Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat die Händler in der Stuttgarter City abgewatscht. Foto: dpa

Haben die Händler in der City geschlafen? Wolfgang Grupp, Chef von Trigema, meint Ja: „Das Milaneo konnte in Stuttgart nur Erfolg haben, weil die Händler auf der Königstraße den Wandel der Zeit und im Handel nicht erkannt haben.“

Stuttgart - Haben die Händler in der City geschlafen? Wolfgang Grupp, Chef von Trigema, meint Ja: „Das Milaneo konnte in Stuttgart nur Erfolg haben, weil die Händler auf der Königstraße den Wandel der Zeit und im Handel nicht erkannt haben.“

Eine bemerkenswerte Kritik, da sie sich direkt an die Händler richtet. Grupp sprach ihnen bei der Fachkonferenz des Handelsverbandes zum Thema „Die Macht der Inszenierung“ im Geno-Haus ins Gewissen. Er ging sogar noch weiter. Der Trigema-Chef bezeichnete die Händler, also die Kunden seiner Strickwaren, „als größte Versager“, weil sie den Strukturwandel missachtet hätten. Mit diesem Strukturwandel ist vor allem der Siegeszug des Online-Handels gemeint. Das Internetgeschäft macht dem stationären Handel zu schaffen. In Stuttgart kommt die Konkurrenz durch die beiden Center Milaneo und Gerber dazu.

Was also müssen die Händler in der City tun? Handelsverbandspräsident Horst Lenk, in Pforzheim selbst mit einem Modeladen präsent, gibt seinen Verbandsmitgliedern dazu eine Reihe von Tipps: „Wir müssen uns auf unsere Alleinstellungsmerkmale besinnen.“ Noch wichtiger sei jedoch, dass jeder Unternehmer sich selbstkritisch hinterfrage: „Welche Qualität habe ich? Und welcher Mehrwert schafft Kundenbindung?“ Die Antworten darauf sollten rasch gegeben werden, so Lenk: „Denn Kunden, Handel und Städte verändern sich rasant.“

Eine Fachfrau zu diesem Thema ist Nicole Srock.Stanley aus Berlin. Sie arbeitet bei Dan Pearlman, einer Kreativagentur, die sich auch auf den Handel spezialisiert hat. In dieser Aufgabe hat die Agentur die City von Kempten wieder konkurrenzfähig gemacht. Auch sie sagt: „Der Internethandel wird ­vielen stationären Händlern das Leben ­kosten.“ Wichtiger ist jedoch ihr Nachsatz: „Es muss nicht so weit kommen, wenn der Einzelhandel jetzt richtig handelt.“

Richtiges Handeln setze aber einfaches Denken voraus. „Schon Kinder unterscheiden zwischen Einkaufen und Shoppen“, sagt Srock.Stanley: „Einkaufen im Internet ist Bedarfsdeckung, Shoppen in der Stadt ist Freizeitaktivität. Daher muss sich der ­Handel den Gesetzen der Freizeitindustrie angleichen.“ Es geht um Spaß und Erlebnis.

Daher lobt Nicole Srock.Stanley den Zusammenschluss der Stuttgarter Fachgeschäfte, mit dem Platzhirsch als Symbol, als einen „guten ersten Schritt“. Zuletzt hatte die Platzhirsch-Vereinigung das umgesetzt, was Srock.Stanley fordert: Im Buchhaus Wittwer gab es zu einer Lesung der Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann eine Tango-Show. Einkaufen wurde so zu einem emotionalen Erlebnis. Die Expertin rät den Platzhirschen jedoch weiterzugehen. Ihr Zauberwort heißt Bid (Business Improvement District) und bedeutet eine Immobilien- und Standortgemeinschaft. Mit solchen Bids ­haben sich Händler in den USA erfolgreich gegen die Konkurrenz der Malls gewehrt. ­City-Managerin Bettina Fuchs findet den Vorschlag gut, räumt aber ein: „Bisher fehlt noch die rechtliche Grundlage dafür. Zudem funktioniert es eher in Quartieren als in der ganzen City.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: