Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fand am Donnerstag kritische Worte in Bezug auf die deutschen Automobilhersteller. Foto: dpa

Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat der Deutschen Post DHL am Donnerstag weitere 7,7 Millionen Euro Fördermittel für ihre Elektro-Lieferfahrzeuge zugesagt. Gleichzeitig übte sie scharfe Kritik an der deutschen Automobilbranche.

Berlin - Um die emissionsfreie Brief- und Paketzustellung in Deutschland voranzutreiben, hat das Bundesumweltministerium am Donnerstag weitere Fördermittel für sein Programm „CO2-freie Zustellung“ zugesichert. Wie die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ankündigte, soll das Fördervolumen um 7,7 Millionen auf etwa 17 Millionen Euro angehoben werden.

Zugute kommen werden diese Mittel, wie schon in der Vergangenheit, der Deutschen Post DHL. Während die großen deutschen Automobilhersteller mit den Aufräumarbeiten infolge des Dieselskandals beschäftigt sind, ist es ihr gelungen, ein eigenes zukunftsweisendes Elektroauto für die Brief- und Paketzustellung zu entwickeln. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Start-up Streetscooter, das inzwischen auch zur Post gehört. 2014 befanden sich bereits erste Fahrzeuge im Einsatz, heute sind es mehr als 3500. Hendricks sprach in diesem Zusammenhang von einer „sehr wichtigen Pionierarbeit“, die die Post in Bezug auf die Vereinbarkeit von Logistik und Umwelt geleistet habe.

Kritik auch an Stuttgarter Automobilhersteller

„Dass wir auch zurzeit kein vernünftiges Angebot zum Beispiel an elektrisch betriebenen Bussen haben, ist ein weiteres Thema“, sagte Hendricks. Erst in dieser Woche habe der Regierende Oberbürgermeister Berlins, Andreas Müller (SPD), darauf hingewiesen, dass Berlin mit Hamburg eine Einkaufsgemeinschaft habe und ab dem Jahr 2020 jedes Jahr 200 elektrisch angetriebene Busse haben wolle. „Bis jetzt hat das keiner von den Herstellern, die entweder Töchter von Daimler oder Töchter von VW sind, diesen beiden großen Städten zusichern können“, betonte die Ministerin.

Ähnlich sei es in Stuttgart gelaufen, wo der Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Die Grünen) zur Beschaffung von elektrisch betriebenen Kommunalfahrzeugen auf französische Hersteller zurückgreifen musste. „Für eine Automobilstadt wie Stuttgart ist das nicht gerade prickelnd. Aber das liegt nicht an dem Oberbürgermeister“, sagte Hendricks. Warum ein profitables Unternehmen wie die DHL weiterhin mit Fördermitteln unterstützt werde, begründete Hendricks unter anderem mit den Beschlüssen, die beim ­Dieselgipfel am Montag getroffen worden sind. Anfangs sei es bei der Subventionierung darum gegangen, die Markteinführung der emissionsfreien Elektro-Lieferfahrzeuge zu unterstützen. „Jetzt kommt es darauf an, die besonders belasteten Städte zu entlasten.“ So sollen durch die Förderung weitere 1130 Fahrzeuge in den betroffenen Kommunen zum Einsatz kommen – auch um mögliche Fahrverbote unterbinden zu können. Hendricks betonte, dass sie entsprechende Vorhaben nicht unterstütze. „Seit Monaten fordere ich lautstark ein Umdenken ein, um zu verhindern, dass Gerichte Fahrverbote verhängen“, so die SPD-Politikerin.

Betroffene Kommunen mehr entlasten

Der Vorstand der Deutschen Post DHL Group, Jürgen Gerdes, zeigte sich am Donnerstag zufrieden: „Die Aussage, mehr E-Commerce, mehr Paketzustellung führt zu Umweltschädigung, ist für die Zukunft falsch. Sie muss für die Zukunft falsch sein.“ Darum habe es sich sein Unternehmen zum Ziel gesetzt, bis 2050 komplett emissionsfrei zu arbeiten. Große Unternehmen, wie es die Deutsche Post eines ist, hätten in gewisser Weise eine politische Verantwortung, die unter anderem den Umweltschutz umfasst, sagte Gerdes. Auch deshalb freue er sich darüber, dass schon jetzt internationale Konkurrenten auf die Elektro-Lieferfahrzeuge der Deutschen Post setzen.