Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude (hinten links) verschwindet hinter den Neubauten. Das jedenfalls befürchten einige Kommunalpolitiker. Foto: factum/Granville

Werden die Gebäude am neuen Verkehrsknotenpunkt zu massiv? Der Rat will retten, was zu retten ist.

Ditzingen - Das Einkaufszentrum ist in den vergangenen Monaten in die Höhe gewachsen, ebenso das sich daran anschließende Parkhaus: Zwei massive, kompakte, lang gestreckte Gebäude säumen seither die Gleise am Bahnhof in der Ditzinger Kernstadt. Der Bahnhofsumbau – manch Ditzinger Rat hat in der Vergangenheit angesichts der Gesamtkosten in Höhe von 15 Millionen Eurovon einem „Jahrhundertprojekt“ gesprochen – nimmt Gestalt an. Diese jedoch irritiert manchen Stadtrat nun offenbar, obwohl er es einst beschlossen und die weiteren Planungsschritte in der Vergangenheit begleitet hat.

„Was ihr baut, ist ziemlich massiv“ gab etwa der Grünen-Rat Ulrich Steller offenkundig Meinungen aus der Bevölkerung wider. Er machte sich für eine aufgelockertere Bebauung stark. Damit hatte er freilich nicht für die gesamte Grünen-Fraktion gesprochen. Deren Vorsitzende Doris Renninger sah in der dichten Bebauung nämlich auch die Möglichkeit eines „aktiven Lärmschutzes“. Stellers Überlegungen schlossen sich im Lauf der Diskussion gleichwohl Rolf Feil (CDU) und Horst Kirschner (Freie Wähler) an. Während der CDU-Fraktionschef von „interessanten Vorschlägen“ sprach, positionierte sich der Freie Wähler gänzlich für eine lockere Bebauung.

Dichtere oder lockere Bebauung?

Die Verwaltung hatte dem Ausschuss für Technik und Umwelt und abschließend dem Gemeinderat zur Diskussion zwei städtebaulich grundsätzlich unterschiedliche Varianten vorgelegt. Während die eine die weiterhin dichte Bebauung des Areals vorsah, wies die andere eine offenere Gestaltung aus. Statt eines weiteren dreigeschossigen, im Erdgeschoss von Einzelhandel mit Angeboten aus dem Gesundheitsbereich genutzten Kubus’, sollten dort die Fahrradstellplätze zentral – statt wie andernfalls dezentral – angeordnet und überdacht werden. So wäre ein eingeschossiges – statt wie von der Verwaltung favorisiertes dreigeschossiges – Element entstanden. Die Entscheidung darüber musste in der Debatte über das städtebauliche Konzept fallen, also der Ausgestaltung eines Entwurfs, der in einem Wettbewerb als Sieger gekürt worden war. In dem kombinierten Architekten-Investorenwettbewerb hatten sich die Architekten Lieb und Lieb mit der Allgäuer Immobilienholding durchgesetzt.

Der Investor hatte sein Engagement also mit den Plänen der Architekten – und den darin ausgewiesenen vermarktbaren Flächen – verknüpft. Darauf verwies nun der Bürgermeister Ulrich Bahmer. Fiele ein Bauteil weg, müsse man sich schon die Frage stellen, ob dies noch dem Rahmenplan entspreche. Zudem ginge der Investor davon aus, dass er auch die Fläche im Erdgeschoss vermieten könne – immerhin also 400 Quadratmeter, so Bahmer: „Und das Erdgeschoss ist am besten zu vermieten, auch was den Mietpreis angeht.“

Im Übrigen verwahrte Bahmer sich gegen die Kritik der Räte an einer vermeintlich zu massiven Bebauung: „Wir haben die Pläne mehrfach beraten und aktualisiert.“ Steller hatte argumentiert, dass die „große Chance“ bestünde, einen „Infrastrukturknoten“ zu schaffen. Das könne durch die zentrale Fahrradplätze ebenso gelingen wie durch die Möglichkeit, durch eine offenere Bebauung dem lang gestreckten Vorplatz eine „psychologische Mitte“ zu geben. Die SPD-Fraktionschefin führte als Argument für diese Variante zudem das denkmalgeschützte Empfangsgebäude an. „Es hat schon jetzt die Anmutung, dass der alte Bahnhof erdrückt wird.“ Man müsse überlegen, wie der Bahnhof „aus der Versenkung“ zu holen sei. Das sei nur „über die Gestaltung des Vorplatzes zu retten“. Letztlich beschloss der Gemeinderat die durchgängig dreigeschossige Bebauung mit einer zentralen Einschränkung: Im Erdgeschoss soll ein überdachter Radplatz entstehen, wenn nicht gar ein Fahrradparkhaus möglich ist.

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