Der Bürgerausschuss-Vorsitzende Gerd Küpper sieht keine dramatischen Probleme in Mettingen, Brühl und Weil. Trotzdem gibt es in Bereichen wie Wohnungsbau, Integration und Inklusion Handlungsbedarf für den neuen OB.
Esslingen - Es gab eine Zeit, da fühlten sich viele Menschen im Esslinger Stadtteil-Trio Mettingen, Brühl und Weil ein bisschen abgehängt von der Entwicklung der übrigen Stadt. Doch das ist lang vorbei. Mit der Ortskernsanierung rund um die Liebfrauenkirche, dem Bau des Hermann-Sohn-Platzes, der zum Kristallisationspunkt wurde, dem neuen Jugendhaus oder dem Steg von Mettingen zum Brühl hat die Stadt in den vergangenen Jahren einiges getan. Und mit dem neuen Wohnquartier auf dem alten Sportplatz-Gelände und dem neuen Sport- und Bürgerpark Weil hat sich erst in jüngerer Zeit noch einmal viel bewegt. Muss sich der neue Esslinger OB Matthias Klopfer also keine Gedanken mehr über Mettingen, Brühl und Weil machen? Ganz so einfach mag es ihm der Bürgerausschuss-Vorsitzende Gerd Küpper nicht machen: „Ich sehe momentan zwar keine dramatischen Probleme, aber es gibt vieles, was uns überall in Esslingen beschäftigt.“ Dabei denkt er an Themen wie Wohnraumversorgung, Inklusion und Integration. „Das ist nichts Neues, aber der Handlungsbedarf ist offensichtlich.
Auf die Bürger hören
Gerd Küpper wünscht sich einen Oberbürgermeister, der aufmerksam hinschaut und genau hinhört, wo in den Stadtteilen der Schuh drückt. Einen OB, der nah bei den Menschen ist, ihren Anliegen Gehör schenkt und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Lösungen sucht. Und er hofft auf Wertschätzung für die Bürgerausschüsse, deren Kompetenz und ihre genaue Kenntnis der Situation vor Ort: „Es ist gut, dass wir informiert und gehört werden, aber es ist auch wichtig, dass unser Wort bei kommunalpolitischen Entscheidungen Gewicht hat. Wenn die Stadt uns zwar anhört, am Ende aber doch macht, was sie schon immer vorhatte, ist das nicht sonderlich motivierend, sich ehrenamtlich zu engagieren.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Brückenschläge zwischen Tradition und Moderne
Die Wohnraumversorgung ist nicht nur in Gerd Küppers Stadtteil ein heißes Thema. „Das ist alles andere als neu“, unterstreicht der Vorsitzende des Bürgerausschusses für Mettingen, Brühl und Weil. „Aber ich hätte mir in der Vergangenheit schon gewünscht, dass die Stadt ein bisschen aktiver bei der Suche nach Lösungen gewesen wäre. Man darf nicht nur auf Investoren setzen, sondern muss als Kommune auch selbst etwas tun, um dem Problem zu begegnen.“ Gerd Küpper ist sich wohl bewusst, dass Baugrundstücke in einer Stadt wie Esslingen rar sind – nicht zuletzt in seinem Stadtteil. Allerdings fällt ihm so manche Fläche ein, auf der noch etwas machbar wäre: „Wenn man sich mit den Eigentümern unterhält, lässt sich vielleicht doch etwas machen.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Ein kleines Paradies am Neckarbogen
Küpper denkt bei der Wohnraumversorgung zunächst an bezahlbare Wohnungen, aber nicht nur: „Wir müssen auch an die Fachkräfte denken, die hier arbeiten und möglichst nah bei ihrem Arbeitsplatz wohnen möchten. Bei den Besserverdienenden geht es manchmal weniger um die Höhe der Miete, sondern eher darum, überhaupt etwas Geeignetes zu finden.“ Etwas Entspannung verspricht das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Sportgelände in Weil, wo rund 600 Menschen einziehen werden – Bewegungsmöglichkeiten werden sie im neuen Sport- und Bürgerpark Weil finden. Doch damit wird es nicht getan sein: Auch wenn die Stadt in den Mettinger Wiesen einen attraktiven Spiel-, Aktions- und Bewegungsraum geschaffen hat, ist bei den Spielmöglichkeiten in Mettingen, Brühl und Weil noch Luft nach oben.
Große Aufgaben
Ein weiteres großes Thema, das Gerd Küpper dem neuen OB ins Pflichtenheft schreibt, ist die Integration: „Da haben wir in unserem Stadtteil langjährige Erfahrung. Nach dem Krieg kamen Heimatvertriebene zu uns, später wurden Mettingen, Brühl und Weil für Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft zu einer neuen Heimat. Das Zusammenleben funktioniert sehr gut, aber dafür muss man etwas tun. Da wird ganz Esslingen auch in den kommenden Jahren sehr gefordert sein.“ Und noch etwas liegt dem Bürgerausschuss-Vorsitzenden sehr am Herzen: „Inklusion ist ein Thema, das nie abgeschlossen sein wird. So, wie sich unsere Gesellschaft kontinuierlich wandelt, müssen auch wir dieses Thema kontinuierlich im Auge behalten und uns auf veränderte Anforderungen einstellen. Das muss ein Anliegen bis hinauf in die Verwaltungsspitze sein“, sagt Gerd Küpper, der die leise Hoffnung hegt, dass mit dem neuen OB auch die Pläne für eine behindertengerechte öffentliche Toilette in der östlichen Altstadt wieder aus der Schublade geholt werden.
So gibt es noch manches Anliegen, das die Menschen im Stadtteil bewegt – etwa das Fehlen eines wohnortnahen Pflegeheims oder der Wunsch nach mehr kulturellen Möglichkeiten vor Ort. Deshalb hofft Gerd Küpper, den neuen Oberbürgermeister nach dessen Amtsantritt rasch zu treffen, um seine Erwartungen bei Matthias Klopfer hinterlegen zu können.
Der Stadtteil im Kurzporträt
Mettingen
Im Esslinger Westen liegt unterhalb der Weinberge Mettingen, das 1229 erstmals erwähnt wurde. Mit der Ansiedelung der Maschinenfabrik hielt die Industrialisierung 1912 Einzug. 1965 übernahm Daimler-Benz die Maschinenfabrik. Eine gute Anbindung an den Nahverkehr, eine breit aufgestellte Infrastruktur und die Nähe zu den Weinbergen, die zu Spaziergängen im Grünen einladen, machen Mettingen zu einer interessanten Wohnlage.
Weil Unterhalb des Weiler Bergs liegt Weil, wo 1230 ein Dominikanerinnen-Kloster gegründet worden war. Später wurde daraus eine Staatsdomäne mit einem königlichen Privatgestüt, zu dem auch eine Rennbahn kam, auf der internationale Pferderennen ausgetragen wurden. Heute prägen eine Wohnsiedlung, die Lukaskirche, die Kleingartenanlage „Domäne Weil“ und das Neckar Center das Bild.
Brühl
Zwischen Neckar und Weil liegt der kleinste der drei Teile des Bürgerausschussbezirks: der Brühl. Dort entstand 1856 die Württembergische Baumwollspinnerei. Heute prägt Mercedes-Benz das Bild. Die einstige Arbeitersiedlung wurde später ergänzt durch größere Wohnblocks.