Diese Visualisierung zeigt, worauf sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sillenbuch freuen können. Foto: Visualisierung: Architekten ARGE GSG Sillenbuch/Bild: © schürmann + schürmann architekten

Lernlandschaften ohne Türen, Laubengänge und eine Dachterrasse – das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch wird erneuert. Doch zunächst kommen Baulärm und Provisorien.

Jetzt aber wirklich. Der Projektbeschluss für den Umbau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) ist gefallen. Damit wird ein knapp 187 Millionen Euro teures Megavorhaben umgesetzt. Während der nördliche Teil des zweigeschossigen Baus saniert und umgestaltet werden soll, wird der südliche Teil abgerissen und durch einen viergeschossigen Neubau in Holzhybridbauweise ersetzt.

 

Entstehen soll eine barrierefreie Schule mit flexiblen und türenfreien Lernlandschaften, in denen in Jahrgangsclustern gearbeitet wird. Angedacht sind zudem unter anderem Laubengänge und eine Dachterrasse, also Lernorte innen und außen.

Neu gestaltet werden sollen zudem die Aula und die Mensa. Erhalten will man den identitätsstiftenden Mammutbaum im Zentrum des Gebäudes und zumindest Teile des Schulgartens. Geheizt werden soll per Sole-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit Geothermie. Zwei Holzpelletkessel sollen die Spitzenlast abfedern.

Schulleiter freut sich auf die Umgestaltung

„Ich stelle es mir ganz toll vor“, sagt der Schulleiter Andreas Hamm-Reinöhl. Vor allem von der offenen Gestaltung des künftigen Hauses ist er überzeugt. „Demokratie braucht Transparenz. Wenn ich gestalten will, muss ich sehen, was passiert“, erklärt er. Eine Baugruppe hatte schon vor Jahren ein pädagogisches Raumkonzept als Grundlage für die weiteren architektonischen Planungen erstellt. Involviert gewesen war neben externen Prozessbegleitern auch die Schulgemeinschaft selbst. „Das war ausgesprochen spannend und motivierend“, sagt er rückblickend.

Schulleiter Andreas Hamm-Reinöhl stellt sich das GSG nach der Neugestaltung „ganz toll vor“. Foto: Caroline Holowiecki

Das GSG in Sillenbuch ist das zweitgrößte staatliche Gymnasium in Stuttgart. Gut 900 junge Menschen lernen hier mit 90 Lehrkräften. Perspektivisch wird die Schule wachsen. Langfristig soll der Unterricht fünfzügig laufen, dadurch und durch die Rückkehr zu G9 könnten es bis zu 1200 Schulkinder werden.

Dabei ist das Haus von 1976 jetzt schon zu klein und deutlich in die Jahre gekommen. Bereits Mitte 2018 fiel daher der Grundsatzbeschluss zum Umbau. 2021 wurde der Siegerentwurf gekürt. Viel Zeit ist also vergangen, doch Andreas Hamm-Reinöhl relativiert. Corona und die Konsequenzen aus dem Ukraine-Krieg hätten die Planungen maximal behindert, „danach hatte ich den Eindruck, dass es konsequent vorangetrieben wurde“. Und ein komplexes Vorhaben brauche eben Zeit.

Der Lehrerparkplatz am GSG ist bereits eingeebnet

Mit dem, was nun kommt, ist der Rektor zufrieden. „Die Dinge, die uns wichtig waren, sind in den Bau eingeflossen.“ Glücklich ist er auch, weil sich die finanzielle Lage der Stadt mittlerweile massiv verschlechtert hat. Aus Geldnot wurde daher vieles im investiven Bereich gestrichen. „Sehr viele Schulen gucken in die Röhre. Insofern muss man auch etwas demütig sein.“

Erst Vorarbeiten wurden bereits geleistet. Der Lehrerparkplatz ist eingeebnet worden. Hier und auf der Fläche daneben sollen noch im ersten Quartal zwei Auslagerungsbauten entstehen – Container, die später wieder wegkommen, und ein dauerhafter Holzmodulbau, denn durch G9 brauche man mehr Platz als geplant. Zuvor stehen zeitnah noch Bohrungen fürs Geothermiefeld an.

Dann, nach aktuellem Stand im zweiten Quartal 2028, soll der Teilabriss starten. Verschwinden wird der Trakt, in dem heute Verwaltung, Bücherei und Lehrerzimmer sind. Wenn der Neubau fertig ist und der Umzug dorthin erfolgt ist, kann Ende 2030 die Bestandssanierung starten. Sie soll drei Jahre dauern. Will heißen: Im vierten Quartal 2033 soll das GSG fertig sein. Voraussichtlich.

Kräne, Lärm und Schmutz am GSG werden zur Herausforderung

Andrea Hamm-Reinöhl ist 60. Er wird dann nicht mehr Rektor sein. „Auf mich kommt’s nicht an“, sagt er. Es sei das Projekt der Schulgemeinschaft. Bevor die vom neuen Schulhaus profitieren wird, kommen jetzt aber erst mal die Herausforderungen der Bauzeit. Kräne, Lärm, Schmutz, gesperrte Pausenflächen, ein gekappter Fahrradweg, „das wird sicher nicht schön“. Doch er wolle allem, was kommt, mit Gelassenheit zu begegnen. „Wie wir das leben, können wir sehr wohl gestalten.“