An Michelle Obama geht die Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. Foto: mark reinstein / Shutterstock.com

2020 war auch für die ehemalige First Lady Michelle Obama herausfordernd. Mit "People" spricht sie über die negativen - und positiven - Seiten des Corona-Jahres.

Corona, Gewalt gegen Afroamerikaner und die US-Wahl: Wie für viele andere Menschen waren die Ereignisse des Jahres 2020 auch für Michelle Obama (57, "BECOMING: Meine Geschichte") psychisch belastend. Im Zoom-Interview mit dem "People"-Magazin spricht sie nun über ungeahnte positive Nebeneffekte der Pandemie, Beschäftigungen im Lockdown und die Hintergründe ihrer leichten Depression.

"Diese Zeit hat es uns erlaubt, ein paar der gestohlenen Momente mit unseren Mädchen zurückzubekommen", erzählt Obama in Bezug auf die Corona-Quarantäne mit Ehemann Barack (59, "Ein verheißenes Land") und den gemeinsamen Töchtern Malia (22) und Sasha (19). Eigentlich sollten die beiden Studentinnen das heimische "Nest" mittlerweile endgültig verlassen haben. Die Pandemie sorgte jedoch für eine unerwartete Wiedervereinigung der Familie, die sich abwechselnd in Washington D.C. und auf der Insel Martha's Vineyard im US-Bundesstaat Massachusetts aufhielt.

Während des Lockdowns mit ihren Eltern galten die gewohnten heimischen Regeln jedoch nicht mehr für Malia und Sasha. "Ich wollte nicht, dass sie es verpassen, unabhängig zu sein", erinnert sich die ehemalige First Lady. "Sie kamen als junge Frauen zurück und unsere Unterhaltungen gleichen deshalb eher denen von Gleichaltrigen als denen zwischen Mutter und Tochter."

Michelle Obama belauschte Online-Vorlesungen ihrer Töchter

Das pandemiebedingte Fernstudium mit Online-Vorlesungen und -Seminaren erlaubte es Obama, eine Seite ihrer Kinder kennenzulernen, die ihr normalerweise verborgen geblieben wäre. "Es ist interessant für mich, einige ihrer Seminare zu belauschen und mitzubekommen, wie sie mit ihren Professoren interagieren", erklärt sie. "Wenn deine Kinder aufs College gehen, siehst du diese Seite von ihnen nicht."

Während es ihre Töchter im Lockdown liebten, zu kochen, verbrachte die Juristin viel Zeit mit dem Stricken - und ist mittlerweile fast süchtig danach. Es sei etwas, das man nie wirklich beherrsche. Obama erklärt: "Wenn man einen Schal gestrickt hat, gibt es da noch die Decke. Und sobald man die Decke gestrickt hat, gibt es da noch die Mütze, die Socken..."

Neben dem Stricken verbrachte sie viel Zeit mit dem Schwimmen. Mit zunehmendem Alter habe die 57-Jährige gemerkt, dass das intensive Training, das sie früher absolvierte, "einfach nicht mehr funktioniert". "Also dachte ich, Schwimmen ist eins dieser leichteren, guten Cardio-Sachen." Mittlerweile schwimme sie "fast eine Meile" am Stück.

"Leichte Depression" war keine Überraschung

Die vielen negativen Ereignisse des Jahres 2020 gingen jedoch auch an Michelle Obama nicht spurlos vorbei. Im Interview beschreibt sie ihre Gefühle als eine "leichte Depression", die sie jedoch nicht überraschte. "Das war während einer Zeit, in der viele schwierige Dinge passierten", erläutert sie. "Da war das anhaltende Ermorden von afroamerikanischen Männern durch die Polizei. Allein dieses Video von George Floyd zu sehen, diese acht Minuten zu erleben. Das ist viel, womit man fertig werden muss. Ganz zu schweigen davon, dass man sich mitten in einer Quarantäne befand."

Das Auftreten von Depressionen sei in Zeiten wie diesen "verständlich", meint die Autorin und Podcasterin. Sie habe sich selbst allerdings erst darüber klar werden müssen, was sie durchmachte: "Weil wir oftmals denken, diesen Teil von uns verstecken zu müssen. Dass wir immer obenauf sein und so tun müssten, als ob wir nicht unterhalb der Wasseroberfläche paddeln wie verrückt."

Die Ex-First-Lady sieht "Licht am Ende des Tunnels"

Obama, die mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft ist und jeden dazu ermutigt, es ihr sobald wie möglich gleichzutun, sieht nun jedoch ein "Licht am Ende des Tunnels". Ihren Töchtern habe sie eins der Dinge verraten, die sie stets durchhalten lassen: "Die Tatsache, dass ich alt genug bin, um zu wissen, dass die Dinge wieder besser werden."