Seit dem Jahr 2011 läuft der New Beetle von Volkswagen in Puebla vom Band. Foto: dpa

Das mittelamerikanische Land steht auf der Rangliste der weltweit größten Fahrzeughersteller auf Platz sechs. Wohl alle wichtigen Autobauer haben in dem Land, das im Süden an die USA grenzt, investiert. Nicht zuletzt die USA selbst profitieren davon.

Mexiko-Stadt - Angesichts der Drohungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump bleibt die mexikanische Autoindustrie zumindest äußerlich gelassen. Weder der Branchenverband AMIA (Asociación Mexicana de la Industria Automotriz), noch die vielen internationalen Hersteller im Land sehen vorerst Grund zur Panik. Er wisse von noch keiner abgesagten oder gestoppten Investition in den Sektor, sagte kürzlich AMIA-Präsident Eduardo Solís. Auch die vielen internationalen Hersteller im Land warten erst einmal ab und halten sich mit Kommentaren zu den Ankündigungen Trumps zurück. „Unsere geplanten Projekte führen wir wie geplant durch“, sagt zum Beispiel Thomas Karig vom Vorstand bei Volkswagen de México. Zu den möglichen Auswirkungen der Politik der neuen US-Regierung will sich Karig aber nicht äußern.

Volkswagen baut bereits seit rund einem halben Jahrhundert in Mexiko; eines der größten Einzelwerke innerhalb des Konzerns steht in der Stadt Puebla. Dort wo früher der legendäre Käfer vom Band lief, werden heute der Beetle II, der Golf Variant und der Jetta für den Weltmarkt zusammengesetzt. Ab 2017 soll zudem das neue Tiguan-Modell in der mexikanischen Stadt gefertigt werden. Wie wichtig aber der US-Markt für das mexikanische Werk der Wolfsburger ist, belegt diese Zahl: Die Hälfte der in Mexiko gebauten Autos gehen in die USA. Auf den gesamten Sektor bezogen, ist die Zahl noch größer: 77 Prozent der Fahrzeugexporte gehen laut AMIA aus Mexiko in die USA.Die Nähe zu den Vereinigten Staaten und die Vorteile des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta vor allem sind es, die fast alle weltweit großen Hersteller nach Mexiko gezogen haben. Die VW-Tochter Audi hat im Herbst 2016 ihr erstes Werk in Mexiko eröffnet und will von dort vor allem den Geländewagen Q5 in die USA exportieren. BMW baut gegenwärtig im Zentrum des Landes in San Luís Potosí. Die Münchner werden wohl 2019 die Produktion starten. Auch Daimler baut gemeinsam mit Nissan ein Werk, Eröffnung vermutlich 2017. Investitionsvolumen: rund eine Milliarde Dollar pro Hersteller. Volkswagen hat in den fünf Jahrzehnten seiner Präsenz in Mexiko rund zehn Milliarden Dollar in seine Produktionsstätten im Land gesteckt.

Audi, BMW, Daimler – die großen Hersteller sind in Mexiko

Die globalen Autohersteller drängen massiv nach Mexiko, weil ihnen eine Fertigung hier gleich einen ganzen Strauß an Vorteilen bringt: Die Nähe zu den USA, dem wichtigsten Automarkt der Welt, Freihandelsverträge mit 46 Staaten und damit zollbegünstigter Export in die halbe Welt, eine gut 50 Jahre alte Tradition in der Fertigung im Automobilsektor und vor allem Löhne, die im internationalen Vergleich sehr niedrig sind. Nach Daten des mexikanischen Wirtschaftsministeriums verdient ein Autowerker in Mexiko durchschnittlich knapp vier Dollar die Stunde (3,57 Euro), während der Lohn in Brasilien bei 11,4 Dollar und in Ungarn beispielsweise bei neun Dollar liegt. In den USA liegt er im Schnitt sogar um die 50 Dollar. Dementsprechend stehen in Mexiko Qualität und Kosten in einem ausgesprochen guten Verhältnis für die Hersteller, zumal das Land über viel Know-how und gut ausgebildete Facharbeiter verfügt. Eine Verlagerung von Produktion und Arbeitsplätzen von Mexiko in die Vereinigten Staaten, so wie Trump propagiert, klingt wesentlich einfacher, als es in der Realität ist. Zwischen beiden Ländern hat sich eine komplexe Arbeitsteilung etabliert. Die Nafta-Regeln schreiben für den Automobilsektor 62,5 Prozent regionale Wertschöpfung vor. Das können Komponenten sein, aber auch die eigene Wertschöpfung in den Montagefabriken. Die Mexikaner könnten gar nicht ohne die USA fertigen – und umgekehrt. 77 Prozent seiner Autoteile exportieren die US-Hersteller nach Mexiko und Kanada.

Die USA und Mexiko teilen sich die Arbeit

Ein Auto, das in Mexiko gefertigt wird, kann zu großen Teilen aus in den USA gefertigten Komponenten bestehen. Ein in Mexiko gebautes Fahrzeug ist also in Wahrheit ein Fahrzeug, das zu einem hohen Anteil ein US-Auto ist. Die Kritik von Donald Trump verkennt die Umstände der Automobilproduktion in Nordamerika. Diese Produktionsketten zu zerschlagen, wäre auch für die US-Autoindustrie, die ohne mexikanische Löhne nicht so preiswert produzieren könnte, von großem Nachteil. Fahrzeuge „only made in USA“ würden deutlich teurer.

Vor der Trump-Wahl galt Mexiko als der aufstrebende Staat in der Automobilproduktion. 2015 liefen nach Angaben des internationalen Automobilherstellerverbands OICA in dem Land 3,5 Millionen Fahrzeuge vom Band (5,9 Prozent mehr als 2014). Damit steht das mittelamerikanische Land auf der Rangliste der weltweit bedeutendsten Autohersteller auf Rang sechs. Laut AMIA könnte 2020 die Fünf-Millionen-Marke erreicht werden. Selbst Deutschland scheint mit seinen knapp sechs Millionen Fahrzeugen pro Jahr in Reichweite. Lediglich die USA, Japan und China spielen in einer anderen Liga.

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