So voll wird’s auf dem S-Bahnsteig am Stuttgarter Hauptbahnhof fast nur, wenn gestreikt wird. Weil die Zahl der Fhargäste generell zunimmt, sollen nun mehr Züge her. Foto: dpa

380 Millionen Euro Schulden will der Verband Region Stuttgart machen, um 56 neue S-Bahnen zu kaufen und eine neue Signaltechnik zu ermöglichen. Die Partner müssen die Verpflichtungen decken, meint Alexander Ikrat im Kommentar.

Stuttgart - Der kleine Verband Region Stuttgart, der für wenig mehr als die S-Bahn zuständig ist, nimmt Schulden in Höhe von rund 380 Millionen Euro auf, um das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs fit für die nahe Zukunft zu machen. Damit zeigt sich die Regionalversammlung äußerst risikobereit. Denn dieser Batzen ist mehr als ein ganzer Jahreshaushalt des Verbands, und die Zusagen der Partner sind teilweise alles andere als rechtsverbindlich. Eigentlich sollten ordentliche Bescheide die Grundlage für solche Beschlüsse sein, nun muss eine SMS aus Berlin reichen, die die Unterschrift des Bundesverkehrsministers auf einer Absichtserklärung bestätigt.

Dieses Vorgehen ist haarig – und trotzdem richtig. Der historische Beschluss – mehr Geld hat der Verband in fast 25 Jahren seines Bestehens nie investiert – musste aus Zeitdruck jetzt fallen. Weil die benötigten Züge sonst deutlich teurer würden; weil die Bahn jetzt die moderne Signaltechnik für Stuttgart 21 bestellt.

Die Region braucht nun die Rückendeckung von Bund, Land und Bahn, damit sie sich an den Folgen des Beschlusses nicht verhebt. Die Partner müssen ihren Anteil an der Zeche begleichen. Ansonsten bleibt alles an Stuttgart und den Kreisen drumherum hängen, die den Verband finanzieren. Vor allem letztere könnten bei der nächsten Krise schnell überfordert sein. Zudem spielt im regionalen Maßstab der Straßenverkehr ohnehin die größere Rolle. Auch hier werden noch kostenträchtige Projekte für die öffentliche Hand zu schultern sein.

alexander.ikrat@stzn.de

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