In den Leinfelder Schelmenäckern entsteht gerade ein neues Containerdorf. Foto: Natalie Kanter

In Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sind die Unterkünfte für Geflüchtete voll belegt. Wie sind die Aussichten für das kommende Jahr?

Christos Slavoudis klingt etwas atemlos. Fast so, als habe er gerade eine Joggingrunde hinter sich. Dieser Vergleich ist nicht unpassend, denn das, was der Leiter des Filderstädter Amts für Integration, Migration und Soziales seit seinem Amtsantritt im Jahr 2022 vollführt, kann man durchaus als Marathon bezeichnen. Er ist für die Unterbringung von geflüchteten Menschen im Stadtgebiet zuständig.

 

Momentan leben 712 Personen in den 24 sogenannten Anschlussunterkünften in der Stadt. „Das schwankt immer mal wieder“, sagt Slavoudis. Die meisten dieser Menschen kommen aus der Ukraine (250 Menschen), aus Syrien (144) und aus Afghanistan (86). Knapp über 300 Männer, Frauen und Kinder wurden und werden der Stadt im Lauf dieses Jahres vom Landkreis Esslingen zugewiesen. Sie alle konnten und können erfolgreich irgendwo einquartiert werden, die Quote ist somit erfüllt. „Wir haben noch nicht die Zahlen für 2025, aber ich gehe stark davon aus, dass es sich um eine ähnliche Anzahl handeln wird“, sagt er und betont: „Diese Menschen sind ja schon in Deutschland.“

Laut seiner Aussage sind die Unterkünfte in der Stadt voll belegt. Die letzte große Neueröffnung war Anfang dieses Jahres: die des Containerdorfs auf dem Parkplatz der Sporthalle im Weilerhau in Plattenhardt. Bis zu 130 Menschen können in den 80 Containern leben. Rein statistisch verlassen laut dem Amtsleiter im Schnitt 90 Menschen pro Jahr die kommunalen Unterkünfte wieder – weil sie privaten Wohnraum finden, in Haft kommen, abgeschoben werden oder schlichtweg umziehen. Ungleich mehr erreichen die Stadt. Für die, die sich im kommenden Jahr in Filderstadt einfinden werden, braucht es Platz. Christos Slavoudis berichtet von einer Arbeitsgruppe, die sich damit befasst, wo neue Immobilien und Grundstücke für die Beherbergung von Geflüchteten gefunden werden können. Denn eines ist sicher: Die Menschen werden kommen. „Die Zuweisungen sind verpflichtend“, sagt er. Die Suche habe höchste Priorität.

Konkrete Standorte für neuen Unterkünfte gebe es noch nicht. Christos Slavoudis verspricht: „Wir werden alle wieder informieren.“ Es werde Veranstaltungen für die Anwohnerschaft geben. Allzu lang werde das nicht mehr auf sich warten lassen. Der Druck sei groß, die Zeit dränge. Ein großes Ziel stehe in Filderstadt aber stets über dem Verfahren: Die Belegung von Hallen soll mit allen Mitteln vermieden werden.

In Leinfelden-Echterdingen sind die Flüchtlingsunterkünfte nahezu belegt. „Leerstände gibt es derzeit praktisch nicht“, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Im Stadtgebiet leben aktuell 1166 geflüchtete Menschen. Sie sind in den verschiedenen städtischen Unterkünften, aber auch in Privatwohnungen untergebracht. Die meisten Zuwanderer sind aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan oder afrikanischen Staaten geflohen. Andere sind Palästinenser oder kommen aus der Türkei.

Büros werden zu Flüchtlingswohnungen

Bauarbeiter stapeln aktuell im Leinfelder Neubaugebiet Schelmenäcker Container aufeinander, in denen mehr als 300 Geflüchtete Platz finden können. „Diese neue Anlage geht Anfang 2025 in Betrieb“, informiert der Bürgermeister. Die Stadt hat außerdem zwei Bürogebäude an der Echterdinger Dieselstraße erworben. Diese sollen 2025 umgebaut werden. Von 2026 an werden dort weitere geflüchtete Menschen einziehen.

Der Erwerb und Umbau koste die Stadt einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. In die Containerdörfer auf dem Renaultgelände und den Schelmenäckern müsste in den nächsten vier Jahren insgesamt mehr als 28 Millionen Euro investiert werden. Geradezu skandalös sei es, dass von Staatlichen Stellen keine finanzielle Unterstützung für das Schaffen der kommunalen Flüchtlingsunterbringungsinfrastruktur bereit gestellt werde, betont er. Die Kommunen hätten diesen finanziellen Kraftakt alleine aufzubringen. „Insgesamt kann gesagt werden, dass Leinfelden-Echterdingen auch in den kommenden Jahren der Aufnahmeverpflichtung nachkommen kann“, erklärt Kalbfell.