Treffen vor dem Derby unterm Fernsehturm: Die Torjäger Marcel Sökler (li./VfB Stuttgart II) und Mijo Tunjic von den Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann

Sie sind die Torjäger ihrer Teams. Vor dem Stuttgarter Oberliga-Stadtderby äußern sich Mijo Tunjic (Kickers) und Marcel Sökler (VfB II) zur Brisanz, ihren Trainern und ihren persönlichen Ziele.

Stuttgart - Im Vorspiel im Gazi-Stadion auf der Waldau geben sich Mijo Tunjic (Stuttgarter Kickers) und Marcel Sökler (VfB Stuttgart II) noch ganz entspannt. Im Doppel-Interview mit unserer Redaktion geht es zwischen den beiden Torjäger-Rivalen locker zu. Den größeren Druck sehen die beiden vor dem Duell an diesem Samstag (14 Uhr) jeweils beim Gegner.

Herr Sökler, Sie haben die Messlatte für Torjäger im Gazi-Stadion auf der Waldau ziemlich hoch gelegt.

Sökler: (lacht) Stimmt, mein Viererpack vergangenes Jahr noch im Dress des SGV Freiberg ist wahrscheinlich nur schwer zu toppen.

Tunjic: Daran möchte ich nicht erinnert werden. Dieses 2:4 war kein guter Tag für uns, dafür waren wir im Rückspiel erfolgreich.

Sökler: Beim Derby am Samstag mit dem VfB II verzichte ich gerne auf ein Tor, wenn wir gewinnen.

Tunjic: Sei doch hier mal ehrlich (lacht).

Dann mal Hand aufs Herz, Herr Tunjic, die Stuttgarter Kickers würden bei einer Niederlage sechs Punkte hinter dem VfB II liegen. Der Druck ist groß – oder?

Tunjic: Der Druck ist immer groß, beim Gegner mit deren Möglichkeiten sicherlich noch etwas größer. Wir wollen in dieses Spiel mit Spaß reingehen, es genießen. Das wird ein geiles Derby voller Emotionen vor bestimmt 3500 bis 4000 Zuschauern.

Sökler: Für mich stehen die Kickers stärker unter Druck, weil sie zu Hause spielen. Aber letztendlich konnten beide Teams die hohen Erwartungen zu Saisonbeginn noch nicht ganz erfüllen.

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Woran liegt das?

Sökler:Die Oberliga ist keine einfache Liga. Da kann auch jeder kicken.

Tunjic: Viele Mannschaften stehen gegen uns sehr tief und werfen alles rein, so wie eine unterklassige Mannschaft im Pokal.

Sökler: Wenn du dann einen Fehler machst und durch einen Konter ein Tor bekommst, rennst du dem Rückstand hinterher.

Bei Spitzenreiter 1. Göppinger SV fehlten zuletzt zwei Schlüsselspieler in einem Punktspiel, weil sie im Urlaub waren, das klingt nach Hobbyfußball – und Sie sind Vollprofis. Über 34 Spieltage muss sich der Unterschied doch auswirken.

Sökler: Wir sind ja auch erst bei Spieltag 14. Dazu kommt, dass viele Mannschaften in der Liga ohne den ganz großen Druck spielen können. Ich rechne aber schon mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss.

Tunjic: Zudem spielt auch bei uns nicht jeder unter Profibedingungen und mehr als die Hälfte der Mannschaft geht einem Beruf, einer Ausbildung oder einem Studium nach. Ich selbst absolviere eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

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Aber Sie, Herr Sökler, sind Vollprofi?

Sökler: Ich arbeite teilweise in der Bauelektronikfirma meines Vaters.

Wie oft haben Sie in Freiberg trainiert und wie häufig jetzt beim VfB II?

Sökler: In Freiberg viermal abends, beim VfB sind es sieben Einheiten pro Woche, meistens am Vormittag.

Warum konnten die Kickers ihre positive Entwicklung nach den Siegen gegen Göppingen, Aalen, Dorfmerkingen und in Freiberg nicht fortsetzen?

Tunjic: Unser 4:4 nach einer 4:1-Führung beim SV Oberachern war ein kleiner Knackpunkt. Danach haben wir beim 2:2 gegen den TSV Ilshofen zwei weitere Punkte liegen lassen. Das waren zwei Spiele, die nicht spurlos an uns vorübergingen. Deshalb wäre ein Sieg am Samstag auch so wichtig – dann hätte wir wieder richtig Selbstvertrauen.

Sökler: Aber auch wir haben uns zuletzt deutlich stabilisiert.

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Sie beide kennen Ramon Gehrmann (Kickers) und Paco Vaz (VfB II). Was unterscheidet die Trainer in Sachen Führungsstil und Fußballphilosophie?

Tunjic: Beide haben eine ähnliche Idee vom Fußball. Sie legen Wert auf spielerische Lösungen und auf eine flache Spieleröffnung.

Sökler: Das finde ich auch. Ramon ist der etwas ruhigere Typ, Paco ist an der Seitenlinie auch mal lauter.

Der freiwillige Abgang von Paco Vaz bei den Blauen im April 2018 mitten im Regionalliga-Abstiegskampf vor einem Abschlusstraining war ungewöhnlich. Blieb da etwas hängen?

Tunjic: Nein, bei mir nicht. Wir haben uns inzwischen auch mal im Stadion getroffen und gut unterhalten.

Herr Sökler,letzte Saison hatten Sie mit 32 Treffern die Oberliga-Torjägerkanone geholt. Jetzt sind es nach 14 Spieltagen erst fünf. Woran liegt es?

Sökler: Zum einen konnte ich verletzungsbedingt in den ersten vier Spielen nicht am Ball sein. Zum andern musste sich mein Körper auch erst an die höhere Trainingsintensität gewöhnen. Und auch in der vergangenen Saison bin ich nicht sofort in Form gewesen, sondern langsam ins Rollen gekommen.

Tunjic: Wir haben dich damals aufgebaut, mit deinen vier Toren im Spiel bei uns.

Sökler: (schmunzelt) Das hast du ja am Samstag nicht nötig, du hast ja schon elf Saisontore auf dem Konto.

Tunjic: Deine 32 aus dem Vorjahr zu knacken wäre ein großer Erfolg, auch wenn es schwer wird (lacht).

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Sie sind 31. Welche Ziele haben Sie noch?

Tunjic: Ich hatte einen Mittelfußbruch, einen Knöchelbruch – also zu erst einmal will ich gesund bleiben. Und klar, ist es mein Ziel, mit den Kickers bis zum Schluss ganz oben mitzuspielen und idealerweise am Ende zuzuschlagen.

Und Sie, Herr Sökler, mit 28 Jahren, keine Träume mehr Richtung erste oder zweite Liga?

Sökler: Man soll im Fußball nichts ausschließen. Aber Priorität hat ganz klar der Aufstieg mit dem VfB II.

Zum Schluss noch Ihr Tipp fürs Derby am Samstag?

Sökler: Wir gewinnen mit 2:1.

Tunjic: Wir gewinnen mit 3:1. Und Du, Marcel, darfst gerne den einen Ehrentreffer markieren.

Kickers im Kino

Am 13. November (20 Uhr) feiert der Film über die vergangenen Saison der Stuttgarter Kickers, „Ein Traum in Blau“, Premiere im Delphi-Kino (Saal Bunuel) in Stuttgart.

Sie finden die Tickets hinter folgendem Link: https://bit.ly/2o6sttI.

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