Wohnen in Stuttgart – nicht jeder findet eine Wohnung auf der Sonnenseite. Foto: dpa

Wie haben sich die Mietpreise in den vergangenen Jahren entwickelt. In welchen Stadtbezirken sind Mietwohnungen am teuersten und wo lebt es sich am günstigsten? Wir geben einen Überblick über das Mietpreisniveau bei Neuvermietungen.

Stuttgart - Für das Ehepaar M., das in einigen Wochen beruflich nach Stuttgart wechselt und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sind es anstrengende Wochen mit nur einem Programmpunkt: Wohnungssuche. Zeitungsinserate und Onlineportale werden studiert, Bewerbungen geschrieben, Wohnungen besichtigt. Doch oft klaffen die Preisvorstellungen der Vermieter und die finanziellen Möglichkeiten des Ehepaars aus dem Norden der Republik weit auseinander: „Wir können uns das einfach nicht leisten“, muss Herr M. immer wieder feststellen.

Angebotsmieten steigen um 35,6 Prozent

So wie dem Ehepaar M. ergeht es vielen, die in der Landeshauptstadt eine Wohnung suchen und deren Budget gedeckelt ist. Dass die Mietpreise in Stuttgart und Umgebung hochsind, ist keine neue Erkenntnis und wird in vielen Studien belegt, doch das Statistische Amt der Stadt hat nun erstmals die Dynamik auf dem Markt und die örtliche Verteilung ermittelt: Von 2009 bis 2017 sind die Angebotsmieten in Stuttgart um mehr als ein Drittel gestiegen, in manchen Stadtbezirken sogar um rund 40 Prozent. Riefen Vermieter vor neun Jahren durchschnittlich noch eine Nettokaltmiete von 8,70 Euro pro Quadratmeter auf, so waren es 2017 stadtweit schon 11,80 Euro.

Im Jahresabstand haben die Statistiker der Stadt zwischen 2009 und dem 1. Halbjahr 2017 auf dem Onlineportal Immobilienscout24 die Inserate ausgewertet und so das Mietpreisniveau für Neuvermietungen in den Stadtbezirken festgestellt. „Mieten aus bestehenden Mietverträgen sind anders als im Mietspiegel der Stadt nicht berücksichtigt“, betont Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts. Er geht freilich davon aus, dass die Werte die Lage für Wohnungssuchende in Stuttgart ziemlich realistisch beschreiben. „Wir haben auf dem Mietwohnungsmarkt eine hohe Nachfrage bei geringem Angebot. Daher können die Anbieter ihre Preise durchsetzen“, sagt Schwarz.

So teuer sind die Mieten in den Stuttgarter Stadtbezirken

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnisse

Zumal auch andere Studien die Angebotsmieten für Stuttgart in dieser Höhe ansiedeln – etwas der renommierte F+B-Wohnindex, der als Durchschnitt 11,80 Euro angibt. Der Mietspiegel, der noch bis Ende des Jahres gilt und der auch bestehende Mietverträge berücksichtigt, weist ein mittleres Kaltmietenniveau von 8,95 Euro pro Quadratmeter auf. Bei neueren Wohnungen ab 1985 und ab 2010 gibt er mit 9,45 und 11,04 Euro aber höhere Werte an. „Solche Wohnungen bestimmen auch das Angebot auf Onlineportalen“, sagt Schwarz und unterstreicht damit die Aussagekraft der Werte.

Wohnungssuchende müssen in den Innenstadtbezirken mit den höchsten Mietpreisen rechnen. Stuttgart-Mitte ist mit 13,40 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter der Spitzenreiter, dicht gefolgt vom Westen mit 13,30 Euro. Der direkt angrenzende Gürtel spiegelt mit Preisen von zwölf Euro an aufwärts die Nähe zur Innenstadt und gute Wohnlagen in Halbhöhe. Dahinter folgen die Fildervororte, die die Elf-Euro-Hürde nehmen, vor den Stadtbezirken im Neckartal, die zehn bis elf Euro betragen. Schlusslicht ist der Stadtbezirk Hedelfingen, der mit 9,80 Euro als einziger unter der Zehn-Euro-Marke bleibt. Er weist auch mit einem Plus von 18,1 Prozent die geringste Steigerung seit 2009 auf. Überdurchschnittlich sind die prozentualen Erhöhungen im Osten und Westen mit mehr als 40 Prozent, aber auch im Norden, in Untertürkheim, Zuffenhausen, Feuerbach und Bad Cannstatt. Allerdings betont Schwarz, dass es innerhalb der Stadtbezirke erhebliche Unterschiede geben kann – je nach Wohnlage. Dennoch fällt dem Amtsleiter auf, dass das Mietpreisniveau die soziale Struktur der Stadt widerspiegelt: „Wir sehen deutlich, wo Wohnungen mehr nachgefragt werden und wo die Menschen leben, die mehr bezahlen können.“

Zuwächste zuletzt am höchsten

Blickt man auf die Entwicklung der Angebotskaltmiete in ganz Stuttgart dann steigt sie seit dem Jahr 2010 kontinuierlich um Zehn- oder Zwanzig-Cent-Schritte pro Quartal an. Stärkere Erhöhungen des stadtweiten Durchschnittswerts gibt es erst vom ersten Quartal 2015 an. Der höchste Zuwachs wurde vom 4. Quartal 2016 zum ersten Quartal 2017 mit einem 60-Cent-Plus registriert. Wie auf die Entwicklung reagieren? Im Gemeinderat gibt es inzwischen eine Mehrheit, die den Bau neuer Wohnungen auf der grünen Wiese befürwortet, was auch der Haus- und Grundbesitzerverein fordert. Der Mieterverein hält mehr Sozialwohnungen und ordnungspolitische Maßnahmen für dringend, die die Steigerungen begrenzen.

Und was macht das Ehepaar M.? Es sucht weiter.

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