Metoo-Debatte um Dieter Wedel Schauspielerinnen äußern sich zu Vorwürfen

Von (cam/spot) 

Sonja Kirchberger und Dieter Wedel im Jahr 2013 beim Semperopernball in Dresden Quelle: Unbekannt
Sonja Kirchberger und Dieter Wedel im Jahr 2013 beim Semperopernball in Dresden Quelle: Unbekannt

Die Schauspielerinnen Sonja Kirchberger und Jutta Speidel haben sich in die Diskussion um die Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel eingeschaltet.

Mit den schweren Vorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel (75, "Der große Bellheim") hat die Metoo-Debatte das Showbiz in Deutschland erreicht. Der 75-Jährige selbst weist die Anschuldigungen mehrerer Frauen entschieden zurück. Er versicherte in einer umfassenden eidesstattlichen Erklärung, dass die Vorwürfe "unzutreffend" und "nicht gerechtfertigt" seien. Er habe "zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan", heißt es in der Pressemitteilung von Rechtsanwalt Michael Philippi.

Die Österreicherin Sonja Kirchberger (53, "Die Venusfalle") und die deutsche Schauspielerin Jutta Speidel (63, "Um Himmels Willen") haben nun Stellung bezogen - zu Wedel und der Metoo-Debatte. Kirchberger stand zum ersten Mal in den 1990er Jahren für Wedel vor der Kamera - bei "Der König von St. Pauli". Speidel drehte mit ihm in den 1980er Jahren "Der Mann, der keine Autos mochte".

Sonja Kirchberger startete mit "Die Venusfalle" ihre Karriere

 

 

"Nein danke! Lesen kann ich schon"

 

"Es gab sehr viele Gerüchte über Affären, aber ich habe nie etwas über sexuelle Übergriffe gehört oder derartiges gesehen. Ich weiß allerdings nicht, was hinter verschlossenen Türen passiert ist", erklärt die heute 53-jährige Kirchberger der "Bild"-Zeitung. Der Regisseur habe sie einmal "zum Vorlesen allein ins Hotel" eingeladen - damals beim Casting zu "Der König von St. Pauli". Ein unkonventionelles Verhalten, da dies für gewöhnlich mit allen Schauspielern passiere. "Es war ein holpriger Versuch. Ich habe dann gesagt: 'Nein danke! Lesen kann ich schon.' Damit war das Thema vom Tisch", stellt Kirchberger klar.

Der TV-Star bezeichnet Wedel als "einer meiner Lieblingsregisseure". Räumte aber auch ein, er könne bei Dreharbeiten "ein ungeduldiger Tyrann sein, der sich auch mal im Ton vergreift". Weiter beschreibt sie den heute 75-Jährigen als "Frauenliebhaber" - dem das weibliche Geschlecht ebenso wenig abgeneigt war. Am Set hätten sich Frauen "bisweilen äußerst aggressiv an ihn rangemacht", erinnert sich Kirchberger. "Die standen Schlange - und es waren viele namhafte Schauspielerinnen dabei", Namen nennt sie aber keine.

 

"Mit mir jedoch nicht"

 

Jutta Speidel wiederum erklärt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Ausgabe 5. bis 7. Januar 2018): "Ich finde, 'Me Too' ist ein schwieriges Thema". Weder Vergewaltigung noch Belästigung sei zu entschuldigen, so Speidel. "Es muss einem als Frau doch schon auch klar sein, dass es falsch ist, eine Rolle über das Bett zu bekommen. Und Racheakte 20 Jahre später, wie jetzt bei Dieter Wedel, finde ich auch grenzwertig." Warum warten also die vermeintlichen Opfer so lange? "Scham spielt oft eine große Rolle und die Angst, nicht ernst genommen zu werden", lautet Speidels Erklärungsversuch.

"Ich habe ein Jahr lang mit ihm gedreht und habe da mitbekommen, dass es solche Situationen gegeben hat. Mit mir jedoch nicht", erinnert sich die 63-Jährige an ihre Zusammenarbeit mit Wedel. Die Schauspielerin räumt zudem ein, dass das Film- und Fernsehgeschäft in den 1970er Jahren durchaus anders gewesen sei. "Es war so frei im Denken. Keiner hat gleich die Rezension angesetzt, wen man was gesagt hat, wie heute. Heute denkst du ja gleich, wenn du was sagst: Wer haut mir jetzt in irgendwelchen Foren eine rein", so Speidel.

 

Eine "mediale Hinrichtung"?

 

Die bekannte deutsche Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen (72) äußert Kritik an den Frauen, die sich im Falle Wedels erst jetzt zu Wort gemeldet haben. "Mediale Hinrichtung per #MeToo - Schluss damit", lautet der Titel ihres Stücks für die "Welt". Diese Frauen hätten nun "die größtmögliche öffentliche Resonanz" erreicht und "eine Überprüfung der Richtigkeit ihrer Angaben" sei praktisch unmöglich. Es stünde Aussage gegen Aussage. "Wenn es ein Opfer nicht schafft, binnen immerhin 20 Jahren solche Vorwürfe amtlich geltend zu machen, muss und darf irgendwann Schluss sein", so Friedrichsens Plädoyer.

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