Im Ruiter Krankenhaus wurde er vor 50 Jahren geboren. Seitdem lebt Michael Maier in Nellingen. In der Stadtteil-Gemeinschaft fühlt sich der Inklusionsbeauftragte des Turnvereins wohl.
Sein sportliches Herz schlägt für den TV Nellingen und für den VfB Stuttgart. Michael Maier wurde vor 50 Jahren im Krankenhaus Ruit geboren. Damit ist der sportliche Familienvater so alt wie die Reformstadt Ostfildern, die in diesem Jahr Jubiläum feiert. „Dass die ganze Stadt dieses Jahr feiert, hatte ich gar nicht auf dem Schirm“, sagt Maier und lacht. Er lebt und arbeitet in Nellingen, hat sein Büro als Berater in der Hindenburgstraße.
Sein persönliches halbes Jahrhundert hat er am 18. Januar mit der Familie und mit Freunden gefeiert. Jetzt freut er sich aufs Stadtjubiläum, das am 12. und 13. Juli mit dem Festwochenende seinen Höhepunkt erreicht. Mit seinem Jahrgang 1974/75 pflegt er über Whatsapp Kontakt zu den Altersgenossen in ganz Ostfildern. Und man trifft sich bei den Veranstaltungen in der Stadt.
Dabei schaut der Fußballfan auch gerne über den Tellerrand. Im benachbarten Berkheim ist er im Vorstand des VfB-Fanclubs Rot-Weiße Schwaben 1977 engagiert. „Meine Mutter ist in Bad Cannstatt geboren.“ Da sei die Leidenschaft für die Bundesliga-Fußballer programmiert. Den Fanclub mit mehr als 1500 Mitgliedern in die Zukunft zu führen, das fordert den dynamischen Kaufmann.
Auf die Frage, ob er sich als Ostfilderner oder als Nellinger fühlt, antwortet der 50-Jährige spontan: „als Nellinger“. Dass die Stadtteile vielfach ihre eigenen Vereine haben, findet er gut. Und doch spürt er an vielen Stellen die gemeinsame Identität der Großen Kreisstadt, die Offenheit für Neues, wie sie im jüngsten Stadtteil Scharnhauser Park zu beobachten ist.
Die Menschen im Stadtteil halten zusammen
Dennoch: Den Zusammenhalt im mit 10 500 Einwohnern größten Stadtteil Ostfilderns findet Maier wunderbar. Das hat er erfahren, als das Haus seiner Großmutter in Nellingen, in dem er mit seiner Familie lebte, abgebrannt ist. Dass ihm die Nachbarn damals geholfen und bei der Suche nach einem neuen Domizil unterstützt hätten, macht ihn dankbar und glücklich. Gerade in Krisenzeiten bewährten sich solche engen Gemeinschaften, die in den ehemaligen Filderdörfern über Jahrzehnte gewachsen sind. Dass die Stadtteile trotz der gemeinsamen Identität ihre Besonderheiten behalten hätten und auch pflegten, das schätzt er sehr.
In der schweren Zeit nach dem Brand lernte er auch die Familie Raisch und ihren Sohn Julius kennen, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde. „Er liebt den Fußball genau wie ich“, sagt Maier, der selbst zwei Söhne hat. Er nahm Julius unter seine Fittiche und geht mit ihm unter anderem zu den Spielen des VfB. Den Sport mit den Augen des Jungen zu sehen, „seine Freude zu teilen“, das gefällt Maier. Beim TV Nellingen kickt Julius in der inklusiven Fußballmannschaft, die Michael Maier mit betreut. „Dass junge Männer mit und ohne Behinderung zusammen kicken, das ist wunderbar“, schwärmt Maier. Allerdings seien solche Angebote noch dünn gesät.
Damit sich das möglichst schnell ändert, ist Maier seit Jahresbeginn Inklusionsbeauftragter des Sportvereins. Derzeit plant der Verein, für Menschen mit Behinderung ein Leichtathletik-Training anzubieten. Dass der TV Nellingen „so offen ist für unsere Ideen zur Inklusion“, freut den engagierten 50-Jährigen sehr.
Seit seiner Geburt im Ruiter Krankenhaus am 18. Januar 1975 lebt Michael Maier immer in Ostfildern. Damals war die Reformstadt gerade 18 Tage alt. Dass das Umdenken auch bei den Behörden noch sehr lange gedauert hat, wurde Maier beim Blick in seinen ersten Pass bewusst. „Da stand als Geburtsort noch Ruit auf den Fildern“, erinnert er sich. Inzwischen habe sich das geändert, „jetzt steht Ostfildern drin.“
In Nellingen besuchte er zunächst die Grundschule, dann die Realschule. Als Bundeswehrsoldat ließ sich der sportliche Nellinger auf besondere Abenteuer ein. Er war bei den Fallschirmjägern, die damals in Calw stationiert waren. Für den sportlichen jungen Mann war das herausfordernd. Den ersten Sprung aus schwindelnder Höhe habe er relativ locker gesehen, „danach hat man jedes Mal ganz großen Respekt“. Die Faszination für das Springen lässt ihn bis heute nicht los. Durch eine Freundschaft mit dem Fallschirmsportler Klaus Renz erlebt er immer mal wieder Sprünge mit. Wenn Renz mit dem Fritzle, dem Maskottchen der Bundesliga-Fußballer des VfB, ins Stadion einschwebt, ist das für Maier einfach ein großartiges Erlebnis.
Die Reformstadt Ostfildern
Geschichte
Die 1975 im Rahmen der Gebietsreform entstandene Stadt Ostfildern hatte bei ihrer Gründung mehr als 20 000 Einwohner. Die ehemals selbstständigen Filderdörfer Nellingen mit der Parksiedlung, Ruit, Kemnat und Scharnhausen wurden damals zusammengeschlossen. Am 1. Juli 1976 wurde Ostfildern zur Großen Kreisstadt erklärt. Heute ist sie nach Esslingen, Filderstadt, Nürtingen, Kirchheim und Leinfelden-Echterdingen die sechstgrößte Stadt des Landkreises Esslingen.
Neuer Stadtteil
Seit 1993 entwickelte die Stadt Ostfildern den neuen Stadtteil Scharnhauser Park. Dort wurden modellhaft viele städtebauliche Projekte für den Klimaschutz umgesetzt. 2002 fand dort die Landesgartenschau statt.