Auch Ashton Kutcher und Brittany Murphy versuchen es in dem Film „Voll verheiratet“ über den Wolken – allerdings mit mäßigem Erfolg. Foto: 20th Century Fox

Der „Mile High Club“ war lange Piloten, Stars und Besitzern von Privatflugzeugen vorbehalten. Inzwischen träumt auch der Normalbürger von Sex über den Wolken. Über einen Verein, den es gar nicht gibt, in dem aber dennoch viele furchtbar gerne wären.

London - John Travolta, Kim Kardashian, Boris Becker, Jennifer Aniston, angeblich sogar John F. Kennedy und seine Frau Jackie: Die Zahl der Mitglieder des „Mile High Clubs“ ist groß. Ein imaginärer Club, dem nur angehört, wer bei einer Flughöhe von mindestens einer nautischen Meile (1852 Meter) Sex hatte. Die Liste der Anwärter ist länger. Denn in einem Flugzeug Sex zu haben, steht bei vielen weit oben auf der To-do-Liste. Einer Umfrage des britischen Datingportals Saucydates.com zufolge träumen 78 Prozent der Befragten von Sex über den Wolken, weitere fünf Prozent gaben an, bereits Mitglied im „Mile High Club“ zu sein.

 

Der Sex wird meist in den Bordtoiletten vollzogen, die zwar furchtbar eng, gleichzeitig aber die einzigen Räume sind, die für ein paar Minuten Ruhe versprechen. Vorausgesetzt, das Bordpersonal schöpft keinen Verdacht. Länger als zehn Minuten dauerten die Techtelmechtel selten.

Unfreiwillige Gründung des Clubs

Ein bemerkenswertes Ergebnis ergab auch die Frage nach der Partnerwahl. 30 Prozent hatten Sex mit Fremden, weitere 18 Prozent mit dem Kabinenpersonal, aber nur 37 Prozent mit dem eigenen Partner.

Sex on a plane
Infographic courtesy of Saucydates.com

Als Begründer des Clubs und Pioniere in Sachen Luftverkehr gelten der Konstrukteur und Pilot Lawrence Sperry und seine Flugschülerin Dorothy Rice Sims. Die beiden stürzten während eines Testflugs im November 1916, bei dem Sperry einen von ihm entwickelten Autopiloten ausprobieren wollte, vor Long Island ab.

Fummelei in der Luft endet im Wasser

Zwei Entenjäger zogen die beiden Verletzten aus dem Wrack, mussten aber verblüfft feststellen, dass weder der Pilot noch die Flugschülerin bekleidet waren. Die Wucht des Aufpralls habe ihnen die Kleider vom Leib gerissen, erklärte Sperry auf dem Weg zum Krankenhaus. Wirklich glauben wollte das keiner. Und so titelte eine Zeitung damals: „Aerial petting ends in wetting“: Fummelei in der Luft endet im Wasser.

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Liebe kennt kein Alter, oder doch?“

Der „Mile High Club“ war lange nur eine Sache für Piloten und Bordpersonal, Stars und Besitzer von Privatflugzeugen, findet aber auch auf Linienflügen immer mehr Anhänger, wie auf diversen Youtube-Videos zu sehen ist. Ein Umstand, der für Fluggesellschaften zunehmend zum Ärgernis wird.

Glückwünsche zur erfolgreichen Reproduktion

Singapore Airlines sah sich 2007 nach Einführung großer Kabinen samt Doppelbetten gezwungen, die Passagiere zu ermahnen, das Bett nicht für Sex zu nutzen. Zwar gebe es genügend Platz, die Kabinen seien aber nicht schallisoliert.

2008 stiftete dann der Ryanair-Chef Michael O’Leary Verwirrung, als er bei der Vorstellung der neuen Business-Class erklärte, dass das Angebot „beds and blowjobs“ beinhalte. Eine Redewendung, die nicht etwa Oralsex verspricht, sondern Komfort „mit allem drum und dran“.

Flugverbot bei Virgin Atlantic Airways

Recht hämisch reagierte das Bordpersonal von Norwegian Air 2015 nach einem Flug von Paris nach Stockholm. Man gratuliere dem Pärchen, das vorhin in die Bordtoilette vorgestoßen sei, zur „glücklichen Reproduktion“, schallte es nach der Landung durch die Bordlautsprecher. Zur großen Erheiterung der übrigen Passagiere.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: „Warum Strände uns verführen“

Wobei das Paar Glück hatte, gelten derlei Vorfälle doch als Erregung öffentlichen Ärgernisses, was Geldstrafen nach sich ziehen kann, im schlimmsten Fall sogar Freiheitsstrafen. Hinzu kommt der Groll der Fluggesellschaft. So sprach Virgin Atlantic Airways 2018 nach einem Zwischenfall ein lebenslanges Flugverbot gegen zwei Passagiere aus. Was äußerst drakonisch wirkt, schließlich hatte Firmengründer Richard Branson in einem Interview stolz erzählt, dass er seine Jungfräulichkeit auf einem Linienflug verloren habe.

Zwei Todesopfer nach Luftnummer

Schlagzeilen machte auch eine Stewardess, die sich mit Sex im Flieger im Laufe der Jahre 880 000 Euro dazuverdiente. Auch in Japan versuchen Medienberichten zufolge Flugbegleiterinnen, die sinkenden Gehälter mit Prostitution aufzubessern.

Selbst Tote forderte eine Luftnummer bereits, die prompt mit dem Darwin Award – einer Auszeichnung für besonders blöde Todesarten – ausgezeichnet wurde: Beim Absturz eines Leichtflugzeugs in Florida kamen 1991 beide Insassen ums Leben. Beide waren zum Zeitpunkt des Unfalls nur teilweise bekleidet, die Lehne des Pilotensitzes war komplett nach hinten gestellt.

Turbulenzen können luststeigernd wirken

Warum die Aussicht auf die Mitgliedschaft im „Mile High Club“ dennoch so reizvoll scheint? „Das kann der Reiz des Verbotenen sein oder der Reiz, erwischt zu werden“, erklärt die Stuttgarter Sexualtherapeutin Filomena Lorenz. „Andere wollen ihre Fantasien ausleben, Grenzen überschreiten. Man will was anderes erleben, deswegen fahren wir ja in den Urlaub. Außerdem machen es die Stars vor.“ Und manche würden sich einfach nur die Zeit während eines langweiligen Flugs versüßen wollen.

Ob der Orgasmus über den Wolken stärker ist? „Schwer zu sagen“, sagt Lorenz, „Turbulenzen könnten durchaus luststeigernd wirken. Alles, was man nicht bestimmen kann, ist erregend.“

Wie Sie Mitglied im „Mile High Club“ werden

Voraussetzungen
Die Anforderung ist klar: Sex in einem Flugzeug, das mindestens eine Höhe von einer nautischen Meile erreicht hat – umgerechnet rund 1852 Meter. Damit sie nicht erwischt werden, beachten Sie bitte folgende Hinweise, denn ja nach Land und Fluglinie können empfindliche Strafen drohen:

1. Fliegen Sie nachts, dann schlafen die anderen Passagiere, die Stewardessen haben sich in den hinteren Teil des Flugzeugs zurückgezogen – und einem Techtelmechtel steht nichts im Weg.

2. Warten Sie den richtigen Zeitpunkt ab und vermeiden Sie die Stoßzeiten, in denen das halbe Flugzeug zur Toilette rennt – also nicht morgens, nach dem Essen und kurz vor dem Schlafen dem Drang nachgeben.

3. Je teurer der Platz, umso mehr Raum haben Sie. Angesichts der größeren Sitze können Sie praktisch sitzen bleiben – wie einst Janet Jackson. Auch teilen sich deutlich weniger Passagiere die Toiletten, so dass das Zeitfenster etwas größer sein dürfte, falls Sie mehr „Privatsphäre“ bevorzugen.

4. Wer in der Holzklasse fliegt, sollte einen Platz nahe der Toilette wählen, auch empfiehlt es sich, die Toilette zeitversetzt zu betreten und sie auch mit zeitlichem Abstand wieder zu verlassen.

5. Frechheit siegt: Sie können die Toilette natürlich auch gemeinsam betreten, als Tarnung sollten Sie jedoch Zahnbürste und derlei mitnehmen, damit es so wirkt, als würden Sie sich gemeinsam frisch oder bereit für die Nacht machen.

6. Bequeme Kleidung erleichtert die Luftnummer ungemein, sprich Klamotten, die man schnell aus- und auch wieder anziehen kann.

7. Vermeiden Sie allzu laute Beifallsbekundungen, denn das Bordpersonal kann die Toilette ohne Probleme auch von außen öffnen, sollte der Verdacht bestehen, dass sich zwei Fluggäste auf dem Klo miteinander vergnügen.