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Der scheidende Ministerpräsident Günther Oettinger holt sich für sein neues Amt als EU-Kommissar einen Experten zur Seite: Michael Köhler, promovierter Professor am Europa-Kolleg in Brügge.

Stuttgart/Brüssel - Der scheidende Ministerpräsident Günther Oettinger hat auf dem Weg in sein neues Amt als deutscher EU-Kommissar in Brüssel eine wichtige Personalentscheidung getroffen: Michael Köhler, promovierter Professor am Europa-Kolleg in Brügge und Chef der Europa-Union in Brüssel, wird den einflussreichen Posten des Kabinettschefs bei Energiekommissar Oettinger erhalten.

Entsprechende Recherchen unserer Zeitung bestätigten sowohl Oettinger als auch Köhler am Donnerstagabend: „Der Posten hat einen doppelten Reiz. Zum einen wird das Thema Energie in Europa immer wichtiger, das blüht regelrecht auf. Zum anderen ist es sehr interessant, für den Kommissar eines großen EU-Mitgliedslandes zu arbeiten“, sagte Köhler. Er habe „kein Bewerbungsschreiben“ abgegeben, sondern sei „empfohlen“ worden. Der 51-jährige Hannoveraner wird ab 26. Januar - an diesem Tag wählt das EU-Parlament die Kommission - an der Spitze von Oettingers 20-köpfigem Mitarbeiterstab stehen. Köhler war bisher Kabinettschef beim maltesischen EU-Kommissar Joe Borg, der für Fischereifragen zuständig war, weshalb er stets als "der Fischerei-Köhler" bezeichnet wurde. Borg gehört der neuen EU-Kommission nicht mehr an.

Oettingers künftige rechte Hand ist im Südwesten kein Unbekannter. Erst im Juni tagte Köhler, dessen Frau aus Esslingen stammt, mit der Europa-Union in der Landesvertretung in Brüssel - damals noch mit dem deutschen Kommissar Günter Verheugen. Nun also wird Köhler für dessen Nachfolger arbeiten - und bringt einen tadellosen Ruf mit. "Das ist ein Top-Mann, der die EU-Kommission in Brüssel bestens kennt", hieß es am Donnerstagabend, als sich die Personalentscheidung des künftigen deutschen Kommissars herumsprach. Köhler studierte in Tübingen, Bonn und Hamburg Mittlere und Neuere Geschichte, Orientalistik, Theologie und Völkerrecht. Der Islamwissenschaftler war von 1987 bis 1993 Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Marokko und Tunesien, arbeitete für das Bundesentwicklungshilfeministerium und ist seit 1994 im EU-Betrieb, anfangs vor allem im Nahen Osten, zuletzt in Brüssel. Köhler sei "sehr sachkundig und ruhig im Auftreten", heißt es in Brüssel. Zuletzt war spekuliert worden, ob Oettinger auf die Schlüsselposition jemanden aus seinem Stuttgarter Umfeld mitbringt. "Aber er hat sich für einen entschieden, der EU-Erfahrung hat. Das ist gut so", loben Insider in Brüssel: "Denn das hier ist eine andere Liga als die Landespolitik."

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