Das erste Mal in seiner Amtszeit in einer Sitzung eines Bezirksbeirats: Michael Föll Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Besonderer Besuch: Erstmals in seiner Amtszeit war der Stuttgarter Bürgermeister Michael Föll bei einer Bezirksbeiratssitzung. Nämlich in Stuttgart-Degerloch. Und dort gab es einiges zu besprechen. Und bei einem Projekt findet Föll auch selbstkritische Töne.

Degerloch - Es war eine Stuttgarter Premiere: Zum ersten Mal überhaupt kam mit Michael Föll ein Bürgermeister zur Sitzung eines Bezirksbeirats. Nämlich nach Degerloch. Sein Ziel: einige drängende Fragen des Bezirks im direkten Gespräch mit den Lokalpolitikern besprechen. Michael Föll wurde wohlwollend empfangen und hatte auch Handfestes zu vermelden. Aber der Reihe nach.

Wie steht es ums Bürgerzentrum?

Schon lange ist klar, dass der Bürgertreff an der Mittleren Straße den Ansprüchen an ein echtes Bürgerzentrum nicht mehr genügt. Nun zeichnet sich eine Alternative ab: Ein dreigeschossiger Neubau auf dem Grundstück des alten Wannenbads könnte als Bürgerhaus dienen, das unter anderem Volkshochschule und Musikschule beherbergt sowie die Alte Scheuer als Bürgersaal für Veranstaltungen. Durch diese Kombination könne man das gesamte Raumprogramm unterbringen, sagte Michael Föll. Um das Projekt zu realisieren, will die Stadt eine ihr unterstellte, rechtlich unselbstständige Stiftung gründen, die Erhalt und Betrieb der Alten Scheuer sicherstellt und im Bezirksrathaus angesiedelt ist. Ob diese Variante Wirklichkeit wird, hängt nun von der Zustimmung der Mitglieder des Fördervereins ab, der die Scheuer im Moment betreibt.

Was wird aus den alten Häusern?

Die Zukunft der Häuser an der Großen Falterstraße 18 und 20 ist im vergangenen Jahr emotional diskutiert worden. Für das Gebäude mit der Hausnummer 18 könne man die statische Sicherheit nicht mehr gewährleisten, es sei eine „Gefahr für Leib und Leben“, so Föll, eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar. Für den Neubau erarbeite die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft derzeit ein Konzept. Vorgesehen ist eine Kita mit drei Gruppen, dazu zwölf bis 15 Wohnungen. Auch werde geprüft, ob man eine Pflegegruppe unterbringen könne, „da besteht großer Bedarf im Stadtgebiet“. Unter der Spielfläche soll eine Tiefgarage entstehen, die möglicherweise bis unter den Agnes-Kneher-Platz ausgeweitet werden könnte. Nach Fertigstellung des Neubaus soll die Spielfläche wieder an derselben Stelle entstehen. Das Haus Nummer 20 dagegen sei in gutem Zustand und bleibe erhalten, sagte Föll, nur hier und da müsse etwas geflickt werden. Das Haus werde ausschließlich Wohnhaus bleiben.

Discounter – ja oder nein?

Die Frage nach der Zukunft des Grundstücks an der Felix-Dahn-Straße ist eine alte. Nun bewegt sich etwas. Im März sollen Bezirksbeirat und Gemeinderat zwischen zwei Varianten wählen: Die erste beinhaltet einen Discounter im Erdgeschoss, darüber ein Wohnkonzept mit teils inklusivem Wohnen. „Dafür bräuchte man zwingend eine Bebauungsplanänderung, denn man müsste nicht nur den Parkplatz bebauen, sondern auch die Spielfläche daneben“, warnte Föll, der für die zweite Variante plädierte. Dort fehlt der Discounter, sie sieht inklusive Wohnungen auf 2000 Quadratmetern vor. Eine Änderung des Bebauungsplans wäre nicht nötig, wegfallende Stellplätze könnte eine Tiefgarage unter dem Agnes-Kneher-Platz kompensieren.

Gibt es eine Lösung für die Freie Aktive Schule?

Bedauern und Selbstkritik äußerte Föll angesichts des Schicksals der Freien Aktiven Schule (FAS). Diese sei wertvoll für Stadt und Bezirk und bereichere die Pluralität der Schullandschaft. „Was wir als Verwaltung aufgeführt haben, war kein Lehrstück“, so Föll. Als Kommune trage man Verantwortung für Lehrer, Eltern und Kinder. Man könne eine Schule nicht „von Pontius zu Pilatus schicken“, sondern müsse ihr eine dauerhafte Perspektive bieten. Föll begrüßt es, das Thema im Rahmen einer Planungswerkstatt zu diskutieren, weist aber gleichzeitig auf die Beschlusslage im Umwelt- und Technikausschuss hin, die den Umzug der FAS nach Sillenbuch vorsieht. „Wenn das Hauptorgan das beschließt, muss die Verwaltung es zur Kenntnis nehmen.“

Zieht die AWS in die Tränke?

Die Ansiedlung einer Betriebsstätte der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in die Tränke ist für viele Räte eine bittere Pille, die sie nicht schlucken wollen. Doch Michael Föll machte dem Gremium klar, dass die Verwaltung keinen Rückzieher machen wird. „Die Katze ist den Baum rauf“, so Föll. Die Feuerwache in Möhringen werde gebaut, die AWS komme in die Tränke.

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