Von links: Judit Fustero, Ellie Amirnasr und Ibrahim Mbithi sind Ausländer im Dienst Mann+Hummel in Ludwigsburg. Foto: Simon Granville

Während anderenorts über Migration debattiert wird, zeigt Mann+Hummel in Ludwigsburg, wie sehr internationale Mitarbeiter gebraucht werden. Drei von ihnen erzählen ihre Geschichte.

Mit 1100 Mitarbeitern gehört Mann+Hummel zu den größten Arbeitgebern in Ludwigsburg. Mehr als jeder zehnte von den Mitarbeitern beim Filterspezialisten in der Kreisstadt hat einen internationalen Hintergrund. „Ohne die internationalen Mitarbeiter geht es heute nicht mehr“, sagt Personalchefin Helena Hofer. Drei von ihnen schildern dieser Zeitung ihren Weg aus Spanien, Kenia und dem Iran nach Ludwigsburg.

 

Ellie Amirnasr stammt aus dem Iran und arbeitet seit zwölf Jahren bei Mann+Hummel. Sie ist Vice President Business Development. Die 40-Jährige fühlt sich im Englischen wohler als mit der deutschen Sprache – kein Hindernis für eine steile Karriere bei Mann+Hummel. Die Kommunikation läuft laut Hofer auf allen Ebenen problemlos auf Englisch. Das sei auch wichtig, um keine Barrieren für Menschen aus anderen Ländern aufzubauen.

Amirnasr, die ihr Studium in den USA absolvierte und auch die US-amerikanische Staatsangehörigkeit hat, fühlt sich in Deutschland und der Region angekommen. Die Zeit in den USA habe ihr viele Möglichkeiten eröffnet – unter anderem durch die Bildung. Um eine Familie zu gründen, hat sie sich dann aber doch Deutschland ausgesucht.

Helena Hofer ist Personalchefin bei Mann+Hummel. Foto: Mann+Hummel

Eine private Entscheidung, aber unterstützt von Mann+Hummel, das den Umzug von einem Tochterunternehmen aus den USA ermöglichte und beim Ankommen half.

Ein Team hilft Arbeitsmigranten im Unternehmen unter anderem bei Behördenangelegenheiten. Denn auch wenn man im Unternehmen mit Englisch überall zurechtkommt, gilt das nicht für Behörden. Kein Wunder, dass sich Personalchefin Hofer in dem Punkt mehr Flexibilität von den Ämtern erhofft.

Direkte Kommunikation überzeugt Iranerin bei Mann+Hummel

Amirnasr fühlt sich in ihrer Wahlheimat sehr wohl. Die Region erinnere sie an ihre Heimat im Nordiran und im Vergleich zu den USA fühle man sich hier sicherer. Auch die Art der Menschen kommt ihr mehr entgegen. „Ich bin auch direkt und mag es, gleich zu wissen, woran man ist“, sagt die Iranerin. Für Mann+Hummel habe sie sich entschieden, weil die Kommunikation auf allen Ebenen auf Augenhöhe stattfinde.

Auch wenn sie also ihr Glück gefunden hat, eine Sache gibt es da, die in Deutschland besser laufen könnte: „Es ist sehr kompliziert, meine Eltern hierher zu holen“, sagt sie. Sie sei auch deswegen nach Deutschland gekommen, um ihren Eltern im Iran und ihrer Schwester in Belgien näher zu sein. Dass die Eltern nur jeweils für 90 Tage kommen dürfen, bedauert sie. In den Vereinigten Staaten gebe es da keine solche Beschränkung.

Kenianer Mbithi meistert Karriere bei Mann+Hummel

Ibrahim Mbithi arbeitet erst seit zwei Jahren bei Mann+Hummel. Der 41-jährige Kenianer ist Projektleiter im Bereich Digitalisierung und E-Commerce. Er stamme aus einfachen Verhältnissen, wie er selbst sagt. Wegen seiner Wissbegierde und schnellen Auffassungsgabe wurde er aber gefördert und hatte schließlich die Möglichkeit, in Bremen zu studieren.

In dem neuen Land angekommen, fiel es dem Kenianer nicht schwer, Anschluss zu finden. Er hat über ein Programm eine Gastfamilie bekommen und engagierte sich gleich in vielen studentischen Gruppen. „Ich habe mich sofort gefragt: Wie finde ich Anschluss. Das beste Mittel ist, sich zu engagieren und einzubringen“, sagt Mbithi.

Kulturelle Überraschungen: Mbithis erste Eindrücke in Deutschland

Dem Kenianer dürfte auch sein offenes und freundliches Wesen geholfen haben. Überrascht haben ihn in Deutschland vor allem die Struktur im Alltag mit Ämtern und allem, was dazu gehört. Aber auch die Mülltrennung, die Sonntagsruhe und dass fast ausschließlich ältere Menschen Gottesdienste besuchen, waren für den heute 41-jährigen Familienvater völlig neue Erfahrungen.

Punkten kann die Region bei Mbithi wie bei Amirnasr mit den Festen. Beide sind begeistert von Winzerfesten, Weihnachtsmärkten und den vielen lokalen Events generell.

Wie Amirnasr kam auch Judit Fustero über eine Tochterfirma von Mann+Hummel zum Unternehmen in Ludwigsburg. Seit 2015 ist die Key Account Managerin im E-Commerce in Deutschland beschäftigt – bei Mann+Hummel ist sie sogar schon seit 2010. Ursprünglich aus Zaragoza stammend, hatte sie bei der Universität in Wolverhampton, England, berufsbegleitend ein MBA-Studium absolviert. Wie bei Mbithi und Amirnasr war für sie die Sprache zunächst eine große Herausforderung.

Fustero überrascht von Betreuungssituation in Deutschland

Neu war für die heute 36-Jährige die strikte Trennung von Beruf und Privatleben bei ihren Kollegen. Auch sie lobt die strukturierte Arbeitsweise der Deutschen und wunderte sich zu Beginn über neugierige Nachbarn. Mittlerweile ist sie in der Region heimisch geworden, hat einen deutschen Partner und ist Mutter. „Ich hatte gedacht, dass es Müttern leichter gemacht wird, in den Beruf zurückzukehren, aber die Betreuungssituation in Deutschland hat mich schon auch überrascht“, sagt Fustero.

Die Landschaft in der Region Stuttgart und dass die Menschen so viel Zeit in der Natur verbringen, gefallen ihr besonders gut. Trotzdem plagt sie immer wieder Heimweh, aber mit dem Flieger ist sie schnell in ihrer Heimat.

Für die Personalchefin Hofer sind die drei Mitarbeiter Beispiele dafür, warum ein Unternehmen nur von internationalen Mitarbeitern profitieren kann. Jeder bringe andere Mentalitäten und Herangehensweisen mit. „Wir brauchen mittlerweile so viele Experten für Nischenwissen, dass wir ohnehin auf der ganzen Welt suchen müssen“, sagt Hofer zum Selbstverständnis von Mann+Hummel.  

Aus Ludwigsburg in die Welt

Historie
Das Familienunternehmen, das 1941 von Adolf Mann und Dr. Erich Hummel in Ludwigsburg gegründet wurde, beschäftigt heute an mehr als 80 Standorten weltweit über 21.000 Mitarbeiter.

Transformation
Das Geschäftsfeld „Transportation“ erwirtschaftet 89 Prozent des Umsatzes, das Geschäftsfeld „Life Sciences & Environment“ elf Prozent. Mann+Hummel ist also auch vom Transformationsprozess der Autobranche betroffen.