Professor Detlef Krahé von der Universität Wuppertal soll das Geheimnis um den Brummton auf den Fildern und anderswo im Land lüften helfen Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Zahlreiche Menschen in der Region leiden massiv unter Brummgeräuschen. In Leinfelden-Echterdingen, wo es besonders viele Opfer gibt, beginnen demnächst Messungen. Die Betroffenen wollen sich zudem besser vernetzen und den Druck auf die Politik erhöhen.

Leinfelden-Echterdingen - Der kleine Saal am Neuen Markt in Leinfelden reicht kaum aus. Rund 30 Menschen sind gekommen, weil sie ein großes Problem vereint: Sie leiden unter einem unerträglichen Brummgeräusch, das sie um den Schlaf bringt und nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Viele von ihnen wohnen in Leinfelden-Echterdingen, doch bei Weitem nicht alle. Auch aus Stuttgart und anderen Gemeinden in der Region sind Betroffene gekommen. An diesem Abend wollen sie sich erstmals in größerem Rahmen treffen, diskutieren und darüber beratschlagen, wie sie sich mehr Gehör verschaffen können. Auch Experten für Messtechnik und Akustik sind dabei.

 

Die Geschichten, die auf den Tisch kommen, ähneln sich. Alle berichten davon, dass der tieffrequente Ton, den sie hören und spüren, sie schier in den Wahnsinn treibt. Es geht um Leidensdruck, um die lange Suche nach der Ursache – und um das Problem, von der Umgebung nicht ernst genommen zu werden. Weder von Kollegen, Freunden oder der Politik. „Man wird einfach für verrückt erklärt“, sagt ein Betroffener aus Stuttgart. Und er kommt zum Schluss: „Am Ende hilft einem kein Mensch. Wenn alle das Geräusch hören würden, wäre es wahrscheinlich ganz schnell abgestellt.“

Die Experten am Tisch gehen davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen das tieffrequente Brummen hören können. Das Phänomen taucht weltweit immer wieder auf. Die Quelle ließ sich bisher nicht finden. „Klar ist aber: Es kommt von außen und hat eine technische Ursache“, so ein Fachmann, der aus Herrenberg angereist ist. Auch dort hat das Brummen in der Vergangenheit bereits hohe Wellen geschlagen. Bei ersten einfachen Messungen in Möhringen und Leinfelden hat sich das Geräusch eindeutig feststellen lassen – das Problem ist nur, dass die Werte unter einer Schwelle liegen, bei der die Behörden einschreiten müssen. Deshalb gibt es meist keine Hilfe.

5000 Euro vom Gemeinderat für Untersuchungen

In Leinfelden-Echterdingen wird sich das jetzt ändern. Der Gemeinderat hat nach langen Diskussionen 5000 Euro für weitere Messungen genehmigt. Sie werden demnächst beginnen. In der nächsten Woche bespricht sich der beauftragte Experte Detlef Krahé von der Universität Wuppertal mit Vertretern der Netze BW, weil auch Gasleitungen unter die Lupe genommen werden sollen. „Danach kann man etwas Konkretes sagen“, so Krahé. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Messungen noch im Juli beginnen könnten, vermutlich an drei durch Voruntersuchungen ausgewählten Stellen auf den Fildern. Dort sollen bei einer Langzeitmessung über mehrere Tage Schall und Schwingungen aufgezeichnet werden.

Bei den Organisatoren melden sich derweil immer mehr Betroffene aus der ganzen Region und auch darüber hinaus. Unter der E-Mail-Adresse brummton@posteo.de treten sie miteinander in Kontakt. Ziel soll sein, sich besser zu organisieren, um sich auch bei der Politik Gehör zu verschaffen. So empfinden es viele als merkwürdig, dass sich andere betroffene Städte, etwa Stuttgart, bisher mit einer Beteiligung an Untersuchungen komplett zurückhalten. Diese Kritik ist auch schon aus dem Gemeinderat in Leinfelden-Echterdingen laut geworden. Doch auch auf Bundesebene will man mit den Untersuchungsergebnissen etwas erreichen: Etwa ein Überdenken der bisher gültigen DIN-Bewertung. „Wir brauchen eine Neudefinition, damit die Behörden zum Handeln gezwungen sind“, sagt einer, „wir müssen politischen Druck aufbauen.“

Zunächst einmal geht es aber nun darum, mit den Messungen Zusammenhänge zu finden und mögliche Quellen für das Geräusch aufzutun. „Vielleicht stehen wir kurz vor dem Durchbruch“, hofft eine der Betroffenen. Und sie schiebt nach, was an diesem Abend im Saal wohl alle denken: „Vielleicht ist es irgendwann möglich, wieder ein geordnetes Leben führen zu können.“