Bloß nicht abschmieren: Ozzy Osbourne hat noch einiges vor. Foto: Sony/Ross Halfin

Der Rocksänger Ozzy Osbourne spricht über das Alter, die Zipperlein, das Leben und sein neues Album „Patient Number 9“.

Die Gesundheit spielt nicht so richtig mit, aber eine erneute Operation am Nacken, seine Parkinson-Erkrankung und andere Gebrechen halten das Heavy-Metal-Urgestein Ozzy Osbourne keineswegs von der Arbeit ab. Und so hat der 73-Jährige wieder ein neues Album aufgenommen. Wir unterhielten uns mit einem Sänger, dem man die Fragen teils zwei- bis dreimal entgegenbrüllen muss, dessen Schalk aber immer wieder aufblitzt.

 

Herr Osbourne, wie geht’s?

Gut, gut. Ich bin noch immer dabei, mich von meiner letzten Operation zu erholen. Das war doch eine ziemlich massive, aber auch gute Sache. Es dauert, aber es wird so langsam besser. Ich muss Geduld haben.

Es ging echt schnell mit Ihrem neuen Album „Patient Number 9“. Hat es Sie selbst überrascht, wie kreativ Sie gewesen sind?

Ach, das hatte mit dieser bescheuerten Pandemie zu tun – und mit meinem Nacken. Ich konnte wegen beidem nicht groß weg, und ich hatte auch nichts zu tun. Ich wollte aber was tun, ich hatte keine Lust, nur herumzusitzen. Dass ich dieses Album machen konnte, hat mich davon abgehalten durchzudrehen und verrückt zu werden.

Wie gefällt Ihnen „Patient Number 9“?

Ich bin glücklich damit, wie es sich anhört und wie meine Stimme klingt. Andrew Watt, mein Produzent, hat das total toll gemacht. Ich muss zugeben, mit der ganzen modernen Technologie heutzutage bin ich komplett überfordert. Ich habe davon überhaupt keine Ahnung. Aber das geht jetzt alles so viel schneller, wenn ich zu Hause singe und meinen Teil zuliefere, als wenn alle zusammen im Studio sind.

Wer ist denn eigentlich dieser „Patient Number 9“?

Die Geschichte rund um diesen Patienten ist fiktiv, wir haben uns das ausgedacht. Jedenfalls ist er ein Patient in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Faszinieren Sie psychiatrische Anstalten als solche?

Naja, ich bin mal als Patient in einer gewesen. Dass es mich fasziniert hat, kann ich nicht sagen. Die Drähte in meinem Gehirn waren damals heiß gelaufen, die Psyche brauchte Ruhe und Abkühlung.

Das war, soweit ich weiß, 1982, am Ende Ihrer „Diary of a Madman“-Solotournee, richtig?

Ja, das stimmt. Ich hatte aber auch schon in den frühen Siebzigern einen psychischen Zusammenbruch.

Wie haben Sie sich davon wieder bekrabbelt?

Ich habe eine Zeit lang Medikamente genommen, so wurde es nach und nach wieder besser. Die Leute haben immer noch Schwierigkeiten damit zu sagen, dass sie psychische Probleme haben oder in einer psychiatrischen Anstalt waren. Dabei ist das so verbreitet und überhaupt kein Grund, sich zu schämen. Besonders seit diesem Pandemieding. Ich kann mir echt vorstellen, wie es die Leute im Kopf kaputtgemacht hat, zwei Jahre in ihren Häusern eingesperrt gewesen zu sein. Der totale Horror.

Für Sie auch?

Durch die Schmerzen in meinem Nacken und die Operation hätte ich sowieso nicht viel machen können. Keiner hat gearbeitet, und ich meistens auch nicht. Aber ich habe meine Ziele erreicht in dieser Zeit: das Album zu machen und den Nacken operieren zu lassen.

Welches Ziel ist das nächste?

Auf Tournee zu gehen. Das würde ich unheimlich gerne. Sobald ich meine Gesundheit zurückhabe, werde ich loslegen und wieder live spielen.

Tun Sie gerade viel für Ihren Körper?

Ich habe einen persönlichen Trainer, der mit mir Physiotherapie macht. Jeden Tag! Also an fünf Tagen pro Woche. Und ich mache zusätzlich noch viele Übungen alleine. Das Coronavirus hatte ich auch, war nicht angenehm. Einen Tag war ich komplett am Arsch, wirklich komplett. Dann habe ich Pillen genommen, zwei am Morgen, zwei am Abend, und es wurde wieder besser. Glücklicherweise bin ich vollständig geimpft.

Im Song „Immortal“ behaupten Sie dann, unsterblich zu sein. Das denken Sie aber nicht wirklich, oder etwa doch?

Nein, nein, nein. Ich weiß sehr gut, dass ich nicht unsterblich bin. Es gab mal Zeiten, da war ich mir ganz sicher, dass es niemals zu Ende gehen wird. Aber das tut es. Alles geht irgendwann einmal vorbei, auch mein Leben hier auf Erden. Aber es kann gerne noch eine ganze Weile weitergehen.

Ozzy, Sie haben verkündet, dass Sie Ihr Haus verkaufen, Los Angeles verlassen und mit Ihrer Frau Sharon wieder zurück in Ihre Heimat nach England ziehen möchten. Was ist der Grund?

Steuern! Hier in Kalifornien ist das richtig übel geworden, was man da inzwischen bezahlen muss, ist der Wahnsinn. Und ich habe auch ein bisschen Sehnsucht nach Europa, meinen Geschwistern, ihren Kindern und Enkeln.

Sie haben jetzt vor Kurzem das 40-Jahr-Hochzeitsjubiläum mit Sharon gefeiert. Hätten Sie gedacht, dass Ihre Ehe so lange hält?

Sharon und ich, wir sind ein Wunder. Vierzig Jahre! Wir haben wirklich allen gezeigt, dass es funktionieren kann. Die wenigsten hätten das wohl für möglich gehalten.

Was ist das Geheimnis Ihrer so langjährigen Beziehung?

Ich habe gelernt, in Deckung zu gehen.

Zum Schluss etwas Politisches. In Europa ist Krieg, Putin hat die Ukraine überfallen. Was denken Sie, als Engländer Jahrgang 1948, über das, was gerade geschieht?

Ich denke, das ist sehr, sehr traurig, was in der Ukraine passiert. Ich hatte geglaubt, wir wären weiter und klüger. Ich bin im Frieden aufgewachsen. Ich hatte nicht damit gerechnet, noch einmal Krieg zu erleben. Und gerade in der heutigen Zeit ist es doch verdammt noch mal geisteskrank, so einen Krieg vom Zaun zu brechen. Ich bin gegen diesen Krieg, so sehr man das nur sein kann.

Eine Legende des Hardrock

Musiker
 John Michael „Ozzy“ Osbourne, geboren 1948 in Birmingham, war Sänger der Band Black Sabbath. Der „Godfather of Metal“ ist auch solo erfolgreich.

Album
 „Patient Number 9“ (Epic/Sony) erscheint am 9. September.