In der Metalltarifrunde nähern sich IG Metall und Südwestmetall dem Kompromiss an. Die Frage der Entgelthöhe ist allerdings noch völlig offen. Die könnte in Nordrhein-Westfalen gelöst werden, wo die Tarifpartner dem Pilotabschluss noch näher sind.
Stuttgart - Wenn es in Metalltarifrunden Richtung Einigung geht, werden die Verhandlungsführer zuweilen sehr wortkarg. Da soll auf den letzten Metern nicht durch unbedachte Äußerungen etwas an die Öffentlichkeit geraten, was zuvor zwar hinter den Kulissen angedacht wurde, in den jeweiligen Lagern aber wieder zerredet werden könnte. Es würde den Kompromiss gefährden.
Also halten sich IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger und sein Pendant auf Arbeitgeberseite, Wilfried Porth, mit konkreten Angaben nach der fünften Verhandlungsrunde zurück. Expertenrunden hatten zuletzt an Lösungen gebastelt und Fortschritte gemacht. Diese Arbeit habe sich gelohnt, sagt Zitzelsberger. „Wir konnten es heute verdichten.“ Insgesamt sei „ein wichtiger, konstruktiver Schritt in Richtung Lösung“ getan worden.
Annäherung bei diversen strittigen Punkten
„Wechselseitig haben wir ein paar Sachen abgeräumt“, betont er. Dies bedeutet, dass die hohen Hürden, die speziell die Arbeitgeber seit Beginn der Tarifrunde mit ihren Forderungen aufgebaut haben, weniger geworden sind. Vor allem sperrt sich Zitzelsberger gegen Einschnitte bei den Schichtzuschlägen, will aber wohl Zugeständnisse machen, die in die Zukunft reichen. Auch bei der Einbindung der dual Studierenden in das Tarifwerk und der Beschäftigungssicherung im Strukturwandel – den sogenannten Zukunftstarifverträgen für die Betriebe – hat man sich angenähert. Die Experten sollen noch Detailfragen klären. Dann, so Zitzelsberger, „sind wir in der Lage, das nächste Mal einen Knopf dranzukriegen.“
Allerdings wurde über die Entgelthöhe noch nicht gefeilscht – das werde die „nächste große Aufgabe“ sein, sagt der Bezirkschef und fügt hinzu: „Aber es wird ja auch an anderen Tischen verhandelt.“
Südwestmetall-Chef Porth zeigt sich sogar zuversichtlich, dass die Arbeitgeber Kostensenkungen für die Betriebe „hinbekommen“. Ansatzpunkte seien gefunden. „Wir sind optimistisch, zeitnah zu endgültigen Lösungen zu kommen.“ Parallel werde aber in anderen Tarifgebieten gesprochen – „das hat eine gewisse Auswirkung auf unsere Verhandlungen“.
Vorlage vom Rhein benötigt
Diese fast deckungsgleiche Sichtweise beschreibt das Dilemma der Kontrahenten im Südwesten: Um ohne übermäßigen Druck aus den eigenen Reihen Kompromisse zu finden, benötigen sie die Vorlage durch einen Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen. Beide Seiten vertrauen nun darauf, dass die Unterhändler am Rhein – unter strenger Beobachtung von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann einerseits und Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf andererseits – ausreichend herausholen werden. „Wenn es in einem Tarifgebiet zum Abschluss kommen sollte, sind wir natürlich eng eingebunden und wären vor Ort mit dabei“, fügt Porth an.
In Nordrhein-Westfalen steht an diesem Donnerstag die sechste Verhandlungsrunde an, die Arbeitgeber haben ein verbessertes Angebot in Form einer „substanziellen Einmalzahlung“ für 2021 und einer regulären Tariferhöhung für 2022 angekündigt. Ob das schon für die Piloteinigung reicht, ist offen. Wenn nicht, würde man wohl noch eine weitere Verhandlung ansetzen. Dann könnten sich auch die Tarifparteien in Baden-Württemberg bis Mitte nächster Woche endgültig einigen. Ein weiterer Termin wird noch nicht bekannt gemacht. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass Zitzelsberger einen Ausweg offen lassen will für den Fall, dass es in NRW schief geht. „Wir werden als IG Metall den Fuß nicht vom Gas nehmen, sondern die Belegschaften zur Unterstützung weiter auf die Straße treiben“, betont er.
Selbst die Streiks sind keine Aufreger mehr
Die Proteste halten demnach an. Doch selbst bei diesem sonst hochemotionalen Thema mögen die Kombattanten nicht mehr offen streiten. Die Arbeitgeber seien der Meinung, dass es in dieser Tarifrunde „insgesamt weniger Warnstreiks“ seien, sagt Porth. „Die Zahlen der IG Metall können wir schon traditionell nicht nachvollziehen.“ Er finde es „auch dieses Mal nicht spannend“, während der Verhandlungen bestreikt zu werden. „Ich will die IG Metall aber nicht belehren in der Frage, wie sie ihre eigenen Aktionen startet.“ Das hat schon mal völlig anders geklungen.