Die Eisenbahnerwohnungen sind 2012 an Patrizia verkauft worden. Foto: Ina Schäfer

Der Vorstand der Mieterinitiative LBBW-Patrizia kann das ehrenamtliche Amt nicht mehr alleine schultern. Bisher mangelt es jedoch an Nachfolgern, die sich engagieren möchten. Ein erneues Treffen soll Abhilfe schaffen.

S-Nord - Eigentlich sollte es in der Versammlung am vergangenen Mittwochabend im Haus 49 um die befürchteten Mieterhöhungen gehen; darum, wie man eventuell dagegen vorgehen könnte, und ob Mietminderungen aufgrund des Stuttgart-21-Baulärms im Nordbahnhofviertel durchsetzbar seien.

Das eigentlich wichtige Thema war jedoch das zuletzt besprochene: „Ich möchte mein Amt als Sprecher der Mieterinitiative niederlegen“, sagte Günter Jones. Er habe die Mieterinitiative in den vergangenen zwei Jahren mit viel Herzblut betrieben, unterstützt von lediglich zwei weiteren Ehrenamtlichen, Franz Weidmann und Ursel Beck. „Aber zu dritt können wir das nicht weitermachen.“ Jones selbst lebt seit einigen Monaten nicht mehr im Nordbahnhofviertel. Er ist umgezogen und nennt berufliche sowie familiäre Verpflichtungen als Grund, warum er sich nicht weiterhin so engagieren könne wie bisher. Nun müssten sich andere Mieter engagieren, sagte Jones.

Veranstaltungen haben weniger Zulauf

Die Hoffnungen des Vorstands, auf der Versammlung am Mittwoch Nachfolger zu finden, wurden jedoch enttäuscht. Niemand hob die Hand. Zwar schien das Interesse an einer Unterstützung in der Gruppe nach wie vor groß. Jones erwähnte aber auch, dass die Veranstaltungen der Mieterinitiative vor zwei Jahren noch von 150 bis 200 Menschen besucht wurden: „Die Zahlen haben abgenommen.“ Am Mittwochabend hatten lediglich rund 25 Leute den Weg zur Versammlung gefunden. Dies wohl auch deshalb, weil die Mieterinitiative dieses Mal keine Flugblätter zur Ankündigung des Treffens in die Briefkästen der Anwohner im Nordbahnhofviertel geworfen hatte, rein aus Zeitgründen.

Seitens der Zuhörer kam deshalb der Vorschlag, zu einer erneuten Versammlung einzuladen, großflächig über Flyer, Plakate und die Presse, und auf viel Zulauf zu hoffen. Dann, so ist die Idee, finde sich vielleicht leichter jemand, der sich in der Mieterinitiative engagieren wolle.

Die Themen werden der Gruppe wohl nicht ausgehen: Beim Treffen am vergangenen Mittwoch haben viele Anwesende Mieterhöhungsschreiben erwähnt, die zugestellt oder sogar bereits unterschrieben worden sind – bei einigen waren es laut eigener Aussage bis zu drei Erhöhungen innerhalb von vier Jahren. „Unterschreiben Sie das nicht“, riet Ursel Beck. Zum Teil seien die Mieterhöhungen formal nicht korrekt und darum nicht gültig, man solle dies zuerst prüfen lassen. Die Mieterhöhungen, so Jones, Beck und Weidmann, seien Beweis dafür, dass weder die Sozialcharta, die die Immobiliengesellschaft Patrizia als neuer Eigentümer einhalten will, noch die Erhaltungssatzung des Gemeinderates ausreichend Mieterschutz geben könnten.

Die Mieter sind von der Politik enttäuscht

Ebenfalls besprochen wurden eventuelle Mietminderungen im Zusammenhang mit den Stuttgart-21-Bauarbeiten im Nordbahnhofviertel, den damit verbundenen Lastwagenfahrten nebst Lärm und Staub. Eine kleine Gruppe will sich nun mit einem Anwalt treffen, um zu besprechen, in wieweit Mietminderungen durchsetzbar sind. „Man muss sich zusammenschließen, die Masse macht’s“, sagte Günter Jones.

Mehrmals im Laufe des Abends klang die Enttäuschung der Bewohner über die Politik durch. „Wenn das hier am Killesberg passieren würde, sähe die Sache anders aus“, sagte eine Mieterin. „Aber der kleine Mann ist den Politikern egal.“

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