beim 25 mal 70 Meter großen Reitplatz wird auch bei starkem Regen die Balance zwischen Trockenheit und Feuchtigkeit gehalten, wegen des Regelsystems heißt er Ebbe-Flut-Platz. Unterhalb davon ist ein kleiner See entstanden, in dem sich Pferde abkühlen dürfen. Enten und Wildgänse haben ihn schon für gut befunden.

Das Hofgut hat Trainer, aber die Einsteller bringen zum Beispiel fürs Turniertraining auch eigene mit. Die Ausbildung für Jungpferde rundet das Angebot ab.

Das Hofgut setzt auf das Prinzip des Offenstalles. Er schützt vor Wind und Witterung, die Pferde entscheiden selbst, ob sie drinnen oder draußen sein möchten. Die „Verbindung von Tierwohl mit Sportanlagen und der Möglichkeit zu ambitioniertem Reiten“ schildern die Inhaber als das Besondere. Das Heu stammt von Landwirten aus der Umgebung. „Wir sind hier gut aufgenommen worden“, sagt Madeleine Schulze, „und wir sind offen für Kooperationen.“ Der Hof war bereits Teil des örtlichen Ferienprogramms.

„Wir wollen uns schon abheben“, sagt Steffen Vietz und verweist auf weitere Bauarbeiten. Das jetzt als Stall genutzte Gebäude ist eigentlich als Lagerhalle vorgesehen. Nun beginnt der zweite Bauabschnitt, eine große Reithalle ist geplant, die Bestandsgebäude sollen saniert und eingebunden werden. „Mehrere Millionen“ verschlinge der Hof, sagt Vietz. Am Ende soll es Platz für 40 Pferde geben.

Die Halbpension auf dem Hofgut Ammerfeld kostet 450 Monat

Zurzeit kostet ein Einstellplatz mit Halbpension monatlich 450 Euro. „Relativ günstig für das Angebot“, meint der Chef, auch ein Pferdelaufband für wetterunabhängiges Training und Muskelaufbau gehört dazu. Für die Pferdebesitzer wiederum gehört es dazu, dass sie sich mit einbringen. Das Miteinander ist harmonisch. Wer die Verbundenheit nach außen zeigen möchte, wird bei einer Kleidungskollektion mit Hofgut-Emblem fündig. Der Traum der Inhaber hat greifbare Konturen bekommen: „Wir sind glücklich bei dem, was wir tun“, sagt Madeleine Schulze.