Mehr Geld erhalten die IG-Metaller in jedem Fall – ob es sie zufriedenstellt, ist noch offen. Foto: dpa/Paul Glaser

Der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie ist möglich. IG Metall und Arbeitgeber haben offenbar gerade noch rechtzeitig ihre harten Ausgangspositionen geräumt, meint Matthias Schiermeyer.

Ein Ludwigsburger Pilotabschluss – das wäre mal etwas Neues in der glorreichen Tarifgeschichte der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg. Bisher hat man mit diesem Verhandlungsort allenfalls das dramatische Scheitern eines Tarifkrimis vor fast genau 20 Jahren verbunden. Ein böses Omen für die entscheidende Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag sollte dies nicht sein. Denn die Signale stehen auf Verständigung.

 

Meilenweit entfernt liegende Ausgangspunkte

Eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht – bisher ist da nur die Zuversicht der Verhandlungsführer, dass sie ungeachtet meilenweit entfernt liegender Ausgangspunkte, aber nach intensiven Vorbereitungen seit voriger Woche, zusammenkommen können. Durchsetzen würden sich damit Pragmatismus und Konsensbereitschaft – genau dies benötigt die Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession.

Zwar hat sich die IG Metall alle Mühe gegeben, ihre Leute auf die Bäume zu treiben. Unerfüllbar hoch schienen zunächst die Forderungen, die sich vor allem an der enormen Inflation von 2022 und 2023 orientieren. Groß ist die Beteiligung an den Warnstreiks. Und die Warnungen vor einem Arbeitskampf sind noch nicht verhallt. Im Falle der Uneinigkeit dürfte der IG-Metall-Vorstand genau dies sehr bald beschließen.

Tarifpolitik kann den Staat nur unterstützen

Seit Beginn der Tarifrunde ist aber auch klar: Tarifpolitik kann nicht die Folgen einer Energiekrise beseitigen. Sie kann nur einen Beitrag leisten, dass die Lasten der Zeitenwende fair zwischen den Unternehmen und den Beschäftigten verteilt werden. Den Rest muss der Staat mit seinen Rettungsschirmen übernehmen. Es sieht so aus, dass ein Kompromiss auf dieser Basis glücken könnte.