Das Landgericht hat am Dienstag eine Frau wegen Betrugs verurteilt. Foto: StN

Das Landgericht Stuttgart hat eine 52-jährige Ingenieurin wegen eines Millionenbetrugs verurteilt.

Das Landgericht Stuttgart hat eine 52-jährige Ingenieurin wegen eines Millionenbetrugs verurteilt.

Stuttgart - „Meine Altersversorgung ist weg, ich halte mich mit einem Nebenjob über Wasser“, sagt ein Zeuge vor der 6. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart. Der Landwirt hatte in saubere, zukunftsträchtige Energie investiert und war ruchlosen Betrügern aufgesessen. Für seine Investition, die ihm bis zu 50 Prozent Rendite pro Jahr einbringen sollte, hatte er einen Kredit aufnehmen wollen. Die Bank lehnte ab. Also löste er seine Lebensversicherung auf. Das Geld ist futsch.

Günter Necker, Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer, erwähnt diesen Fall bei seiner Urteilsbegründung ganz bewusst. Er will klar machen, dass nicht nur Großinvestoren und Schwarzgeldverschieber auf die Betrüger hereingefallen sind, sondern auch Kleinanleger, die so um ihre Altersversorgung gebracht worden seien.

Die Richter haben am Dienstag eine 52-jährige Frau wegen Betrugs in 126 Fällen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Angeklagte war Teil eines Systems, das drei Männer aufgezogen hatten. Diese Herrschaften hatten 2010 die Erste Mai GmbH mit Sitz an der Stuttgarter Marienstraße gegründet – wobei Mai für „Mission für Autarkie und Innovation“ stand. Die betrügerische Firma, die vorgab, die „brennenden Energieprobleme unserer Zeit mit funktionalen Konzepten“ lösen zu wollen, bot Anteile an modernen Blockheizkraftwerken (BHKW) an. Und das unter angeblich atemberaubend guten Konditionen.

Von März bis September 2010 war die Angeklagte für die Buchhaltung und Provisionsabrechnungen zuständig. In dieser Zeit hatten 126 Anleger aus dem ganzen Bundesgebiet angebissen und 3,7 Millionen Euro investiert.

Es hörte sich ja auch verlockend und plausibel an. Die modernen BHKW sollten in Altenheimen, Kliniken, großen Wohnanlagen und Schulen jeweils 7500 Stunden pro Jahr laufen .Weil man Großabnehmerrabatte bekomme, staatliche Förderungen optimal ausschöpfe und die Umsatzsteuer rückerstattet werde, seien hohe Renditen drin. Zwar bestellte die Erste Mai tatsächlich mehrere BHKW. Sie hatte jedoch nicht einen einzigen Stellplatz, es ging kein einziges Kraftwerk je in Betrieb.

Nachdem die Angeklagte mit 190 000 Euro in der Tasche die Firma verlassen hatte, warben die drei Männer weitere vier Millionen Euro von weiteren 94 Anlegern ein.

Von den insgesamt acht Millionen Euro ist das meiste Geld weg. Die Betrüger genehmigten sich großzügige Gewinnentnahmen und Provisionen. Einer der Herren gewährte seiner Gattin ein Darlehen von 1,5 Millionen Euro aus Firmengeldern, mit dem sie eine Villa in bester Stuttgarter Lage finanzierte.

Die drei betrügerischen Geschäftsmänner waren bereits von einer anderen Strafkammer zu wenig luxuriösen Gefängnisaufenthalten von fünfeinhalb bis zu knapp sieben Jahren verurteilt worden. Die Frau als Nachzüglerin kam jetzt wegen ihres Geständnisses und einer Schadenswiedergutmachung in Höhe von 100 000 Euro mit Bewährung davon. Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Schließlich brachte die Ingenieurin bereits eine Bewährungsstrafe mit in den Prozess. Vor Jahren hatte sie für eine Anlagefirma gearbeitet, in der auch einer ihrer BHKW-Komplizen sein Unwesen getrieben hatte. Diese Firma hatte fast 1600 Anleger um sage und schreibe 16 Millionen Euro betrogen.

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