Leere Plätze sind in der Champions League keine Seltenheit. Foto: Baumann

Die Basketballer der MHP Riesen Ludwigsburg starten in die Heimspiele der Champions League: An diesem Mittwoch (20 Uhr) kommt Italiens Spitzenclub Avellino in die MHP-Arena – und wie viele Zuschauer?

Ludwigsburg - Zahlen lügen nicht. Und die könnten bei den MHP Riesen Ludwigsburg besser sein – was die Zuschauer angeht. Im Allgemeinen und im Besonderen in der Champions League. In diesem international zweitklassigen Wettbewerb zählt der Basketball-Bundeslist quasi zu den Gründungsmitgliedern und ist in diesem Jahr bereits zum dritten Mal dabei.

Los geht es zu Hause am Mittwoch (20 Uhr) gegen den italienischen Spitzenclub Sidigas Avellino – die Begeisterung dürfte sich auch dieses Mal in Grenzen halten. Über die Gründe kann man grübeln: Übersättigung, Wochentagsspiele, vergleichsweise wenig namhafte Gegner und, und, und. Vergangene Saison betrug der Schnitt in den zwölf Heimspielen gerade einmal 2000 Zuschauer, der Spitzenwert waren die 2833 Besucher zum Start gegen Paok Saloniki – und das, obwohl die Mannschaft bis ins Final Four im Hexenkessel von Athen gelang. Immerhin blieben unter dem Strich 300 000 Euro ­Gewinn – das kann sich sehen lassen.

Einbruch auch in der Liga

In Griechenland ist die Begeisterung für Basketball zwar größer, dennoch muss sich die Bundesliga international nicht ver­stecken. Der Schnitt hat sich so bei um die 4500 Zuschauern eingependelt, aber auch national hatten die Ludwigsburger mit mehr als 15 Prozent letzte Saison den ­größten Einbruch aller 18 Vereine zu be­klagen.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen das Thema verstärkt auf der Agenda haben. Auch der neue Marketingchef Markus Buchmann, der im Fußball schon bei den Stuttgarter Kickers und dem 1. FC Heidenheim tätig war und zum Einstieg seiner Tätigkeit gleich das Final Four in Athen erleben durfte – vor 18 000 Zuschauern.

Für solche Zahlen fehlt den Riesen die Halle, aber auch das entsprechende Fan-Potenzial. Das soll sich ändern. „Wir versuchen, im Umkreis von 30 Kilometern uns noch besser aufzustellen“, sagt Buchmann, zum Beispiel in Richtung Heilbronn im Norden, aber vor allem mit Blick nach Stuttgart – dessen Hauptbahnhof nur fünf S-Bahn-Stationen von der MHP-Arena entfernt liegt. Das Problem: Die Fans müssen erst einmal in die Halle kommen, um dann im besten Fall vom Basketballfieber infiziert zu werden. Deshalb werden in Stuttgart verstärkt Plakataktionen gefahren, gibt es in der Restaurantkette Mauritius einen neuen Werbepartner und noch andere Aktivitäten.

Zu denen gehören generell auch die Partnerschaften mit den verschiedenen Werbekunden wie Hauptsponsor MHP, die ihren Mitarbeitern regelmäßig Karten zur Verfügung stellen. „Das wird bei uns sehr gut angenommen“, sagt Ingo Guttenson, der Marketingchef bei MHP. Nicht nur zu Hause, sondern auch in den Standorten mit Niederlassungen wie Berlin oder letzte Saison sogar in der Champions League im rumänischen Cluj.

Fans kämpfen um Stehplätze

Der Etat der Riesen von derzeit etwa fünf Millionen Euro setzt sich schließlich zu rund zwei Dritteln aus Sponsoreneinnahmen zusammen. Insgesamt hat der Verein 120 Partner in allen Kategorien, was die Bedeutung auf diesem Sektor zeigt. Dennoch gilt das Augenmerk auch den Fans. Die machten sich in der Vergangenheit immer wieder für die komplette Stehplatztribüne („Gelbe Wand“) auf einer Kopfseite stark, obwohl die oft nur zur Hälfte gefüllt war und die Verantwortlichen deshalb entschieden haben, mehr Sitzplätze einzubauen, was finanziell am Ende lukrativer ist.

Für diese Saison wurde ein Kompromiss gefunden, je nach Gegner gibt es mehr oder weniger Stehplätze, was die Kapazität auf 4200 verringert. So oder so: Gegen Avellino gibt es noch genug Karten in allen Kategorien, letzte Saison gab es bei speziellen ­Aktionen auch schon mal Tickets für zehn Euro. Wobei die Preise in der Basketball-Bundesliga normalerweise kein Schnäppchen sind (die regulären Sitzplatzkarten beginnen bei 21 Euro), auch das muss man bei der Zuschauerdiskussion festhalten.

Hinzu kommen die bisher durchwachsenen Auftritte der Riesen auf dem Parkett. Zuletzt setzte es drei Niederlagen in Pokal, Champions League und Liga, wobei das 91:93 am Montagabend bei Vorjahresmeister Brose Bamberg durchaus Werbung in eigener Sache war. Falls es noch eines weiteren Bonbons bedarf – den liefern die Italiener frei Haus: mit ihrem Starspieler Norris Cole – der wurde mit den Miami Heat zweimal NBA-Champion. ­Diese Zahl kann sich sehen lassen.

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