Gespannte Blicke: wie werden die Fleischküchle schmecken? Foto: Petra Mostbacher-Dix

Ausländer haben in der Heslacher Traube für eine SWR-Produktion schwäbische Gerichte gekocht. Wie es der aus Stammgästen bestehenden Jury wohl geschmeckt hat?

S-Süd - Vier bis fünf Eier? So viele?“ Naima Mohammed wundert sich, während Hubert Blum schmunzelt. Der Wirt der Heslacher Weinstube „Zur Traube“ zeigt der Somalierin, wie ein typisch schwäbisches Gebäck entsteht, der Hefekranz. „Der soll ja auch gut schmecken“, sagt er, während Naima die Eier zum Teig gibt, diesen in einer Schüssel knetet, in dünne Stränge rollt und schließlich zum großen runden Zopf flicht. „Wir streichen das dann mit Eiweiß ein, die Mandelblättchen kommen drauf – dann geht es in den Ofen, der Hagelzucker wird danach aufgestreut“, erläutert Blum, indes Naima den Zopf einpinselt.

Gefilmt wird sie dabei von Kameramann Volker Kintzinger, Tonmann Philipp Tsemperlis nimmt den Dialog auf: Für die SWR-Sendung „Brezel, Bratwurscht, Bier – Ausländer und die schwäbische Küche“ hat Blum seine Gaststätte zur Verfügung gestellt. In dem TV-Format lernen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Stuttgart leben, nicht nur die schwäbische Küche kennen, sondern bereiten auch jeweils ein Gericht aus dem Südwesten zu. Beim Abschlussdreh werkeln neben Naima noch der Filipino John Paul „JP“ Mendoza und der Mongole Munkhbat Tsogtjargal alias Munk in Blums Küche. Ersterer bereitet, assistiert von dem Franzosen Gilles Floret, Fleischküchle zu, „mit einem philippinischen Einschlag“. Lachend hebt er die leuchtend roten Chilis hoch, die neben dem Teller liegen, in denen er Hackfleischbällchen um Hackfleischbällchen geformt hat.

Jagdglück erst bei der zweiten Pirsch

Munk wiederum rührt, angeleitet vom Schwaben Claus Kissel, in einem Topf, aus dem es bereits herzhaft duftet: Wildschweingulasch köchelt vor sich hin, verfeinert mit einem Schuss Rotwein. Mit Jäger Claus sei er auf die Pirsch gegangen, so Munk. Zunächst ohne Erfolg, schildert er der Regisseurin Almut Röhrl, Autorin und Chefin der Produktionsfirma Gretafilm. Sie befragt ihn zum Jagdglück. Letzteres sei Claus erst beim zweiten Mal hold gewesen, als er nochmals alleine unterwegs war. „Er hat das Wildschwein erlegt in den Wäldern bei Botnang.“ Munk lacht. Claus stimmt ein und ergänzt: „Das war a bissle mehr außerhalb.“

In der Küche machen sich inzwischen JP und Gilles am Herd zu schaffen. Es gilt, die Fleischküchle anzubraten, auf den Punkt genau – schließlich rücken bald die Testesser an. „Stammgäste, die schon seit vielen Jahren zum Kaffeekränzle kommen“, sagt der Wirt. „Ich sagte Ihnen, ‚ich habe einen Anschlag auf euch vor‘ – und sie haben sich gleich bereit erklärt, als Jury zu fungieren.“ Die beiden Tische füllen sich kurze Zeit später: mit elf bestens gelaunte Seniorinnen und Senioren. Sie lauschen erst Regisseurin Almuts Anweisungen, dann der Begrüßung von Hubert und seinem Kochteam. Das stellt seine Gerichte vor, um sie dann schnell zu servieren. Nichts soll kalt werden, alle sollen gleichzeitig probieren und genießen können.

Scharf – aber gut

„Und? Sind die drei Schwaben geworden?“ Röhrl schaut erwartungsvoll in die fröhliche Runde. Kamera und Mikrofon sind in Position, wandern von Jurymitglied zu Jurymitglied. Das Urteil ist einhellig, „Ja!“ Das Wildschweingulasch sei exzellent, auf einer Skala von eins bis zehn einer Zehn plus würdig. Und auch die Fleischküchle kommen bestens an, werden zwischen acht und neun eingeschätzt – einigen wenigen sind sie etwas zu scharf: „Sehr rezent, aber das ist Geschmacksache.“ Auch der Hefezopf, den Naima als Nachtisch majestätisch hereingetragen hat, wird hoch gelobt. „Locker, lecker!“, so eine Jurorin. Eine andere fügt fachfraulich hinzu: „Da sind mehr Eier drin als üblich, und das macht den Geschmack aus.“

In diesen mischt sich nur eine Bitternuance: In wenigen Wochen schließt Hubert Blum seine Weinstube, weil das Haus verkauft wurde. Nicht einfach für einen Vollblutgastronomen. Der betont: „Mal sehen, wie es weitergeht.“

Der Bericht wird 2020 an einem Feiertag im SWR-Fernsehen ausgestrahlt. Das genaue Sendedatum steht noch nicht fest.

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