Der „Weisse-Wölfe“-Sektionsleiter Alexander S. (Mitte) mit Gleichgesinnten. Foto: privat

Ein NPD-Funktionär aus dem Rems-Murr-Kreis ist auch in der militanten Nazi-Szene aktiv.

Stuttgart - Im März klingelte es bei 16 Neonazis in zehn Bundesländern gleichzeitig an der Haustür. Die Beamten durchsuchten deren Wohnungen und beschlagnahmten Propagandamaterial und Waffen. Es war eine Aktion gegen die rechtsextreme Szene. Im Visier der Staatsdiener: die „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT), zu der sich 2008 Anhänger der Neonazi-Band „Weisse Wölfe“ zusammengeschlossen hatten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Gruppe am Tag der Razzien auf Grundlage des Vereinsgesetzes verboten. Die Vereinigung agiere „offen und aggressiv gegen unseren Staat und unsere Gesellschaft, gegen Migranten und Andersdenkende“, erklärte der Minister.

Volksverhetzung, Körperverletzung, Sachbeschädigungen

Mit welchen Mitteln die „Weissen Wölfe“ ihre Ziele verfolgten, ist bereits seit Längerem bekannt. In einer Antwort auf eine Anfrage von Parlamentariern der Linken hatte die Bundesregierung am 23. März 2015 elf Straftaten aufgelistet, die der „Terrorcrew“ zugeordnet werden – darunter Volksverhetzung, mehrere Körperverletzungsdelikte und Sachbeschädigungen. Auch auf einen Vorfall in einer Backnanger Kneipe wurde hingewiesen. Dort hatten im Dezember 2014 rund zehn Neonazis randaliert und Gäste rassistisch beleidigt. Die Störer waren allerdings nicht zufällig vor Ort. Sie kamen von einem Treffen der „Weissen Wölfe Terrorcrew“ im benachbarten Allmersbach. Dort versammelten sich an jenem Abend die „Sektionsleiter“ der braunen Truppe. Die hatte ihren Schwerpunkt zwar in Norddeutschland, zog aber mittels eines übersichtlichen Netzwerks eingeschworener Kameraden im gesamten Bundesgebiet die Strippen. Im Ländle gehörte laut Innenminister nur eine Handvoll Neonazis zum Kern der selbst ernannten „Bruderschaft“.

Das Amt des württembergischen „WWT-Sektionsleiters“ hatte der 30-jährige Alexander S. aus Fellbach inne, der auch in der NPD aktiv war. Der Einzelhandelskaufmann ist ein Paradebeispiel für die enge Verknüpfung der Partei mit der militanten Naziszene. S. kandidierte für die NPD bei Bundestagswahlen und engagierte sich als Vorsitzender des Rems-Murr-Kreisverbandes und als „Organisationsleiter“ auf Landesebene für die Nationaldemokraten. Gleichzeitig nahm er an Treffen kroatischer Faschisten im österreichischen Bleiburg teil. Auf Fotos sieht man ihn dort in einem T-Shirt mit dem Logo der „Deutsch-Kroatischen Waffenbrüder“. Das ist eine Clique um den Skinhead Markus Frntic aus Kirchheim am Neckar. Der war Südwest-Chef der Neonazi-Organisation „Blood and Honour“ (B&H) – bis zum Verbot des deutschen Ablegers im Jahr 2000. „Blood and Honour“ galt lange Zeit als wichtigste Organisation in der Struktur der rechtsextremen Musikszene.

Der Streit um die Nummer Eins

Ein Modell, dem auch der Fellbacher „Sektionsleiter“ und seine „Weissen Wölfe“ nacheiferten. Nach Informationen unserer Zeitung bezeichneten sie sich intern als „28er“. In der Szene steht die Abkürzung für den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets – BH, also „Blood and Honour“. Ärger gab es deswegen vor allem mit den „Hammerskins“. Die übernahmen nach dem „Blood and Honour“-Verbot in Deutschland vielerorts die Kontrolle über das rechtsextreme Musikbusiness. „Von uns geht kein Stress aus, aber wenn ihr uns hier anpissen wollt, dann knallt’s, gell“, drohte der thüringische WWT-Leiter nach einem Konzert im Oktober 2014 den Hammerskins. Doch mit dem Verbot der „Weisse Wölfe Terrorcrew“ dürfte der Streit nun beigelegt sein. Die „Hammerskins“ bleiben die „Nr. 1“der Neonazi-Bruderschaften.

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