Anfangs dachte die Familie an einen Einbrecher – bald fiel der Verdacht auf den Ex-Freund der Tochter. (Symbolbild) Foto: dpa

Der 53-jährige Familienvater schildert eindrücklich, wie der Ex-Freund seiner Tochter ihn attackierte. Die Tat im Juli 2018 hat das Leben der ganzen Familie aus Plüderhausen verändert – noch heute ist der Mann krankgeschrieben.

Plüderhausen/Stuttgart - „Wir dachten, vielleicht ist das ein Marder“, beschrieb der 53 Jahre alte Plüderhausener Familienvater das Geräusch, das er und seine Frau in der Nacht auf den 15. Juli gehört hatten. Doch es war kein Marder – und nun saß der 53-Jährige vor dem Landgericht Stuttgart dem Mann gegenüber, der bereits zugegeben hat, ihn damals mit einem Messer übel zugerichtet zu haben.

Das Opfer schilderte eindrücklich, wie das Verbrechen die Familie noch immer schwer belastet. Noch heute ist der Mann krankgeschrieben, auch seine Frau und seine Tochter sind traumatisiert.

Die damals 19 Jahre alte Tochter des Plüderhauseners feierte in dieser Nacht auf der Schorndorfer Woche. Was geschehen wäre, wenn sie in ihrem Zimmer gewesen wäre, das hat sich die Familie seither oft gefragt. Jedenfalls sah sich nun ihr Vater – zu diesem Zeitpunkt, gegen ein Uhr morgens, splitternackt – mit einem Eindringling konfrontiert, der sich hinter der geöffneten Zimmertür verborgen hatte.

Der 53-Jährige schildert, er habe ihm die Tür entgegengedrückt, um zu fliehen. „Da bekam ich schon den ersten Schlag ab.“ Dass dieser mit einem Messer geführt worden war, wurde dem Mann erst klar, als er das Blut sah, das ihm über den Kopf rann, während er schreiend die Türe zuhielt, um seiner Frau die Flucht zu ermöglichen.

Der Angreifer mit dem Messer ruft: „Wer ist im Haus?“

Sekunden später lag er auf dem Boden – gestolpert, der Angreifer über ihm. Statt an ihm vorbei zu fliehen, ging dieser zum Angriff über, er fügte dem Familienvater schwere Schnittverletzungen vor allem an den Beinen zu. „Ich stand völlig neben mir – und dachte, jetzt stirbst du“, erinnerte sich das Opfer. „Er hat immer wieder gefragt: Wer ist im Haus?“, schilderte der 53-Jährige. Die Frage, ob Amir W. dies wissen wollte, weil er es eigentlich auf seine Ex-Freundin abgesehen hatte, ist im Prozess eine zentrale.

Der 20-jährige Afghane war einige Monate mit der damals 19 Jahre alten Tochter des Opfers zusammengewesen. Der 53-Jährige hatte ihn bei der Tat nicht erkannt – obwohl sich W. eine Maske erst während des Angriffs übergezogen haben soll. Während der Angreifer sich maskierte, gelang es dem Schwerverletzten, sich aufzurappeln und über ein Dachfenster aufs Dach zu flüchten. Dort fanden ihn dann seine Frau und Nachbarn, nackt und blutend.

Die Richterin zweifelt auch an der Aussage der Tochter des Opfers

Auch die Tochter sagte am Dienstag aus. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt, sieht jedoch deutlich jünger aus. Damit, dass die zierliche junge Frau dem chronisch eifersüchtigen W. zuletzt Anfang Juli – zwei Wochen vor der Tat und gut zwei Monate nach Beziehungsende – geschrieben hatte, dass sie ihn liebe, aber trotzdem keine Beziehung mehr mit ihm wollte, konnte dieser offenbar nur schwer umgehen.

Die Richterin hatte einige Fragen an sie – etwa, warum sie W. in einem Chat mit Freundinnen bezichtigt hatte, sie geschlagen zu haben. Die Erklärung, sie habe W. damals in den Augen einer potenziellen Nebenbuhlerin schlecht darstellen wollen, überzeugte die Juristin nicht wirklich.

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