„Es muss um die Opfer gehen“, sagt Daniel Rapp – und darum, wie man das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder stärken kann nach der Messerattacke vom Freitag auf dem Ravensburger Marienplatz Foto: dpa

Den drei Opfern des Angriffs in Ravensburg geht es wieder besser. Der Oberbürgermeister Daniel Rapp könnte ins Fernsehen, will aber nicht.

Ravensburg - Stern TV, Spiegel TV, auch der SWR – sie alle haben sich am Montag einen Korb geholt von Daniel Rapp. Nein, erklärte der Ravensburger Oberbürgermeister den Sendern freundlich, aber bestimmt, er wolle und werde nicht in ihren Fernsehshows auftreten. Die Berichterstattung über die Messerattacke eines 21-jährigen, psychisch kranken Afghanen in der Ravensburger Innenstadt, sagt der Christdemokrat, sei ins Ungleichgewicht geraten. „Da entsteht ein Zerrbild.“ Sein „kurzer Auftritt“ rücke ins Zentrum: „Dabei sind da drei Personen verletzt worden! Um die muss es doch gehen“, erklärt der 46-Jährige.

Die, um die es also gehen muss, denen geht es schon wieder besser, erzählt der OB, „Gottseidank“. Lebensgefahr besteht bei keinem mehr, alle sind auf dem Weg der Besserung. Am Samstag hat Rapp die beiden jungen Syrer und den Touristen, der sich dem Angreifer in den Weg gestellt hat und der somit selbst zum Ziel der Attacke wurde, im Krankenhaus besucht. Der 52-Jährige hatte sich einen Stuhl vor den Bauch gehalten und so versucht, den psychotischen Täter aufzuhalten – vergeblich. Stattdessen trafen ihn mehrere Messerstiche. „Das ist wahrer Mut“, sagt Rapp.

Der OB hat „einfach nur reagiert“

Er selbst habe an jenem Freitagnachmittag einfach nur reagiert, ohne nachzudenken. „Ich war zufällig in der Nähe und war auf dem Weg zu meinem Auto“, erzählt er, als ihm aufgeregte Bürger auf ihn zugekommen seien: es fließe Blut, man brauche Polizei und einen Notarzt. Daniel Rapp begann zu laufen, aber schon nach ein paar Metern stand er dem Angreifer direkt gegenüber. „Ich habe gesagt, leg’ dein Messer hin. Das hat er gemacht.“ Sekunden später sein ein Polizist auf dem Fahrrad hinzu gekommen, habe seine Dienstpistole gezückt und die Handschellen und habe den Mann damit gefesselt. Wie berichtet, war der 21-Jährige in der Vergangenheit schon mehrfach stationär behandelt worden wegen seiner psychischen Probleme. Am Freitag wurde er nach seiner Festnahme ebenfalls in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Rapp will nun prüfen, wie das Sicherheitsgefühl in der Stadt wieder gestärkt werden könne und schließt die Anbringung einer Videoüberwachung nicht aus, auch wenn er nicht glaubt, dass Kameras psychisch Kranke davon abhalten können, in einem psychotischen Anfall um sich zu stechen. Er wirbt dafür, ruhig und gelassen über die Konsequenzen zu sprechen – und mit ein bisschen Abstand. Sein Tübinger Amtskollege Boris Palmer ist da schneller bei der Hand mit Äußerungen. Gut integrierte Flüchtlinge, die arbeiten und sich selbst versorgen könnten, sollten ein Aufenthaltsrecht bekommen, postete er auf seiner Facebookseite. Flüchtlinge, die mit der Polizei in Konflikt gerieten oder eben hochgradig psychisch instabil seien, „sollten sich nicht frei in Städten und Gemeinden bewegen dürfen, sondern in sicheren staatlichen Einrichtungen untergebracht sein. Das können nach meiner Auffassung nur die Aufnahmestellen der Länder sein.“

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