Felix Sturm (links) und Herausforderer Sükrü Altay begegnen sich mit Respekt. Foto: Baumann

Der Boxer Felix Sturm kehrt in den Ring zurück – am 2. Dezember findet der Kampf. In der Ludwigsburger MHP Arena wird der ehemalige Weltmeister auch Talenten eine Plattform bieten.

Das Boxen, heißt es, ist wie das Leben. Schlag auf Schlag, mancher gezielt, mancher zu tief, mancher verzweifelt. Und manchmal ist es nur ein Kampf, der einen Boxer unvergessen macht. Vor 19 Jahren stand Weltmeister Felix Sturm in Las Vegas im Ring gegen den „ Golden Boy“ Oscar de la Hoya, den damals populärsten Boxer außerhalb des Schwergewichts. Sturm düpierte den hohen Favoriten über die 12 Runden und riss nach dem Gong die Arme hoch. Das Votum der drei Punktrichter erging dennoch für den US-amerikanischen Star, der bereits für einen zig Millionen schweren Megafight gebucht war.

 

Der Kampf gegen Oscar de la Hoya ist immer noch in Erinnerung

Der damals 25-jährige Felix Sturm hat den Kampf also verloren und daraus gelernt, dass nicht immer der Beste gewinnt. Er hing danach aber nicht in den Seilen und wurde noch viermal Weltmeister im Mittelgewicht, galt eine zeitlang als bester Techniker in seiner Gewichtsklasse.

„Bis heute erinnern sich alle an den Kampf gegen de la Hoya, in dem er unheimlich viel Respekt gewonnen hat“, sagt Salih Yildrim in Ludwigsburg. Der 45-Jährige ist seit einigen Wochen der Trainer von Felix Sturm und bereitet ihn auf das Duell am 2. Dezember gegen Sükrü Altay in der MHP Arena Ludwigsburg vor. Den ersten Kampf hat Sturm im Februar in Stuttgart ziemlich glanzlos gegen den 39-jährigen Allgäuer gewonnen. Damals litt er allerdings noch an den Folgen einer Bronchitis. Diesmal geht er Stand jetzt fit in den Fight. „Es wird ein ganz anderer Kampf werden“, sagt Sturm auch an die Adresse von Altay, der verbal zurückfeuert. „Ich werde es ihm schwer machen. Ich bin ein Junge von der Straße“, sagt Altay. Es ist das übliche Geplänkel vor einem Boxkampf, aber dennoch begegnen sich die beiden Kontrahenten mit Respekt.

Wie alt ist Felix Sturm?

Mittlerweile ist Sturm 44 Jahre alt. Für ihn ist es nicht ungewöhnlich in diesem Alter nochmals in den Ring zu steigen. „Da hat sich bei den Athleten viel verändert, das sieht man auch bei den Fußballern, die teilweise mit 40 noch kicken“, sagt Sturm. Er habe noch immer Motivation genug, sich zu quälen. Sein Coach Yildrim achtet in der Vorbereitung aber vor allem auf die Belastungssteuerung. Doch was zeichnet für ihn den Boxer Sturm aus? „Er ist ein besonderer Athlet, sehr akribisch, sehr fleißig mit einem enormen Siegeswillen“, sagt Yildrim.

Es gibt aber auch diesen dunklen Fleck in der Vita des Boxers, der ein verurteilter Steuerhinterzieher und Doping-Betrüger ist. Wie aus dem Weltmeister ein Verurteilter werden konnte, das könnte allein Sturm erzählen; er hat aber beschlossen zu schweigen. Sturm blickt nach vorne, sorgt sich um den Nachwuchs in einem Sport, der sich in Deutschland nach einem jahrelangen Hype in der Bedeutungslosigkeit wiederfindet. Es fehlt an Strukturen und Fernsehpräsenz, und ohne TV-Gelder tun sich die Boxställe schwer. Sturm will dem Boxen „neues Leben einhauchen.“ Vor seinem Duell werden deshalb elf Vorkämpfe stattfinden. Den Talenten soll eine „attraktive Plattform“ geboten werden. „Ihre Visitenkarte aber müssen sie selbst abgeben.“ Sturm misst nicht nur seinem Kampf, der vom Streamingdienst DAZN übertragen wird, eine große Bedeutung bei. Der 2. Dezember könnte „für die Zukunft entscheidend werden, wie es mit dem deutschen Boxsport weitergeht“, sagt Sturm.