Der Vokalathlet Tim Howar ist bei Mike and the Mechanics für die Showelemente zuständig. Foto: Lichtgut/Peter-Michael Petsch

Mike and the Mechanics haben in der Liederhalle mit einer Mischung aus Soulpop-Hits und Genesis-Klassikern begeistert. Dabei wurde aber klar: Als reine Hitfabrik agiert die Band am Rand der Unterforderung.

Stuttgart - Bühnen-Designer und Hersteller von Showzubehör müssen an Mike Rutherford verzweifeln. Nicht das kleinste Dekorationselement ist am Montagabend auf der Bühne des fast ausverkauften Hegelsaals zu sehen. Und auch die Lightshow fällt unter die Rubrik „nur das Nötigste“. Aber wer braucht schon irgendwelchen Schnickschnack, wenn er eine gut laufende Hitfabrik betreibt?

Mike and the Mechanics können sich ganz auf Rutherfords Kompositionsqualitäten verlassen, und der sich umgekehrt auf ein gut eingespieltes Ensemble, das ihm einige ungeliebte Tätigkeiten vom Hals hält. Fast komplett aufs Gitarrespielen beschränkt sich der zurückhaltende Gentleman aus der Grafschaft Surrey inzwischen. Seine Rolle als Bandleader handelt er mit einigen routiniert freundlichen Worten für die rund 1600 Besucher und mit ein paar launigen Songansagen ziemlich sachlich ab.

Nie für Posen zu haben

Aber für die Show sind schließlich andere zuständig; allen voran Tim Howar, der auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem distinguierten Chef passen will. Aber natürlich weiß Mike Rutherford sehr genau, warum er diesen kanadischen Vokalathleten in seine Band geholt hat. Howar ist ein Kraftmeier am Mikrofon, der für den nötigen Schuss an Stadionrock-Feeling sorgt – und er nimmt Rutherford jene Posen und Publikumsanimationen ab, für die der schon zu Genesis-Zeiten nie zu haben war.

Auch im Hegelsaal agiert Howar reichlich hemdsärmelig, aber er liefert als Rock-Shouter zuverlässig und mit sichtbar Spaß an der Arbeit ab. Die nach wie vor perfekte Ergänzung dazu bildet Andrew Roachford, der Soul und Seele in den Sound einbringt und mit Howar zudem überraschend gut im Duett funktioniert.

Spieltechnisch unterfordert

Der Rest ist schnell erzählt: In zwei Stunden handeln Mike and the Mechanics sämtliche Ohrwürmer von „Silent Running“ über „The living Years“ bis „All I need is a Miracle“ ab, Roachford soulrockt seinen Hit „Cuddly Toy“, zwischendrin gibt es zwei, drei Songs des aktuellen Albums „Out of the Blue“, das ansonsten lediglich renoviertes Altmaterial bietet. Dazu ein Akustikset rund um eine britisch humorvoll reduzierte Version des Genesis-Schmusers „Follow you follow me“ sowie die bewährten Genesis-Evergreens „I can’t dance“ und „Land of Confusion“, in denen die spieltechnische Unterforderung insbesondere von Rutherford ihren Höhepunkt erreicht.

Aber dafür gibt es ja noch die Zugabe: In dem Gassenhauer „Word of Mouth“ packen vor allem Rutherford und sein zweiter Saitenmann Anthony Drennan jene virtuosen Soli aus, die zuvor genrebedingt deutlich zu kurz gekommen sind.

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