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Chaos durch Vulkan - Chaos beim Wetter? Wir geben die wichtigsten Fragen und Antworten.  

Stuttgart - Chaos im Luftverkehr, aber gibt es auch Chaos am Himmel? Viele Leser fragen sich, wie gefährlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island für das Klima oder das Wetter ist. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

b>Hat der Vulkanausbruch Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland?

Hat der Vulkanausbruch Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland?

"So gut wie gar keine", sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Die Wolke sei nach Beobachtungen der Meteorologen bereits am Zerfasern. "Der Sommer ist nicht in Gefahr", sagt der DWD-Experte. Für das Wochenende wird übrigens überwiegend sonniges und warmes Wetter erwartet.

Kann die Aschewolke beobachtet werden?

Kann die Aschewolke beobachtet werden?

Nein. Aber die Asche aus Island könnte den Deutschen romantische Sonnenuntergänge bescheren. Ist der Himmel wolkenfrei, seien die Partikel als leichte Trübung zu erkennen, heißt es beim DWD. Zudem sei es möglich, dass Staubteilchen die Sonne abends tiefrot einfärben, so dass unser Fixstern besonders eindrucksvoll versinke.

Verändert der Vulkanausbruch das Klima?

Verändert der Vulkanausbruch das Klima?

Nach jetzigem Stand nicht, sagt Claudia Timmreck, Leiterin des Projekts "Supervulkane" am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Ein Effekt hängt nach ihrer Aussage vor allem davon ab, wieviel Schwefel in die Stratosphäre (die obere Schicht der Atmosphäre) gelangt. Die bisher emittierte Menge sei zu gering.

Können Vulkanausbrüche überhaupt das Klima beeinflussen?

Können Vulkanausbrüche überhaupt das Klima beeinflussen?

Eindeutig. Dafür gibt es historische Beispiele. Der Pinatubo auf den Philippinen schleuderte 1991 gewaltige Mengen Asche und Gas in den Himmel, in der Folge kühlte sich die mittlere Erdtemperatur um 0,5 Grad ab. Die Situation in Island könnte sich ebenfalls noch verschärfen, wenn weitere Ausbrüche folgen oder der Eyjafjallajökull über mehrere Wochen Asche in die Atmosphäre pumpe. In den Jahren 1783/1784 gab es eine Eruption des Laki-Vulkans auf Island, der mehrere Monate anhielt und viel Schwefel in die Atmosphäre transportierte.

Wann war Deutschland zuletzt stärker von einem Vulkanausbruch betroffen?

Wann war Deutschland zuletzt stärker von einem Vulkanausbruch betroffen?

Im Jahr 1816. Damals fiel der Sommer in weiten Teilen Nordamerikas und Mitteleuropas aus. Das heutige Baden-Württemberg war besonders betroffen. In Geschichtsbüchern wird das Jahr 1816 als "Jahr ohne Sommer" oder "vulkanischer Winter" bezeichnet. Vorausgegangen war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Südostasien. Der ausgestoßene Staub legte sich wie ein Schleier um den gesamten Erdball und kühlte das Klima weltweit bis 1819 ab. Am Nordrand der Alpen kam es im Sommer 1816 zu lang anhaltenden Regen- und oberhalb 800 Meter sogar zu Schneefällen. Es war außergewöhnlich kalt. Die Folge waren Überschwemmungen und Missernten. Tausende Familien wanderten in die USA aus. Weil sich der Getreidepreis danach vervielfachte, kam es zu Hungersnöten.

Was hat das Cannstatter Volksfest mit Vulkanausbrüchen zu tun?

Was hat das Cannstatter Volksfest mit Vulkanausbrüchen zu tun?

Die Hungersnot zog die Gründung zahlreicher karikativer Einrichtungen nach sich. König Wilhelm I. von Württemberg initiierte die Gründung eines landwirtschaftlichen Vereins, dessen Zentralstelle ab 1818 jährlich ein landwirtschaftliches Fest mit Wettbewerben veranstaltete - das heutige Cannstatter Volksfest. Auch die Gründung der landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt - heute die Universität Hohenheim -, und die Württembergische Sparkasse gehen auf den Vulkanausbruch und Wilhelm I. zurück.

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