Trumps „Ausputzer“ im Kongress: Stundenlang stand Michael Cohen im US-Repräsentantenhaus Rede und Antwort. Foto: AP

Rassist, Lügner, Trickser – das sind nur einige Attribute, die Donald Trump von seinem früheren Anwalt und „Ausputzer“ Michael Cohen zugeschrieben werden. Cohens Aussage vor dem Kongress zeichnete ein krasses Bild über die Vorgänge in „Trump Tower“.

Washington - Er arbeitete mehr als ein Jahrzehnt für Donald Trump, war sein Anwalt und „Mann fürs Grobe“: Michael Cohen hat den US-Präsidenten in einer öffentlichen Anhörung schwer belastet. Bei seiner Aussage am Mittwoch (Ortszeit) vor dem Kontrollausschuss im US-Repräsentantenhaus bezeichnete Cohen seinen früheren Chef als Betrüger und Rassisten. Er warf ihm diverse Vergehen vor - zum Teil moralischer Natur, zum Teil aber auch rechtlicher Art, die Trump irgendwann womöglich in Schwierigkeiten bringen könnten. Trump nannte Cohen wiederholt einen Lügner.

Vor dem Kongress gab sich Cohen demütig und äußerte Reue - dafür, dass er für Trump gearbeitet, für ihn gelogen und der Bevölkerung lange die Wahrheit über Trump vorenthalten habe.

Einige von Cohens Aussagen sind für den Präsidenten schlicht unangenehm und hochgradig unschmeichelhaft, andere bringen ihn durchaus in Erklärungsnot. Das Wichtigste im Überblick:

Über die Kontakte zu Wikileaks

Cohen sagt, Trump sei vorab über die Veröffentlichung von E-Mails durch die Enthüllungsplattform informiert gewesen. Er habe gewusst, dass sein langjähriger Vertrauter Roger Stone mit Wikileaks-Gründer Julian Assange über die E-Mails aus dem Lager der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gesprochen habe.

Cohen sprach von einem Anruf in Trumps Büro, bei dem Stone Trump von dem geplanten E-Mail-Leak berichtet habe.

Die Aussage ist pikant, weil CNN im November berichtet hatte, Trump habe schriftlich gegenüber dem FBI-Sonderermittler Robert Mueller angegeben, dass Stone ihm nichts von Wikileaks gesagt habe. Stone, der im Januar angeklagt wurde, sagt das ebenfalls. Von den dreien muss also jemand die Unwahrheit sagen. Nur wer? Stone, dem ein richterliches Redeverbot auferlegt wurde, schrieb Reportern am Mittwoch: „Cohens Aussage ist nicht wahr.“

Über die Zahlungen an Stormy Daniels und Karen McDougal

Cohen untermauerte seine Vorwürfe, er habe im Auftrag Trumps Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels sowie an das Ex-Playmate Karen McDougal gezahlt, um im Wahlkampf Schaden von Trump abzuwenden. Beide Frauen behaupten, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben. Trump räumte nach mehreren Dementis eine Zahlung ein, bestreitet aber, etwas mit den Frauen gehabt zu haben.

Cohen beschrieb am Mittwoch mehrere Treffen mit Trump und dem Finanzchef der Trump Organization, Allen Weisselberg, um Daniels zu bezahlen.

Weisselberg habe entschieden, die Rückzahlung an Cohen solle über zwölf Monate erfolgen, um zu „verstecken, was für eine Zahlung das war“. Auf die Frage, ob Trump die Details gekannt habe, sagte Cohen: „Oh, er wusste über alles Bescheid, ja.“ Trump habe mindestens einen der Rückerstattungschecks unterschrieben.

Cohen sagt, Trump habe die Rückzahlung des Schweigegeldes an ihn persönlich angewiesen, als er bereits Präsident gewesen sei. Er beschuldigt Trump also, sich im Amt kriminell verhalten zu haben. Cohen behauptet auch, dass Trump ihn im Februar 2018 aufgefordert habe, öffentlich zu erklären, dass er selbst nichts über das Geld gewusst habe. Ob Trump damit womöglich wie Cohen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen hat, muss sich zeigen.

Über First Lady Melania Trump

Cohen sagte in seiner Aussage, er bedauere vor allem, dass Trump ihn dazu gebracht habe, First Lady Melania Trump zu belügen. Der US-Präsident habe Cohen angewiesen, seine Frau davon zu überzeugen, dass an den Berichten über die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels und Karen McDougal nichts dran sei. Das bereue er zutiefst, sagte Cohen am Mittwoch: „Melania ist ein freundlicher, guter Mensch“ und habe eine solche Behandlung nicht verdient.

Über die Verbindungen zu Putins Russland

Cohen sparte nicht mit Details, was ein einstiges Bauprojekt Trumps in Moskau angeht: der Trump-Tower, der letztlich nie gebaut wurde. Cohen selbst hat sich schuldig bekannt, den Kongress über das Projekt angelogen zu haben. Nun erklärte er, der Präsident habe ihn nicht direkt zu dieser Lüge angewiesen. Die persönlichen Anwälte des Präsidenten hätten seine Erklärung vor dem Kongress aber überprüft und geändert. Und er habe sich indirekt zu einer Falschaussage gedrängt gefühlt.

Cohen erklärte, Trump habe „auf seine Art“ mitgeteilt, er wolle, dass sein ehemaliger Anwalt den Kongress über einen Trump-Tower-Deal belüge. Der Präsident sei jedoch vorsichtig genug gewesen, ihm das nicht direkt zu sagen.

Trump habe Cohen in die Augen geschaut und gesagt: „Es gibt kein Geschäft in Russland“. Cohen selbst habe dann gelogen, um bei Trumps öffentlicher Geschichte zu bleiben. „Er stellt dir keine Fragen, er gibt dir keine Befehle“, sagte Cohen. „Er spricht in einem Code. Und ich verstehe den Code, weil ich mich seit einem Jahrzehnt in seinem Umfeld bewege.“

Cohen sagte auch, dass er zwar keine direkten Beweise dafür habe, dass Trump oder sein Wahlkampfteam 2016 Geheimabsprachen mit Russland getroffen hätten. Er habe aber den Verdacht, dass Trump von einem Treffen mit einer russischen Anwältin gewusst habe, an dem unter anderem sein ältester Sohn Donald Trump Jr. dabei gewesen sei. Sonderermittler Mueller untersucht, ob es solche Geheimabsprachen gegeben hat. Cohen kooperiert mit Mueller.

Über die Verwicklung von Trumps Kindern Donald Jr., Eric und Ivanka

Trumps Kinder sind als Schlüsselfiguren bei dem geplanten Bau eines Trump Towers in Moskau in Erscheinung getreten. Cohen sagte, Ivanka Trump und Trump Jr. seien von ihm persönlich über die Pläne auf dem Laufenden gehalten worden. Cohens Aussage könnte ein Problem für Trump Jr. werden, der dem Kongress 2017 gesagt hat, der Plan eines Trump Towers sei ihm nur „am Rande bewusst“ gewesen.

Während der Aussage am Mittwoch machte sich Trump Jr. in Echtzeit über Cohen lustig. Er sei ein ehemaliger Angestellter, dem es nur darum gehe, sich selbst zu retten. Die Aussage klinge nach einem „Schlussmachbrief“.

Er und sein Bruder Eric suggerierten, Cohen sei wütend, weil er einen Job im Weißen Haus nicht bekommen habe - eine Behauptung, die Cohen zurückweist. Eric Trump twitterte außerdem ein Video der Republikanischen Partei mit dem Titel „Viel Spaß im Gefängnis!“.

Über Trumps Vermögen und Deutsche Bank

Cohen sagte, Trump habe übertriebene Angaben zu seinem Vermögen gemacht, wenn es seinen Zielen zugute gekommen sei - etwa bei der Platzierung auf der „Forbes“-Reichenliste. Auf der anderen Seite habe Trump sein Vermögen kleingerechnet, um Steuern zu sparen.

Cohen legte dem Kongress nach eigenen Angaben mehrere Dokumente vor, um seine Vorwürfe zu belegen. Dazu gehören demnach auch Kopien von Trumps Vermögensbilanzen von 2011 bis 2013, die dieser unter anderem an die Deutsche Bank weitergereicht habe. Ob Trump hierdurch Probleme bekommen könnte, hängt sehr von Details ab.

Über seine „Ausputzer“-Jobs für die Trumps

Cohen beschrieb ausführlich seine Arbeit für Trump in den vergangenen Jahren. Zu seinen Aufgaben habe früher etwa gehört, auf Anweisung Trumps Geschäftsleute anzurufen, um ihnen zu sagen, dass Trump sie für ihre Leistungen nicht oder nicht wie vereinbart bezahlen werde. Auch habe er auf Anweisung seines Ex-Chefs dessen ehemaligen Schulen und Universitäten mit Klagen gedroht, für den Fall, dass sie Trumps frühere Noten veröffentlichen sollten.

Eine andere Anekdote: Trump habe ihn angewiesen, einen Strohmann zu finden, der bei einer Versteigerung für ein Porträtbild Trumps bieten würde. Diese Geschichten werfen zwar ein schlechtes Bild auf Trump, bringen ihn in seiner jetzigen Rolle aber nicht wirklich in Schwierigkeiten.

Über Trumps Charakter

Cohen verwendete viel Zeit darauf, den Menschen Donald Trump zu beschreiben. Er zeichnete das Bild eines Mannes, der keine Moral habe, als unaufrichtigen Egoisten, dem es nicht um das Wohl des Landes, sondern um eigene Bereicherung gehe, als jemanden, der auf Schwarze herabschaue. „Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Und er ist ein Betrüger“, sagte Cohen. Diese Beschreibungen sind für Trump wenig schmeichelhaft, aber weniger bedrohlich. „Charakterstudien“ dieser Art gab es schon einige.

Über die Republikanische Partei

An die Adresse der Republikaner im House of Representatives, die in ihren Beiträgen versuchten, Cohens Glaubwürdigkeit anzuzweifeln, fand Trumps ehemaliger „Mann fürs Grobe“ klare Worte: „Ich bin verantwortlich für eure Dummheit, weil ich das gleiche, was ihr tut, zehn Jahre lang gemacht habe“, sagte Cohen und warnte: Wer Trump „blind“ unterstütze, dem drohten die „gleichen Konsequenzen, unter denen ich leide“. Er sei über Jahre an der „täglichen Zerstörung des Anstands“ beteiligt gewesen, als er für Trump gearbeitet habe.

Was sagt die Gegenseite?

Im vergangenen Jahr hatte sich Cohen vor Gericht wegen mehrerer Vergehen schuldig bekannt: unter anderem wegen einer Falschaussage vor dem Kongress und wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung - durch Schweigegeldzahlungen im Auftrag von Trump. Im Dezember war er wegen dieser Delikte zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten.

Kritiker werten Cohens Auftritt deshalb als Versuch, sich reinzuwaschen und von seinen eigenen Fehltritten abzulenken. Die Republikaner in dem Ausschuss hielten Cohen seine Verfehlungen vor und mühten sich, ihn als unglaubwürdigen Zeugen abzutun. Auch Trump griff Cohen am Mittwoch vorab aus der Ferne an: „Er lügt, um seine Gefängniszeit zu verringern“, schrieb Trump auf Twitter. Der Präsident ist derzeit in Vietnam für ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Der demokratische Ausschussvorsitzende Elijah Cummings kündigte an, das Gremium werde den Vorwürfen weiter nachgehen. „Das ist nicht das Ende eines Prozesses, sondern der Anfang“, sagte er nach der Sitzung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: