Ludwigsburgs Basketballer beenden eine durchwachsene Saison ohne Play-off-Teilnahme und stehen vor einem Neuanfang mit Mikko Riipinen.
Zum Abschluss noch ein Mosaiksteinchen, das in der nun definitiv zu Ende gegangenen Saison etwas untergegangen ist: Die MHP Riesen Ludwigsburg waren der einzige Bundesligist, der in einem der vier europäischen Basketball-Wettbewerbe ins Viertelfinale einzog, wenn auch im drittklassigen Europe Cup. Das hat sonst keine der anderen neun gestarteten Clubs geschafft, auch nicht Krösus FC Bayern München in der Königsklasse Euroleague.
Womit sich der Kreis zum bitteren Saisonfinale am Sonntag schließt. Denn beim amtierenden Meister kassierten die Riesen eine unglückliche 72:73-Niederlage in den letzten Sekunden, womit sie kurzerhand noch von Platz acht auf elf durchgereicht wurden – und damit die Play-ins mit der Chance auf die Play-offs im Nachrückverfahren verpasste. „Das ist jetzt aber kein Debakel“, betont der Vorsitzende Alexander Reil, „zumal die Play-ins mit unserem Kader nicht mehr durchzuhalten gewesen wären.“
Diese letzte Spiel stand irgendwie stellvertretend für eine Saison wie in der Achterbahn, die sich hinter einer Fahrt im rasanten Silver Star im Europa-Park Rust nicht verstecken brauchte. Und die eng verbunden war mit dem Traineridol John Patrick, dessen Rückholaktion sich als Fehler erwies. Unter Interimscoach Lars Masell, der schon während der Runde viermal für den erkrankten Cheftrainer eingesprungen war, jedenfalls zeigte die Mannschaft vielleicht ihren wahren Charakter, verlor von 13 Partien lediglich vier und konnte sich somit zumindest erhobenen Hauptes am Montagabend von den Fans verabschieden. „Die letzten Wochen waren versöhnlich“, sagt auch Reil.
Dass Masell – als Co-Trainer – nun wieder ins zweite Glied rückt, könnte für seinen Nachfolger Mikko Riipinen nicht ganz irrelevant werden. Der Schwede dürfte im Zweifel an der Erfolgsbilanz seines Vorgängers gemessen werden, der zudem mit einem Rumpfteam von nur noch vier statt sechs Ausländern durchhalten musste.
Doch der Umbruch weg vom langjährigen Patrick-Faktor birgt zweifelsohne auch Chancen auf einen neuen Basketballstil in Ludwigsburg, basierend auf der bisherigen Defensiv-DNA, aber ergänzt durch neue Akzente in der Offensive, an der es in dieser Saison doch mächtig mangelte. Riipinen betont: „Ich bin nicht hier, um den Club vollkommen zu verändern, sondern um auf sehr gute Dinge aufzubauen, Dinge anzupassen, den Standort zu entwickeln.“ Zur Erinnerung: Die Riesen stellten die beste Defensive mit den wenigsten Ballverlusten, aber auch die schwächte Offensive, sowohl was Distanz- als auch Freiwürfe anging.
Die Basis um Kapitän Yorman Polas Bartolo steh
Das Verpassen des achten Platzes hat letztendlich auch ganz pragmatische Nachteile. Zum einen müssen die Riesen zum Auftakt der nächsten Saison (Mitte September) im nationalen Pokal zunächst einmal in der ersten Runde antreten, zum anderen schmälert es auch die Chance auf die Teilnahme am Europe Cup. Inwiefern das wiederum potenzielle ausländische Spieler von einem Engagement in Ludwigsburg abhält, wird sich zeigen. Zumindest auf den deutschen Positionen hat der Verein eine Basis: Mit Kapitän Yorman Polas Bartolo, Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, dem lange verkannten Brandon Tischler sowie den Eigengewächsen Julis Baumer, Lenny Anigbata und Simon Feneberg.
Nicht zu vergessen Lars Masell (Reil: „Ich gehe davon aus, dass er bleibt“), den loyalen Assistenten, der nach seinem vorerst letzten Auftritt als Chef in München das Fazit zog: „Wir hatten viele Verletzungssorgen, aber wir sind sehr stolz auf die Spieler – das soll mein Schlusswort sein.“