Hier könnte eine Erstaufnahmeeinrichtung entstehen. Die Bürgermeister von Tamm und Asperg versuchen das seit Längerem zu verhindern. Foto: Simon Granville

Ihre Petition scheiterte – nun schlagen die Bürgermeister von Tamm und Asperg einen neuen Weg ein. Um eine Bebauung zu verhindern, wollen sie dem Land den Schanzacker abkaufen.

Kurz vor Weihnachten wird es im Tammer Gemeinderat alles andere als besinnlich. Auf der Tagesordnung steht am kommenden Dienstag ein Vorhaben mit Sprengkraft: Nachdem eine Petition der Bürgermeister Martin Bernhard (Tamm) und Christian Eiberger (Asperg) nach eineinhalbjähriger Hängepartie im Landtag abgelehnt wurde, will die Stadt Tamm nun versuchen, dem Land Baden-Württemberg das Gebiet Schanzacker abzukaufen.

 

Wie begründet die Stadtverwaltung den Schritt?

Die Stadt Tamm um Bürgermeister Martin Bernhard bemängelt, dass sie trotz unmittelbarer Nähe und Betroffenheit bislang kaum Einfluss auf die Zukunft des Stücks Landes hat. Wiederholte Pläne des Landes für eine Landeserstaufnahmeeinrichtung und inzwischen für eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete stoßen laut Stadtverwaltung auf massiven Widerstand. Der Protest habe die Landesregierung jedoch nicht beeindruckt.

Durch den Erwerb der rund 22 Hektar großen Fläche will Tamm die Planungshoheit sichern und eine aus Sicht der Kommunen unerwünschte Bebauung verhindern. „Wir wollen Sicherheit darüber, was auf dem Schanzacker langfristig passiert“, so Bernhard.

Was ist mit der Stadt Asperg?

In der Vergangenheit sind die Städte Tamm und Asperg beim Thema Schanzacker stets im Gleichschritt gegangen. Auch diesmal machen beide Kommunen und ihre Bürgermeister gemeinsame Sache. Auf Anfrage bestätigt Bürgermeister Christian Eiberger, dass auch Asperg den Gemeinderat darüber entscheiden lassen will, den Schanzacker gemeinsam mit Tamm zu kaufen. Im Januar soll darüber beraten und entschieden werden.

Was gibt es zu beachten?

Die Entscheidung des Gemeinderats in der kommenden Woche ist zunächst eine Grundsatzentscheidung. Viele Fragen müssen danach geklärt und viele Hürden genommen werden. Denn die Fläche des Schanzacker gehört dem Land Baden-Württemberg und liegt zudem auf der Gemarkung der Stadt Ludwigsburg.

Damit müsste nicht nur die Landesregierung einem Verkauf eines durchaus attraktiven Grundstücks zustimmen, auch die Stadt Ludwigsburg könnte ein Stück ihres Gebiets verlieren. Inwieweit die Ludwigsburger Stadtverwaltung dabei mitsprechen darf, scheint derzeit noch offen.

Was könnte das kosten und dürfen die Bürger mitreden?

Auf eine Kostenschätzung lässt sich die Stadt Tamm nicht ein. Erst wenn das Land grundsätzlich zu einem Verkauf bereit ist, soll ein Gutachten den Grundstückswert klären, heißt es in der Gemeinderatsvorlage. Falls es so weit kommt, sollen die Bürger in einem Bürgerentscheid darüber bestimmen, ob die Flächen tatsächlich gekauft werden. „Wir machen keinen Alleingang“, sagt Bernhard.